| mema |
ich bin im Moment vollkommen ratlos und durcheinander...
Meine Elterns sind beide schon seit Jahren psychisch krank. Mein Vater leidet unter einer bipolaren Affektiven Störung (von den manischen Phasen krieg ich nur irgendwie nie was mit) und meine Mutter ist sehr labil (sie neigt zum burnout Syndrom und wird dann depressiv).
Seit Anfang des Jahres geht es mir auch sehr schlecht. Es ist viel passiert, dass ich selber in die Depression abgerutscht bin. Ich fühle mich einfach alleine und hab keine Kraft mehr. Ich weiß nicht wohin ich gehen kann um Kraft zu finden, weil sich alle immer nur auf meine Kraft gestützt haben. Ich hab versucht Belastungen fern zu Halten und für alle da zu sein. Jetzt kann ich einfach nicht mehr.
Aber als ich das angesprochen habe, wurde mir vorgeworfen ich sei zu egoistisch. Mein Studium ist in Gefahr, meine Gesundheit geht den Bach runter und eigentlich will ich nurnoch hier raus. Ich habe versucht mich zurück zu ziehen, eigentlich sind meine Eltern doch alt genug alleine klar zu kommen und dass ich mich jetzt mal um meine Gesundheit und mein Leben kümmern muss. Das ich jetzt einfach mal an der Reihe bin, sonst geh ich einfach kaputt.
Aber dann kommt das schlechte Gewissen wieder...
Bin ich wirklich zu egoistisch? |
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| coco |
Liebe Mema
wer trägt denn die Verantwortung, wenn er Dich zwingt, Dich von Deinen Pflichten abhalten zu lassen?
Ich habe die schreckliche Erfahrung gemacht: niemand.
Pass auf Dich auf.
Und überleg mal: wird nicht immer das gefordert, von dem man schon viel zu viel gibt? Man ist sehr großzügig: du bist geizig. Man kümmert sich um alle, nur um sich nicht: du egoist.
Ich hoffe, dazu sagt noch jemand was hilfreiches zu Dir. Ich bin im Moment nicht so glaubwürdig, da ich mich gerade erst mit solchen Vorwürfen hab einschüchtern lassen. Ich hoffe, Dir geht es nicht so !!!
Liebe Grüße
Coco |
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| keyla |
Liebe Mema,
ich weiß nicht, ob ich heute so die richtigen Worte finde, weil ich etwas "hitzebelätschert" bin. Aber ich glaube, es gibt so etwas wie eine "natürliche Ordnung", dass die Eltern für die Kinder sorgen und nicht umgekehrt. In vielen der sogenannten "dysfunktionalen" Familien kehrt sich dieses Prinzip um, so dass die kinder dann in die "Elternrolle" rutschen. Und zwar nicht in Ausnahmesituationen oder bei Hochaltrigkeit der Eltern - wo das ja durchaus bei einem an sich guten verhältnis ok sein kann - sondern permanent.
Und sich dann innerlich ständig in einer Verantwortung fühlen, die sie aber nicht haben. Bei uns war das z.B. so, dass dann, wenn MIR etwas passiert ist, meine Mutter so überdreht ist, dass ich sie dann beruhigen und trösten sollte. und dass ich bei meinem Vater immer dachte, er ist mein kleiner Junge und kann sich nicht gegen meine Mutter wehren, weswegen ich seine Kämpfe ausgefochten habe.
Da dauert es ganz lange, innerlich zu verstehen: Eine implizite und erst recht explizite Einforderung einer solchen Verantwortung ist Unrecht. Denn Deine Eltern sind - auch wenn sie sich möglichweise selbst nicht so fühlen - eigenständige, selbstverantwortliche Menschen.
Für mich ist da meist das wichtigste, das ich mir das selber deutlich mache - denn die Eltern sind möglicherweise aktuell nicht und potentiell auch gar nicht in der Lage, Dir die "Erlaubnis" zu geben, dich Dir selber zuzuwenden.
Was mir auch hilft ist Bestärkung von anderen: meinen Freunden oder hier im Forum. Da ist das schreiben ja schonmal ein guter Schritt zur eigenen "Selbstzuwendungs-Erlaubnis".
Liebe Grüße
Keyla |
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| katzentatzen |
Liebe Mema,
erstmal finde ich, du bist ganz und gar nicht egoistisch!
Was Keyla beschrieben hat, war lange Thema bei mir in der Therapie, dass eben ich die Elternrolle/v.a. Mutterrolle übernommen habe. Ich habe erkannt, dass das mir nicht gut tut und ich mich da gerade eben als erwachsene Person abgrenzen darf und muss (als Kind merkt man es ja leider nicht)! Für mich war es insofern leichter, weil ich zu dem Zeitpunkt des Therapiebeginns nicht mehr zu Hause wohnte.
Könntest du nicht in ein Studentenwohnheim ziehen? Such dir für dich selber Hilfe, das nennt man dann EIGENVERANTWORTUNG und NICHT Egoismus!
Grüsse von den Katzentatzen |
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| alisea |
Liebe Mema,
du hast – oder entwickelst - einen gesunden Egoismus, und der ist notwendig, damit du nicht untergehst!
Sorge für dich, hole dir Unterstützung bzw. Hilfe! Gut, dass du hier geschrieben hast!
Hier gibt es vom Haus der Familie eine „Angst- und Depressionsgruppe“ mit wöchentlichen Treffen (kostenfrei), in der man sich moralische und tatkräftige Unterstützung holen kann.
Von der Stadt gibt es einen sozialpsychiatrischen Dienst, den du vielleicht für deine Eltern in Anspruch nehmen kannst – und um dein Gewissen zu beruhigen.
Eine räumliche Trennung wäre auch gut – dazu brauchst du aber auch die innerliche Distanz, da du ja sonst gedanklich immer noch bei deinen Eltern bist. Diese innerliche Distanz ( sprich: Abgrenzungsvermögen bzw. ein gutes Gewissen) wirst du ohne Unterstützung von Außen kaum erreichen.
Jetzt bist du an der Reihe! Nimm dich wichtig!
Ich schicke dir Kraft!
alisea |
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| hanna |
Liebe Mema :liebes:
Für mich ist das Selberhaltung, Selbstschutz und Eigenliebe :liebes:
Was hilft es , wenn Dein Leben vor die Hunde geht?
Lass Dich nicht verunsichern.
Bleib dabei !!!
Viel Kraft
Hannah |
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| catseye |
Liebe Mema,
ein kleiner Impuls noch von mir:
Wenn du nicht für dich sorgst,daß es dir gutgeht - dann hätten deine Eltern doch erst recht an dir niemanden mehr,den sie für ihr "Wohlergehen" benutzen könnten...
Entschuldige den sarkastischen Unterton,aber mir ging das auch so,daß ich der "Katalysator" war,v.a. für meine Mutter,und oft genug für die gesamte Familiendynamik...
Im Grunde hast du schon deine sehr gesunde Sicht der Dinge:
Es wird Zeit,daß du dich endlich auch mal um dich und dein Leben kümmerst - schlimm genug,daß sie dir da so ne Last aufgehalst haben,anstatt dir ne ordentliche Kindheit zu ermöglichen!
Und: deine Eltern sind nun wirklich alt genug,das mal alleine zu regeln - und sich mal "aushäusig" Hilfe zu holen!Ist ja nicht so,daß sie "verloren" wären ohne dich...
Ich wünsche dir viel Kraft,"Klarsicht" und Mut für dich selbst,daß du da nen guten Absprung schaffst! :liebes: |
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| shawnee |
Liebe mema,
aus der Sicht einer psychisch kranken Mutter mit einer noch bei uns lebenden, erwachsenen, Tochter kann ich den anderen nur noch beipflichten.
Vielleicht habe ich noch einen gesunden Anteil, der weiß, das ich meine Tochter nicht für mich verantwortlich machen kann.
In manchen Dingen wünschte ich, sie würde ein wenig mehr egoistischer werden.
Gesunder Egoismus bedeutet für mich: gut für sich zu sorgen, ohne andere mit Ellenbogentaktik zu verletzen.
Du gehst nicht "über L*ichen" wenn du dein Leben an die Hand nimmst und wer weiß? Vielleicht "wachen" deinen Eltern aus der Depression aus, wenn sie spüren: nun muss ich ran, da ist niemand mehr...
Du darfst, aber so was von...
Pass gut auf dich auf!
Liebe Grüße
Shawnee |
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| mema |
Vielen vielen Dank, :liebes:
eigentlich weiß ich ja, dass ich Recht habe, aber es fühlt sich leider nicht so an.
Daher tut es mir wirklich gut, zu hören, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
nochmals vielen Dank |
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