| menschenkind |
Ringelnatz - Ein ganzes Leben
"Weißt Du noch“, so frug die Eintagsfliege,
abends, "wie ich auf der der Stiege
damals dir den Käsekrümel stahl?"
Mit der Abgeklärtheit eines Greises
sprach der Fliegenmann: "Gewiss ich weiß es!"
Und er lächelte: "Es war einmal..."
"Weiß Du noch", so fragte sie,
"Wie ich damals unterm Knie
jene schwere Blutvergiftung hatte?".
"Leider" sagte halb verträumt der Gatte.
"Weißt du noch, wie ich, weil ich Dir grollte,
Fliegenleim-Selbstmord verüben wollte??
Und wie ich das erste Ei gebar??
Weißt du noch wie es halb sechs Uhr war??
Und wie ich in Milch gefallen bin?? "
Fliegenmann gab keine Antwort mehr,
summte leise vor sich hin:
"Lang, lang ist´s her - lang ".
...
Hoffe, es gefällt Euch
:-* menschenkind
Beitrag ergänzt um 20:15 Uhr:
Ein herrlicher Tag (Die Spinne)
Wenn man morgens in der Küche sitzt und das Erste, was man hört, ist das leise röchelnde Schimpfen der Kaffeemaschine, wie sie verzweifelt mit letzter Kraft versucht, doch noch mal eine Kanne Kaffee fertig zu kriegen.
«Aaaarrhhh … ich kann nicht mehr, brrrhhh … na gut, noch mal ‚nen Schwung heißes Wasser, bppffff … boarrhh, wie viel is’ denn noch? Ooohh … ich bin zu alt für so was … brrrhhhh … … …»
Wenn man sie sich so quälen sieht, aber gleichzeitig an dem klaren, heißen Wasser in der Kanne erkennt, dass man offensichtlich vergessen hat, das Pulver in die Maschine zu füllen. All ihr Tun und Quälen also letztlich völlig sinnlos ist. Man sich gleichzeitig aber auch nicht in der Lage sieht, die zwei Schritte zur Maschine zu gehen, um diesem nutzlosen Kampf ein Ende zu bereiten.
Und wenn man dann in die Ecke schaut. Die Ecke, in der man seit Monaten alle drei, vie Tage Spinnweben gefegt hat. Aber plötzlich sind da keine Spinnweben. Und das, obwohl man sie seit über einer Woche nicht mehr gefegt hat. Und dann sieht man ein Stückchen weiter die Spinne sitzen. Antriebslos, apathisch und desillusioniert. Weil sie einfach keine Lust mehr hat. Immer und immer wieder ein neues Netz zu spinnen. Ein neues Netz, das dann doch nur wieder weggefegt wird. Und man fragt sich: Gibt es einen traurigeren Anblick, als eine verbitterte, depressive Spinne in der Küche?
Und dann fühlt man sich dieser Spinne und der Kaffeemaschine plötzlich sehr nahe.
Und weil man sich ihnen so nahe fühlt, wir man später einfach das heiße Wasser mit etwas Milch trinken. Und dann wird man den Besen holen, ein paar alte Spinnweben aus den Borsten zupfen und sie so gut es geht wieder in der Ecke drapieren, um die Spinne ein wenig aufzumuntern.
Und plötzlich lächelt man, weil man auf einmal spürt, da ist doch jemand, dem man helfen kann! Da ist doch etwas, was man tun kann! Und wenn’s nur ist, dass man ein bisschen Dreck macht.
Und wenn man dann, kurze Zeit später, die Spinne wieder ein neues Netz spinnen sieht. Dann weiß man: Alles wird gut. Es wird doch ein herrlicher Tag. |
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| igelin |
*schmunzel* :p - besonders über die Spinne!
:igel: |
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