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Aufregung im Vorfelde, "Hirsche wild" machen - Klicken Sie HIER um das ursprüngliche Thema anszusehen

    shawnee
    Huhu,

    ich mach mal grad ein neues Thema auf, will das mit meinen anderen nicht vermischen.

    Paßt aber alles irgendwie zusammen.

    Ich bin sehr empfindlich: ich kann Geräusche schlecht ertragen, raste aus, wenn's zuviel wird, werde ungerecht und pampig.
    Ich kann Gerüche noch weniger ertragen, bis hin zum Würgereiz.
    Ich kann schlecht Kontrolle abgeben und gerate echt ins Trudeln, wenn ich irgendwo etwas nicht geregelt bekomme, etwas aus "dem Ruder läuft".

    Die Situation ist folgende:
    Ich habe neben meinem Zimmer (wir schlafen hier alle in eigenen Zimmer, 3-Zi-Eigentumswohnung) eine farbige F*milie wohnen (ich schreibe das mal so, es ist eben ein ganz andere Kultur) mit drei kleinen Kindern (6,4,2).
    Die toben den ganzen Tag in der Bude rum.
    Da wird geschrieen, getrampelt, gepolter, gehüpft, gebrült und vor allem geweint.
    Geweint und geweint und dann vom Sofa auf den Boden gesprungen.
    Nun haben die sich noch einen Hund zugelegt.
    Eine kleine Fußhupe. Der bellt. Hoch und keifend.
    Nicht dauernd, aber, er bellt.
    Mich macht das ganz rappelig und wenn ich es nicht mehr aushalte muss ich meinem Ärger Luft machen und haue gegen die Wand.

    Die Wohnung unter uns stand lange leer, davor lebte dort ein älteres Ehepaar, beide verst*rben.
    Heute sah ich mit Grausen, das das Schild "zu vermieten" weg ist.
    D.h., ich bekomme Nachbarn.
    Und schon läuft mein Gedanken- und A**st-Karussel.
    Was werden das für Leute sein?
    Nett und ruhig oder wieder eine F*milie mit vielen Kindern?
    Wir haben im Haus noch eine afghanische F*milie wohnen, die haben auch drei Kinder und keine Kultur. Ich könnte jetzt echt gehässig werden, aber, ich versuche sie zu respektieren.
    Ich weiß nicht, was die kochen, aber, es stinkt.
    Morgens um 7 Uhr komme ich aus meiner Wohnung heraus und es stinkt schon nach geschmortem Hammel mit Zwiebeln.
    Bäh.

    Ich rege mich also auf.
    Den ganzen Tag.
    Manchmal versuche ich nicht hinzuhören.
    Wir haben hinter dem Block eine riiieeesige Wiese mit Spielplatz.
    Wo spielen die Kinder?
    Vor meinem Fenster auf dem Rasen.
    Ich bin schon die "b*se, kr*nke Nachbarin, die einen Schuss weg hat"...ich sag dann schon freundlich zu den Kids, sie mägen bitte nach hinten gehen.
    Sie spielen ja nicht Memory oder stille Post - sie spielen Kr*eg und Kloppen sich...
    Ich habe den Verwalter schon mal drauf angesprochen, ob ich das alles so hinnehmen muss und er meinte, alle müssen dafür sorgen, das ein Zusammenleben gut funktioniert.
    Wie aber bekommt man Menschen dazu, andere zu respektieren?
    War die Welt schon immer so?
    Bin ich wirklich so empfindlich?

    Ja, ich bin mit meinen Nerven am Ende.
    Wir können die Wohnung nicht verkaufen, sie ist noch nicht bezahlt und ein Umzug - wer sagt mir, das es anderswo leiser ist?
    Ich bin nicht geschaffen für diese Welt und mein M*nn sagt immer: reg' dich erst auf, wenn es soweit ist.
    Das schaffe ich nie.

    Geht es noch jemandem so?

    Lg
    Shawnee
    blaueartemis
    Liebe Shawnee,

    ich kenne das Gefühl "ich bin nicht für diese Welt" oder "Diese Welt ist nichts für mich", wenn es mir nicht gut geht.

    Ich glaube, diese Gereiztheit bei Geräuschen, Kinderlärm & Co ist auch eine Traumafolge. Alle Kraft geht in die Konzentration bei mir manchmal, mich konzentrieren darauf, alles wahrzunehmen und mit allem gut umzugehen und alles, was ich in der Therapieg gelernt habe, anzuwenden und alles im Innern so genau wie möglich wahr zu nehmen.

    Wenn mich meine Aussenwelt so in meinem Gereiztsein berührt, nehme ich das als "Übung", liebevoll zu mir selbst zu sein.

    Ich lebe allerdings sehr abgeschieden in einem eigenen freistehenden Haus mitten in der Natur. Für mich ist das unabdingbar, so zu wohnen. ich brauche es ganz dringend, Stille zu haben oder nur Naturgeräusche wie Traktoren, Vögel, Kühe und Gänse zu hören. Als meine Nachbarn einen neuen Hahn hatten - vorher hatten sie keinen - bin ich total nervös geworden, weil er so oft gekräht hat, wie Hähne eben krähen.

    Als meine Nachbarn eine Pfau angeschafft haben, der sich dann noch in seiner Brunftzeit auf die Stromleitung vor meinem Schlafzimmerfenster gesetzt hat (!!!) und dort laut geschr***n hat, wie ein K*nd, das geschl*gen wird, bin ich fast verrückt geworden. Er ist dann zum Glück (zu meinem Glück, meine Nachbarn waren natürlich traurig) gestorben.

    Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    shawnee
    Guten Morgen,

    liebe Du, vielen Dank für Deine Antwort.
    Ich bin ja, wenn ich so nervös werde, nicht gut zu mir. D.h., gestern sind wir dann geflüchtet.
    Nachdem die in der leeren Wohnung unter uns anfingen, die Türen abzuschleifen, habe ich zu meinem M*nn gesagt: lass uns raus gehen und wir sind spazieren gegangen.
    Einmal um einen Teich, tat so gut.
    Ich fühle mich auch in DK immer so wohl.
    Ein Ferienhaus kann nicht abgeschieden genug sein.
    Dann sitze ich da und genieße die Stille.
    Ich werde versuchen, ein wenig gelassener zu werden, was mir total schwerfällt.
    Vor allem bräuchte ich Kontrolle über die Mieter, die nun unter uns einziehen werden.
    Würde gerne wissen, ob die laut sind.
    Kann ich so ja nicht beurteilen.
    Aber, da merke ich, hab ich einen Schuss!

    Lg
    Shawnee
    marguerite
    liebe shawnee,

    ich finde nicht, dass du einen schuss hast.
    mir geht es ähnlich wie dir, ruhe und sicherheit in der wohnumgebung sind für mich notwendig, und jede veränderungich macht mir angst, da wünsche ich mir auch oft die kontrolle über meine umgebung.
    bei mir sinkt der stress dann meist wieder, wenn ich mich an das neue gewöhnt habe. z.b. registriere ich die kinder draußen auf dem spielplatz kaum noch, aber wenn ich plötzlich neue geräusche von nebenan höre... :haare:
    kennst du solche gewöhnungseffekte auch? dass beängstigendes mit der zeit vertraut werden kann?
    für mich war die entdeckung von ohropax übrigens eine maßgebliche. zumindest kann ich mir so nachts im notfall die nötige ruhe verschaffen und schon das entspannt mich ernorm, wenn mein mitbewohner unter mir mal feiert oder so.

    dauerhafter lärm tagsüber, so wie du es beschreibst, würde mich aber auch mürbe machen.
    und meiner erfahrung nach ist die verständigung mit anderen kulturen oft problematisch, weil die wahrnehmung der normalität so unterschiedlich ist. ich hab mal eine woche in einer islamischen familie verbracht und war nach 3 tagen völlig reizüberflutet von der enge, der menge von menschen und der intensiven lebendigkeit. andersherum würden sie es bei mir wohl furchtbar still und langweilig finden.
    da ein wirkliches miteinander zu finden, kann sich superschwer gestalten, weil jede seite völlig unterschiedliche bedürfnisse und vorstellungen in der lebensführung hat und die nöte der anderen seite oft schlecht nachvollziehen kann. und leider bist du diejenige, bei der leidensdruck entsteht. die aussage eures hausverwalters dazu ist etwas sehr einfach, finde ich.

    liebe shawnee, eine lösung weiß ich leider nicht. mir helfen bestimmte sicherheitsstrategien (wie mein ohropax), um zumindest teile der belastung kontrollierbar zu machen.
    und, wenn möglich, kontaktaufnahme und gegenseitiges verständnis - das klappt in meiner derzeitigen wg sehr gut, wenn es zu laut ist, aber hab ich auch schon anders erlebt. hast du denn kontakt zu den familien, die dich besonders belasten? manchmal ist ein gespräch über so etwas unangenehmes wie lärmbelästigung ja einfacher, wenn man eine positive grundstimmung hat...

    viel glück für ein paar ruhige neue mieter wünsch ich dir und :kopfh: mit schöner musik für den notfall!
    (apropos musik, kannst du nicht mal ordentlich in die keyboardtasten hauen, wenn es nebenan zu sehr tobt? :bang: ;) )

    :winken:
    marguerite
    shawnee
    Ihr Lieben,

    ich hole den Thread nochmal aus der Versenkung.
    Vielen Dank auch für deine Antwort, marguerite.
    Das mit dem Oropax ist zwar eine Lösung - die ich schon probiert habe - aber, wenn ich so gar nix höre, auch nicht gut. Nun übe ich mit einem Oropax zu schlafen, ich bewege mich nicht viel im Schlaf, so dass ich eine Seite dann (die, die nicht auf dem Kissen liegt) zumache.
    So, das will geübt sein und im Moment ist es noch keine Erleichterung.

    Unter uns sind junge Leute eingezogen.
    Die haben einen Sohn, der ist 3 und bekommen im Herbst noch ein Baby.
    Da ich das Zimmer nach vorne habe (das sog. Wohnzimmer) werden meine beiden Lieben wohl das Kinderweinen dann in ihren Zimmern nachts haben.
    Ich kenne den jungen M*nn, der ist hier in der Straße groß geworden...der hört gerne Techno.
    Davon habe ich dann auch noch was gehabt.
    Allerdings ist gegen 22:30 Uhr auch soweit Ruhe.
    Das ist für mich recht spät- an Schlaf ist vorher nicht zu denken. *seufz*

    Ich habe mir ein Buch gekauft: "Wenn du zu viel fühlst. Wie Hochsensible den Alltag meistern" und da sind Übungen drin, wie ich lernen kann, das Geräusche nichts mit mir zu tun haben.
    Das fand ich schon spannend zu lesen, das es nicht "meine Geräusche" sind.
    Klaro hau' ich mal in die Tasten und ich sauge auch morgens um 8 Uhr schon - mit Radio an.
    Da bin ich dann eher der "frühe Vogel" - damit müssen die auch klar kommen.

    Es ist mittlerweile so, das unsere ausländischen Nachbarn so gerne ihre Grenzen erweitern. Ansagen was die Hausordnung betrifft werde gerne übersehen. Da wird nachts gebadet (ist ja erlaubt aber bedingt durch 50 Jahre alte Rohre ist das Rauschen des Wassers durchs ganze Haus zu hören).
    Die Fahrräder stehen jetzt schon im Flur (der arme 11jährige kann nach der Schule sein Rad nicht noch 5 Stufen in den Keller tragen) und eins kommt zum anderen.
    Schuhe, die achtlos im Gang liegenbleiben, wo ich dann drüberstolpern muss (die feg ich dann auch schon mal mit W*t in die Ecke)...
    Ich meine, wenn das nun jeder machen würde?
    Das Treppenhaus wird unten nie gereinigt.
    Wenn wir Besuch bekommen, sch*me ich mich echt, weil das nur dreckig ist.

    Wir arbeiten an dem Projekt: wie können wir hier in zwei Jahren (dann geht mein M*nn in Rente) die Kurve kriegen und wegziehen?
    So lange muss ich es noch aushalten.
    Es geht wirklich um aushalten.

    Lg
    Shawnee