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Die kleine Elfe im Stein - ein Märchen - Klicken Sie HIER um das ursprüngliche Thema anszusehen

    catseye
    Ich hab mal wieder ein Märchen fabriziert und stell es mal hier rein für euch....

    Die kleine Elfe im Stein

    Da gab es einmal eine kleine Elfe,die sprudelte nur so vor Lebensfreude.Zart war sie und ihre Flügel so durchsichtig,daß man ganz genau hinsehen mußte,um überhaupt zu bemerken,daß sie welche hatte.
    Sie war die Kleinste im Elfenreich,aber das glich sie aus durch ihr großes Herz und ihren Übermut.Sie liebte das Leben so sehr,daß sie dachte,einem jeden anderen fühlenden Geschöpf ginge es genauso wie ihr.
    Und so kam es,daß sie eines Tages einem bösen Zauberer in die Quere kam.In ihrer Unbekümmertheit flatterte sie durch seine Kammer,und dabei stieß sie ausversehen ein Glas mit einem kostbaren Elixier zu Boden.
    Der böse Zauberer war mächtig zornig darüber und die kleine Elfe versuchte schnell, ihn mit ihrem ganz eigenem Elfentanz milde zu stimmen und wieder aufzuheitern.Nur war der böse Zauberer nicht umsonst ein böser Zauberer!Der Tanz der kleinen Elfe störte ihn in seiner Bitterkeit und so wurde er noch zorniger.
    So zornig,daß er seinen Zauberstab schwang und – pling! Die kleine Elfe war verzaubert.
    Ein komischer Stein war um sie herum und sie in seinem Inneren gefangen.Der Stein war schwer genug,daß ihr unbeschwerter Tanz der Leichtigkeit plötzlich unterbrochen war und sie mitsamt dem Stein zu Boden sank.
    Der Zauberer überließ sie ihrem Schicksal und stiefelte immer noch zornig davon.Von Elfen wollte er nichts mehr wissen!
    Die kleine Elfe saß erst einmal eine gute Zeit lang starr vor Schreck in ihrem Stein gefangen am Boden.Dann begann sie,ihr Gefängnis zu ergründen.Hart fühlte es sich an.Aber der Stein war durchsichtig.Zwar brach sich das Licht in den unterschiedlichsten Farben und Formen an seinen Kanten,doch sie gewöhnte sich schnell an diese andere Art zu sehen und zu erkennen.
    Kalt war er,dieser Stein.Doch seine Oberfläche war ganz glatt.Nur die Kanten,die waren sehr scharf.
    Irgendwann versuchte die kleine Elfe,trotz des Steins um sich herum wieder zu fliegen.Oh,das war schwer!Wie sehr mußte sie sich nun anstrengen,um sich überhaupt in die Luft erheben zu können!Aber es gelang ihr.Und so schaffte sie es auch,mit ihrem Gefängnis um sich herum zum Elfenvolk zurückzukehren.
    Dort war aber nun alles sehr seltsam!Niemand schien den Stein zu bemerken,der sie nun einschloß.Trotzdem aber sahen die anderen Elfen sie nun nur noch verzerrt.Und je nachdem,wie das Licht auf den Stein fiel,erschien sie ihnen in den unterschiedlichsten Farben und Formen.Doch die paßten irgendwie nie zu ihrer Umgebung.
    Die kleine Elfe wiederum erkannte ihre Freunde und ihre Familie sehr wohl.Sie hatte sich ja an diese andere Art des Sehens schon gewöhnt.Die anderen allerdings wunderten sich,wo denn nur ihre Leichtigkeit geblieben war.Die kleine Elfe konnte wohl noch mit ihnen fliegen,aber immer blieb sie nun weit hinter den anderen zurück,obwohl sie sich dreimal so anstrengen mußte.Nie wieder seit diesem Tag sah sie ein anderer Elf ihren Tanz der Leichtigkeit tanzen...
    Am meisten aber brach es ihr das Herz,daß sie nun niemanden mehr berühren konnte und daß auch sie nicht mehr berührt wurde.Die anderen waren fern,so fern,und sie mußte sich damit begnügen,ihnen aus ihrem Gefängnis heraus beim Leben zuzusehen.
    Oftmals reichte ein anderer Elf ihr die Hand,doch begegnete er nur dem Stein,den er aber nicht wahrnahm.Spüren konnte er nur,daß er die kleine Elfe nicht wirklich berührt hatte,denn da war keine Wärme.Und die kleine Elfe,was kämpfte sie oft,um einmal eine solche Hand ergreifen zu können – aber jedesmal war die kalte harte,glatte Fläche des Steins dazwischen.Manchmal kämpfte sie so sehr,daß sie sich irgendwann an einer der scharfen Kanten verletzte,weil sie nicht mehr aufgepaßt hatte.
    Mit der Zeit versuchte sie immer häufiger,immer drängender,den anderen mitzuteilen,was ihr geschehen war.Aber nur dumpf klang ihr Schreien nach außen,und den anderen unverständlich.Ebenso erging es der kleinen Elfe: Wer immer zu ihr sprach,den hörte sie zwar,aber wie aus einer sehr großen Ferne durch einen dichten Nebel.Und auch ihr waren die Worte meist unverständlich,denn sie brachen sich genauso wie das Licht und die Wärme an den Kanten des Steins.
    Und so wurde die kleine Elfe von Tag zu Tag einsamer und verzweifelter.Sie wußte sich keinen Rat mehr und ergab sich in ihr Schicksal.Die anderen mieden sie nun und hielten sie für sehr seltsam.Nur einer hatte Mitleid mit ihr und brachte sie zum klügsten Elfen im Elfenreich,vielleicht wußte der ja Rat.Das war ein alter und lebenserfahrener Elf,er war schon seit langem der Berater des Elfenkönigs und hatte das Volk der Elfen schon oft vor Unheil bewahren können.
    Der sah sich die kleine Elfe in ihrem Gefängnis ganz genau an.Wieder und wieder versuchte er,sie zu erreichen und erkundete so,ohne es zu sehen,den Stein um sie herum.
    “Hmm”,murmelte er in seinen Bart hinein.”Hmm.Kalt isses.Hmm.Hart isses.Hmm.Und ganz glatt isses.Hmm”
    Doch plötzlich: “Aua!!Was ist das denn??” Der kluge Elf hatte sich an einer der scharfen Kanten verletzt.”Na,so etwas!” Er grübelte und dachte nach,doch nun wagte er nicht mehr,den Stein zu berühren.
    Schließlich fing er an zu sprechen: “Also,nach allem,was ich jemals wußte und begriffen habe,kenne ich nur ein Material,das so ist wie dieses!Das muß ein Diamant sein,den man mit dem Auge nicht erkennen kann.Aber offensichtlich hat sich unser Elfchen in einen Diamanten verwandelt!” Wieder dachte er lange nach.
    “Nun”,meinte er schließlich, “soooo schlecht ist das ja nun nicht,liebes Elfchen!Dann bist du ja ganz was Kostbares!Zwar nicht sonderlich lebendig,aber ich kenne keinen stärkeren Stein als den Diamanten.Und damit bist du nun sehr geschützt vor allem,was dir Böses will.Und da du doch eh so ein zartes,kleines Elfchen bist,ist das vielleicht gar nicht so verkehrt und es hatte so kommen müssen! Ja!So ist es!Es mußte so kommen und diente nur deinem Schutz!”
    Damit war für den klugen Elfen alles geklärt und das kleine Elfchen durfte sich zurückziehen.
    Es hatte nicht viel von dem verstehen können,was der kluge Elf da von sich gegeben hatte.Aber ein paar Worte waren zu ihr durchgedrungen:
    Sein Schmerzensschrei,also mußte sie wohl andere verletzen allein dadurch,daß es sie gab.Das wollte sie nicht und so beschloß sie,sich noch mehr von den anderen zurückzuziehen.
    Dann hatte sie was von “Schutz vor Bösem” gehört.Also war es wohl besser,in ihrem Gefängnis zu bleiben.Wer weiß,was noch Schlimmeres passieren könnte ohne diesen Stein um sie herum!Sie beschloß also,den Stein schätzen und lieben zu lernen.
    Dann hatte sie noch verstanden,daß es wohl so sein mußte,wie es gekommen war.Also war sie wohl auch selbst schuld daran.Sie hatte es wohl nicht anders verdient.
    Was sie allerdings auch diesem klugen Elf nicht hatte klarmachen können war,daß nicht sie selbst sich in diesen Stein verwandelt hatte,sondern daß der um sie herum war und sie in seinem Inneren gefangen.
    Von nun an lebte die kleine Elfe ganz weit entfernt von den anderen Elfen und versuchte,aus ihrer Lage das Beste zu machen.
    Hin und wieder besuchte sie einer der anderen Elfen,aber es war anstrengend für die anderen und oft blieben sie lange weg.
    Die kleinen Elfenkinder hingegen machten sich manchmal einen Spaß daraus,sie in der Sonne hin und her zu drehen und sich darüber lustig zu machen,wie verzerrt ihr Bild ihnen dadurch erschien und in welche Farben sie dann getaucht war.
    Die kleine Elfe benutzte nun wirklich ihr Gefängnis bei solchen Begebenheiten als Schutz und verkroch sich regelrecht darin.
    So versuchte sie nun,Tag für Tag zu überstehen und wurde immer trauriger und einsamer und lebloser.
    Eines Tages kam ein weiser alter Pilger des Weges,der hin und wieder beim Elfenvolk Rast machte und eine Weile bei ihnen blieb.Die Elfen mochten ihn sehr gerne,er war ein fröhlicher und warmherziger Mann,dem zuzuhören und mit ihm die Zeit zu verbringen einem das Herz leicht machte.
    Schon am ersten Abend fragte er,wo denn die kleine Elfe abgeblieben war,und die anderen Elfen erzählten es ihm.Seltsam sei sie geworden und niemals wieder habe sie sie mit ihrem Tanz der Leichtigkeit erfreuen wollen.Alles sei nun schwer und anstrengend mit ihr.
    Das zu hören machte dem weisen Alten das Herz schwer und er beschloß,sie am anderen Tag einmal aufzusuchen.
    Und am nächsten Morgen machte er sich gleich auf zu der kleinen Elfe.
    Weit draußen auf der Elfenwiese fand er sie schließlich in ihrem Stein gefangen traurig an einem Bach sitzend.
    “Hallo,meine kleine Elfe!” sagte er. “Ich habe dich bei den anderen vermißt!Wieso bist du denn so alleine hier draußen unterwegs?Magst du denn die anderen nicht mehr?” Und er ließ sich neben ihr auf der Wiese nieder,als ob nichts geschehen und nichts traurig oder schlimm wäre auf dieser Welt.
    Woran es lag,daß die kleine Elfe den weisen Pilger besser verstehen konnte als alle anderen um sich herum,das weiß niemand so genau.Vielleicht sprach er deutlicher oder lauter.Vielleicht war es aber mehr noch sein liebevoller Blick,mit dem er die kleine Elfe bedachte und der ihr mehr sagte,als alle Worte der Welt hätten sagen können.
    Traurig meinte die kleine Elfe: “Du siehst wohl auch den Stein um mich herum nicht,sonst würdest du nicht fragen!Kostbar soll er sein und mir ein Schutz,aber ich hasse ihn!Seinetwegen mögen mich die anderen nicht mehr!Er ist zu schwer,als daß ich schnell genug mit den anderen fliegen könnte.Und wegen ihm kann ich meinen Tanz der Leichtigkeit nicht mehr tanzen.Und das nehmen die anderern mir übel.Ich bin ihnen zu anstrengend jetzt.Zu kalt und zu hart,zu langsam und zu schwer.Sie denken immer,ICH wäre dieser Stein.Keiner begreift aber,daß ich in diesem Ding gefangen bin.” Und dann erzählte sie ihm,wie das geschehen war,daß der böse Zauberer sie in dieses Gefängnis eingeschlossen hatte.
    “Tja” , meinte der weise Alte. “Ich sehe das noch ein bißchen anders.Sicher hast du recht,den anderen ist das alles zu mühsam.Und sie sehen nunmal meist nur mit ihren Augen und nicht auch mit ihrem Herzen.Aber du mußt sie auch ein bißchen verstehen.Das was sie sehen,wenn sie dich betrachten,macht ihnen Angst.Du schillerst in zu vielen Farben auf einmal für sie,das erschreckt sie.Und weil sie dich nur in immer wieder neuen Verzerrungen sehen,wissen sie nicht mehr,welches von diesen Bildern denn nun eigentlich du bist.”
    Die kleine Elfe dachte nach.Ja,es war wohl so,wie der alte Weise es sagte. Sie fragte den alten Pilger : “Ich weiß,an diesem Stein bin ich selber schuld.Können die anderen mir denn nicht doch aber irgendwann vielleicht einmal verzeihen?” Mit ein bißchen Hoffnung im Blick sah sie zu dem Pilger hoch.
    “Nun ja”,begann der vorsichtig. “Ich denke nicht,daß die anderen Elfen dir etwas vorwerfen.Sie sehen dich einfach,ohne zu erkennen,was passiert ist.Und das,was sie sehen,das ist ihnen nunmal zu unbequem,um sich damit näher zu befassen.
    Wenn dir einer vergeben soll,dann doch wohl höchstens der böse Zauberer,oder?
    Aber auch da bin ich anderer Meinung als du!Ich sehe es nicht als deine Schuld an,denn dieses Gefängnis um dich herum hast du nicht verdient.Es war nicht das verlorengegangene Elixier,was du ausversehen umgestoßen hast,das diesen bösen Zauberer so erzürnt hat,daß er dich in diesen Stein gebannt hat.Es war wohl eher deine Leichtigkeit und deine Lebensfreude,die er nicht ertragen konnte.
    Vergiß nicht,er ist ein böser Zauberer und böse Zauberer waren nicht immer böse.Sie wurden es mit der Zeit,weil sie die Bitterkeit in ihrer Seele pflegten und nährten.Und Bitterkeit und Lebensfreude,die vertragen sich nunmal nicht.”
    Die kleine Elfe blickte traurig auf das Wasser vor ihr,ohne auf das faszinierende Spiel der Farben zu achten,das ihr Stein aus Wassertropfen und Sonnenstrahlen zauberte.
    “Ist ja recht und gut”,seufzte sie schließlich. “Aber es ändert nichts daran,daß ich hier in diesem Gefängnis sitze und nichts dagegen machen kann.” Das klang so hoffnungslos,daß es dem weisen Alten im Herzen weh tat.
    “Glaubst du wirklich,du kannst nichts dagegen machen?” fragte er schließlich bedächtig.
    Die kleine Elfe blickte auf : “Ja,weißt DU denn einen Weg,wie ich diesen Stein wieder loswerden kann?Weißt du denn,wo der böse Zauberer ist,daß ich ihn aufsuchen kann?Und wie ich ihn dazu bringen kann,Mitleid mit mir zu haben und mich aus dem Stein wieder rauszuzaubern?” Kurz hielt die kleine Elfe inne und dachte nach:
    “Oder kannst du das für mich tun?Kannst du mich bitte aus diesem Stein befreien?Du bist doch so weise und hast so liebe Worte für mich!Du siehst den Stein und du siehst mich und für dich ist das nicht ein und dasselbe.Bitte bitte,du weißt bestimmt,wie das geht!Bitte bitte befrei mich aus diesem Gefängnis!”
    All die Hoffnung der kleinen Elfe lag nun auf dem weisen Alten,der als Einziger bisher so klar hatte erkennen können,was wirklich mit ihr los war – und der trotz aller Verzerrungen und dem Spiel der Farben sie selbst dabei wohl doch noch sehen konnte.Bestimmt konnte er das!Ganz bestimmt würde er sie gleich aus dem Stein befreien!
    Ganz aufgeregt flog sie mit ihrer schweren Last um sich zu dem alten Pilger und plazierte den Stein mit sich selbst darin mitten auf seiner Hand.Erwartungsvoll sah sie ihn an.
    Dem weisen Alten wurde ganz schwer ums Herz,denn er wußte,daß er die kleine Elfe nun bitter enttäuschen mußte.Er holte einmal tief Luft und meinte dann ganz leise : “Tut mir leid,aber das werde ich nicht tun!Du hast recht,ich könnte dein Gefängnis zerstören.Aber ich würde dir damit entsetzliche Wunden zufügen,denn all die scharfen Kanten der Splitter würden auf dich einstürzen.Und denen könntest du nicht entkommen.Und ich könnte es nicht verhindern.Denn jede Kraft von außen sorgt dafür,daß dein Gefängnis dein Untergang wird.”
    Enttäuscht sank die kleine Elfe in ihrem Stein in sich zusammen. “Dann gibt es also wirklich keine Hoffnung mehr für mich!” stellte sie fest. “Dann möchte ich lieber sterben,als so weiterleben zu müssen – im Stich gelassen von jedermann,selbst von dir!Einsam und ohne Zuhause.Und niemand mehr wird versuchen,trotz des Steins um mich herum mich erreichen zu wollen.Es ist ja inzwischen bekannt,daß man sich dann nur weh tut...”
    Warm und herzlich sah der alte Pilger sie nun an,wie sie da auf seiner Hand in ihrem Stein saß und bitterlich über ihr Schicksal klagte.
    “Vergißt du da nicht etwas?” sagte er schließlich. “Vergißt du da nicht die ganze Kleinigkeit,daß das nur EIN Weg ist von vielen,um dein Gefängnis loszuwerden?Wenn du es für den einzigen Weg hältst,daß ein anderer ohne dein eigenes Zutun dich aus deinem Gefängnis befreit,dann wirst du darin eines Tages von Bitterkeit und Verzweiflung erfüllt sterben müssen.Und das wäre sehr schade!”
    Zornig brauste die kleine Elfe da auf : “Ja,aber,sagtest du vorhin nicht ,daß es gar nicht meine eigene Schuld sei,daß ich hier so sitze??Wenn es doch nicht meine eigene Schuld ist,warum sollte ich mir dann alleine die Mühe machen müssen,hier wieder rauszukommen?Das ist nicht gerecht!”
    “Du hast recht”,erwiderte der alte Weise sanft. “Das ist wirklich nicht gerecht.Aber denkst du denn,du wirst von einem bösen Zauberer jemals Gerechtigkeit erwarten können?Das wäre ein anderer Weg,der möglich wäre,aus deinem Gefängnis freizukommen : Der böse Zauberer sieht seine Schuld ein und verschafft dir Gerechtigkeit,indem er seinen Zauber bereut und rückgängig macht.
    Was glaubst du,wird ein böser Zauberer zu so etwas bereit sein?Ich denke mal,eher fließt das Wasser aus freien Stücken den Berg hinauf als hinunter,bevor ein böser Zauberer so etwas einfach tut.
    Das Recht ist natürlich dabei auf deiner Seite.Aber ich befürchte,du wirst dich entscheiden müssen,ob Gerechtigkeit dein Ziel ist oder wieder ohne dein Gefängnis leben zu können.”
    Der alte Weise konnte sehen,wie die kleine Elfe mit dieser Erkenntnis rang,die sich so langsam in ihrem Herzen ausbreitete.Nur um Recht zu bekommen,diesen Stein vielleicht ein Leben lang mit sich rumschleppen zu müssen - das wollte sie nun auch nicht.
    Und nach einer Weile,in der sie angestrengt nachgedacht und der alte Pilger sie liebevoll wärmend mitsamt ihrem Stein in seiner Hand gehalten hatte,da fragte sie dann plötzlich:
    “Sag einmal,wenn du schon so viel über unterschiedliche Wege weißt – dann weißt du vielleicht auch einen Weg,auf dem ich diesen Stein wirklich loswerden kann - auch wenn er kostbar und ein Schutz ist - und ich es doch überleben könnte?” Ihr Blick war fragend und ein kleiner Hauch neuer Hoffnung war darin zu erkennen.
    “Naja”,meinte der Pilger, “als Pilger kenne ich natürlich viele Wege.Und viele davon bin ich selber schon gegangen.Aber ich weiß nicht ALLE Wege!” Er dachte eine Weile nach.Dann sagte er : “Einen Weg wüßte ich schon.Und der würde auch zu dir passen.Aber der ist nicht leicht – und auch nicht ganz ungefährlich,denn es ist dabei immer noch möglich,daß du dich sehr verletzen kannst.Aber es wäre ein Weg für dich.”
    Nachdenklich hielt er inne.
    “Nun sag schon!” drängelte die kleine Elfe. “Du weißt doch was!”
    Der alte Pilger schmunzelte ein bißchen. “Na,sooo begeistert wirst du nicht mehr sein,wenn ich dir diesen Weg gesagt habe!” meinte er lächelnd. “Aber gut,ich will ihn dir erklären.”
    Gespannt hörte die kleine Elfe zu,als er begann :
    “Ich kenne dich ja nun schon eine ganze Weile.Die anderen mögen dich für klein und zart und zerbrechlich halten,aber ich weiß,daß du ein großes Herz hast und einen großen Mut.Ich weiß auch,daß du sehr stark sein kannst und deine Ziele ausdauernd verfolgst,auch wenn anderen das nicht klar sein mag,weil sie sich von deiner Leichtigkeit ablenken lassen.Und ich weiß,daß du ein kräftiges buntes Leben in dir trägst,daß du nur zu gern mit den anderen teilen möchtest.
    All das wird dir auf diesem Weg eine große Hilfe sein.”
    Die kleine Elfe wunderte sich,wie er so etwas in ihr erkennen konnte.Ob er sich da nicht doch ein bißchen täuschte?
    Der alte Weise sprach weiter: “Ich kenne diese Art Gefängnis,die dich umgibt.Und ein guter Weg für dich wird sein,die Farben und das Licht und die Wärme,die dir dein Stein zaubert,einzufangen und dein Gefängnis damit so lange und ausgiebig zu füllen,bis es von selber zerspringt.
    Erfreue dich doch an den unterschiedlichen Farben!Laß sie in dein Herz und laß deine Seele darin baden.Setze dein Gefängnis in die Sonne,es sorgt dafür,daß die dich viel mehr wärmen kann,als sie das bei anderen tut.Nutze die Wärme und die Fröhlichkeit der Farben und Formen,um dein Herz zu erfreuen,deine Seele zu stärken und blicke nicht mehr nur einzig auf das,was dein Gefängnis dir unmöglich macht.
    So hältst du das Leben und die Freude in dir nicht nur lebendig,sondern sie werden wachsen und größer werden – und eines Tages dein Gefängnis sprengen!”
    Der kleinen Elfe leuchtete das ein.Aber schwerfallen würde ihr das!Trotz der ganzen Mühe mit ihrem Stein und dem Wissen darum,daß er sie von der Gemeinschaft mit den anderen Elfen immer trennen wird,sich an Farben und Formen und Wärme zu erfreuen – ob sie da jemals so viel davon zusammenbekommen konnte,damit es reichte,um einen Diamanten zu sprengen?Die Aussicht auf so einen mühsamen Weg,den sie noch dazu ganz alleine gehen mußte,machte ihr das Herz ganz schwer und traurig.Fast schon war sie wieder bereit,doch aufzugeben.
    Der alte Pilger sah sie aufmunternd an. “Sei nicht so traurig!” sagte er. “Ganz so alleine mußt du deinen Weg wohl nicht gehen,wie du es gerade vermutest.Es gibt noch viele andere Pilger,ein jeder auf seinem Weg.Und wer ein Pilger ist,der weiß darum,wie steil und schwer ein Weg werden kann.Der weiß auch darum,wie die Füße und die Seele manchmal an den kantigen Steinen sich wundlaufen.Und der weiß auch darum,daß wir Pilger uns gegenseitig brauchen,um uns immer wieder einmal zu ermuntern,einem anderen Pilger Gastfreundschaft zu gewähren oder sich gegenseitig zu stärken an den Geschichten,die ein jeder von uns zu erzählen hat.
    Du wirst unter den anderen Pilgern viele finden,die tiefer blicken,weiter sehen und besser erkennen können,wem sie gerade begegnen.Denn Pilger lernen auf ihren Wegen mit dem Herzen zu erkennen.”
    Die kleine Elfe dachte nach: “Und wo finde ich diese anderen Pilger?”
    “Überall!” sagte der alte Weise.”Ob Elfe oder Riese,ob Mensch oder Drache oder Zwerg,in allen Völkern gibt es Pilger,die sich aufgemacht haben,um ihren Weg nicht nur zu erkennen,sondern ihn Schritt für Schritt auch zu gehen und damit ihr Leben gleichermaßen erkunden wie erobern.”
    “Und woran erkenne ich einen solchen Pilger?” fragte die kleine Elfe,nun doch sehr neugierig geworden.
    “Die guten Pilger mit den lebendigen Herzen erkennst du daran,daß sie nicht versuchen werden,dich mit aller Gewalt durch dein Gefängnis hindurch zu berühren.Aber sie werden ihre Hand länger als andere auf der glatten Fläche liegen lassen und darauf warten,daß du die deine von der anderen Seite dagegenlegst.Denn so,wie jetzt gerade die Wärme meiner Hand deinen Stein erwärmte und damit für dich spürbar wurde,so wird es auch jede andere Berührung tun,die mit Geduld und Sanftheit darauf warten kann,daß du ihr von selbst begegnest.Es ist nicht so,daß keine Berührung dich nur wegen deines Gefängnisses nicht erwärmen kann.Die Sonne kann es ja auch.Es dauert einfach nur ein bißchen länger,weil diese Wärme erst den Stein erfüllen muß,bevor sie für dich spürbar wird.”
    So hatte das die kleine Elfe ja noch gar nicht gesehen!Natürlich,wenn die Sonne ihren Stein mit ihrer Wärme durchdringen kann,dann kann auch andere Wärme ihn durchdringen und sie erreichen.Das war ein guter Gedanke!Und sie wollte sich sofort aufmachen,um möglichst vielen dieser guten Pilger zu begegnen,denn nach solcher Berührung sehnte sie sich doch schon so lange so sehr!
    Der weise Pilger aber mahnte zu Geduld und Umsicht. “Liebes Elfchen,sei nicht so ungestüm!Du mußt gut auf dich achten,wem du dieses Vertrauen schenkst!Nicht jeder geht sorgsam mit solch einem Gefängnis wie deinem um. Und dein Stein hat scharfe Kanten und dir erscheint er unbezwingbar wie ein Diamant.Ich aber weiß,daß er das nicht ist!Und wenn ein anderer sich auf solche Kunde nicht versteht,kann das für dich den Tod bedeuten.
    Und hüte dich vor den falschen Pilgern!” setzte er noch hinzu. “Die so tun,als wären sie seit langem unterwegs und würden alle Wege kennen.Dabei haben sie kaum einen Schritt selber getan und suchen nur solche,die gutgläubig und guten Herzens genug sind,um auch diese noch zu ihrer eigenen Last die Wege entlang zu schleppen!Diese falschen Pilger meide!Denn sie nehmen viel und gern,aber im Geben sind sie wie faule Früchte!”
    Jetzt hatte die kleine Elfe aber viel nachzudenken und zu planen!Der alte Pilger wußte das,verabschiedete sich von ihr und ließ sie mit sich und ihren Gedanken allein.
    Es dauerte nicht allzu lange,da wußte die kleine Elfe,was sie unternehmen wollte.Sie wollte sich auch zu solch einer Pilgerreise aufmachen und andere Pilger suchen,die auch wie sie selbst auf einem echten Wege unterwegs waren.
    Und so geschah es auch.Die kleine Elfe nahm sich nur kurz etwas Zeit,um sich vom Elfenvolk zu verabschieden.Nicht vieles verband sie mehr mit ihresgleichen.Und dann zog sie los,immer dem nächsten Weg entlang.Sie suchte und sie fand.Hin und wieder begegnete sie einem guten oder einem weniger guten Pilger auf seinem Weg.Und so manch einer gab ihr vieles von dem,was ihr hilfreich war,um ihr Gefängnis mehr und mehr zu füllen mit einem Leben nach ihrem Herzen.
    Ein- oder zweimal begegnete sie aber auch einem bösen Zauberer.Zum Glück war es aber niemals derjenige,der sie in diesen Stein verbannt hatte.
    Und sie lernte auch einige der falschen Pilger kennen.Sie war sehr erstaunt,wie viele es davon gab,die sich lieber tragen lassen wollten,statt selbst zu laufen.Ja,das Laufen war oftmals beschwerlich.Sie selbst hatte oft ganz lahme und wunde Flügel.Denn natürlich war sie fliegend unterwegs.Sie war schließlich eine Elfe und außerdem,wie sollte sie denn laufen,eingeschlossen in einen Stein?
    Aber wenn ihre Wege auch oftmals beschwerlich waren und sie so manchen Umweg oder in die Irre ging,keinen Flügelschlag davon hätte sie missen wollen!Zu kostbar war jedes bißchen Vorwärts erkämpft.
    Mit der Zeit merkte sie gar nicht mehr,wie sich ihr Stein mehr und mehr mit gutem und lebendigem Leben füllte.Dieses Leben war ja auch in ihr,und sie war in diesem Leben,wenn auch in dem Stein gefangen.Der böse Zauberer und ihr Recht auf Gerechtigkeit interessierten sie immer weniger.Sie wollte andere Pilger kennenlernen,sie wollte ihr bißchen Leben mit ihnen teilen und an dem Ihrigen teilnehmen.
    Und wirklich,sie fand viele Weggefährten!Manche begleitete sie ein Stück ihrer Wege,andere begleiteten sie eine Zeit lang.Und sie lernte immer besser unterscheiden,wer es aufrichtig meinte und wer nicht.
    Hin und wieder begegnete sie auch dem alten weisen Pilger wieder.Und das waren gute und kostbare Zeiten,die sie miteinander und mit anderen gemeinsam verbrachten.Und so vergingen die Jahre...
    Eines Tages,viele Jahre später,da traf sie den alten Pilger einmal wieder,ganz in der Nähe der Elfenwiese,wo sie einst geboren wurde.Der alte Pilger lud sie ein,ihr Volk doch einmal mit ihm zu besuchen und ein paar Tage zu bleiben.Und sie stimmte zu.
    Wie war die Überraschung da bei dem Elfenvolk groß!Das kleine Elfchen war wieder da!Die Elfen wollten natürlich wissen,wo sie überall gewesen war und welche Schätze sie von dort mitgebracht hatte.Und das Elfchen erzählte und erzählte.Nicht alles verstanden die Elfen,denn noch immer verzerrte der Stein sowohl Sprache als auch Form.Aber da konnte der weise Pilger ja aushelfen,und er tat es gern.
    Eines Tages war auch der kluge Elf,der Berater des Elfenkönigs,anwesend und hörte zu.Als Berater des Königs wollte er natürlich wissen,ob das Elfchen vielleicht doch Böses mitgebracht hatte.Erstaunt lauschte er den Ausführungen des alten Weisen und es kamen ihm Zweifel,ob er damals alles richtig gemacht hätte.Er wollte von dem alten Pilger wissen : “Sag,du weiser Mann,wie kann es sein,daß du der kleinen Elfe Hoffnung machst,daß all das,was sie sammelt,reichen wird,um einen Diamant zu sprengen?Das ist der härteste und widerstandskräftigste Stein,den ich kenne!Steckt irgendeine Magie dahinter?”
    “Nein,mein lieber Elf”,entgegnete der alte Pilger, “Magie ist dabei nicht im Spiel.Es braucht auch keinen großen Weisen,um die kleine Elfe aus ihrem Gefängnis zu befreien.Daß es von innen her geschehen muß,das hast du ja schon erfahren.Aber wir alle können von außen her das Unsrige dazutun.”
    “Und was wäre das?” fragte der kluge Elf neugierig.
    Doch der weise Pilger wandte sich zuerst der kleine Elfe zu. “Elfchen,bist du bereit,ein letztes Wagnis einzugehen?Bist du bereit,dein Gefängnis zu sprengen?Denn ich sehe,nun ist genug Farbe und Leben und Wärme in deinem Stein,es fehlt nur noch wenig,so kann er zersprengt werden.Bist du bereit?”
    Die kleine Elfe wurde ganz aufgeregt.Ja,und ob sie bereit war!Sie kannte ja die Gefahren und die Verletzungen,die sie von den Splittern zu erwarten hatte.Oft genug hatte sie sich in den letzten Jahren daran weh getan und damit einen sorgsamen Umgang erlernt.Oh ja,sie war bereit!
    Der weise Pilger bat nun alle Elfen,die das wollten,ihre Hände sanft auf die glatten Flächen des Steins zu legen und dort ruhig liegenzulassen.Alle Wärme und alle Kraft,die von ihnen ausging,sollten sie so der kleinen Elfe in ihr Gefängnis hinein geben.Und sie legte ihre Hände von innen an die glatte Fläche ihres Gefängnisses und nahm so Wärme und Stärke der Elfengemeinschaft entgegen.
    Eine gute Weile geschah gar nichts.Aber dann begann der Stein zu erzittern und zu klirren.Ganz leise erst,dann immer stärker.Hin und wieder verließ einen Elf da der Mut und er lief weg.Aber es reichte!Mit einem großen “Klirr” zersprang der Stein schließlich.Und die Kraft und Wärme der Elfen war so groß gewesen,daß er nicht in Splitter mit scharfen Kanten zersprang,sondern in feinen Staub zerfiel,der zu Boden rieselte.
    Die kleine Elfe war frei.Sie konnte es kaum fassen,sie war wirklich frei!Sie sah den Staub des Steins langsam zu Boden sinken und da begriff sie es langsam : Ihre Last,ihr Gefängnis - es war weg!Ein für alle mal weg!
    Und da begann sie zu tanzen.Vorsichtig erst und tastend,als wäre Luft und Wind ihr fremdgeworden.Und es war leicht!Ihre Flügel,gestärkt durch die Jahre der Last,die sie getragen hatten,brachten ihren Tanz der Leichtigkeit nun zur Perfektion.Die anderen standen und staunten und bewunderten ihren Tanz.Nie zuvor hatte einer von ihnen je in solch einer Leichtigkeit und Anmut zu tanzen gewußt.
    Ihre Flügel,die zart und durchsichtig waren,schillerten in allen Farben des Regenbogens dazu,als hätten sie all die Jahre die Farben,die der Stein aus dem Licht gezaubert hatte,in sich aufgenommen.
    Wenn sich die kleine Elfe schneller im Tanz drehte,dann war es fast,als ob ihre Flügel bunte Funken sprühten,die wie ein sanfter bunter Regen auf die Elfenwiese herabrieselten.
    Der Berater des Elfenkönigs konnte es kaum fassen!Einen Diamanten hatten sie gesprengt!Nachdenklich sah er dem Tanz der kleinen Elfe zu und schließlich wandte er sich noch einmal an den alten Pilger:
    “Sag,wie kann das sein,daß es in unserer Macht gelegen hat,einen Diamanten zu sprengen?” fragte er ihn.
    Der alte Weise nahm ihn beiseite und redete sehr ernst mit ihm:
    “Als Berater deines Königs trägst du eine große Verantwortung!Und nicht umsonst bist du sein Berater geworden!Du bist sehr klug,du solltest die Dinge genauer betrachten,als sie dir vor Augen liegen!
    Die kleine Elfe war dir nicht wichtig genug – nur eine der Geringeren aus deinem Volk für dich.Sonst hättest du nicht nur mit dem gerechnet,was du schon kanntest.Nein,du hättest auch über alles nachgedacht,was du noch nicht kanntest!
    Weil die kleine Elfe dir nicht wichtig genug war,hast du den Stein für einen Diamanten gehalten.Und daraus allen Umgang mit der kleinen Elfe darin abgeleitet.
    Dieser “Stein” allerdings war kein Diamant,er war aus Glas.Ich weiß,das kennst du nicht.Und das ist auch kein Stoff,wie du ihn aus der Natur kennen könntest.Du hättest dir die Mühe machen und trotz aller Verzerrung der kleinen Elfe genau zuhören müssen,anstatt sie gar nicht erst zu Wort kommen zu lassen.Dann hätte sie dir – so wie mir später - von dem bösen Zauberer erzählt.Und du weißt,daß Zauberer selten das Naheliegenste bei ihren Zaubern verwenden.
    Du hättest auch nicht nur die Not der kleinen Elfe erkannt,sondern ebenso die Gefahr für euer ganzes Reich!Ein böser Zauberer,der unerkannt in eurer Mitte lebte!Du kannst von Glück sagen,daß er nicht mehr angerichtet hat,als die kleine Elfe zu verzaubern!
    Hättest du all das gewußt,so hättest du dich aufgemacht und die Weisen der anderen Völker aufgesucht und Rat bei ihnen gesucht.Und einer wäre bestimmt darunter gewesen,der dir hätte erklären können,was der kleinen Elfe geholfen hätte.
    Und dann hättet ihr das,was sie sich mühsam von anderen erbetteln mußte,als ihr Volk ganz einfach gleich für sie tun können und sie aus ihrem Gefängnis befreien...”

    “Nimm einen Rat von mir an,Berater des Elfenkönigs : Lerne es,mit dem Herzen mehr zu sehen,als mit deinen Augen!Ich weiß auch jemand,der dir das gut beibringen kann!” Und er zeigte auf das immer noch in seinen Tanz versunkene kleine Elfchen.
    “Sie mag dir als die Geringste in eurem Reich vorkommen.Aber Größe und Stärke eines Herzens und einer Seele eines anderen erkennst du nunmal nicht mit dem ersten Blick deiner Augen auf ihn.”
    Der Berater des Elfenkönigs war ja ein sehr gescheiter Elf,daher nahm er den Rat des alten Pilgers dankbar an.
    Und dann rief er erst einmal sieben Tage des Feierns und der Freude aus,die das Elfenvolk unbeschwert genießen sollte.Da freuten sich alle,und auch die kleine Elfe mit ihnen.Und da Elfen richtig zu feiern wissen,ließen sie auch keine einzige Stunde dieser sieben Tage aus...
    jazzy
    Wow! Das ist echt zauberhaft und wunderschön :liebes: :zauber: :liebes:
    Und auch so übertragbar. :danke: für das tolle Märchen, das gibt echt Mut.

    liebe Grüße

    Jazzy
    marguerite
    wow, dachte ich auch als erstes! :liebes:
    du bist echt begnadet darin, so viele gefühle und seelenzustände in die sprache der märchen zu bringen!
    respekt!! - und :danke:

    marguerite
    igelin
    Liebe Catseye,
    ich fand es auch toll! Sehr sprechende Bilder, die Du gefunden hast. Ein ganz herzliches :danke:
    Igelin :igel:
    coco
    Weißt Du was, Catseye? Eigentlich sollte das Glas von innen versilbert sein, wie ein Spiegel, und die Elfe irgendwann die Silberschicht wegkratzen, damit die Leute aufhören, sich selbst in der Elfe zu sehen.
    Damit sie endlich mal selbst zu sehen ist.

    Ich hoffe, Du schreibst noch viele Märchen :)
    catseye
    Hallo Coco,
    die Leute sehen aber nicht sich selbst in der Elfe,sondern schon sie in dem Glas,aber halt durch die Lichtbrechung (Ecken und Kanten=verschiedene Flächen,ähnlich nem Prisma) in ner ständig wechselnden "Darstellung",und das irritiert die anderen,macht ihnen Angst und läßt sie Abstand nehmen,weil sie diese "komische" Elfe nicht als "normal" wahrnehmen und sich auf "Andersartigkeit" nicht einlassen wollen.

    Ich hab das Bild fürs Multipelsein genommen."Gesehen" wird man da schon,da wird auch nix von anderen in einen selber reininterpretiert,weil das gar nicht geht,weil das für Unos weder einschätzbar noch nachvollziehbar ist.Aber anstatt es zu "untersuchen",grenzen sie es lieber aus,weil es ihnen Angst macht.

    An euch Lieben alle : Vielen vielen Dank für das viele Lob!:D
    coco
    Danke für die schnelle Antwort! Ich verstehe sie zwar nicht so ganz. Aber ich glaube, den meisten Leuten macht Angst, was sie nicht kontrollieren können. Es ist nur eine unfaire und manipulative Methode, anderen Menschen vorzuwerfen, sich nicht immer gleich zu verhalten. Schon unter den Unos ist das verwerflich.
    catseye
    Ich finds nicht verwerflich,ich finds "normal menschlich"...auch wenn mir dieses Verhalten selber nicht paßt.Aber im Grunde mache ich ja auch nix anderes,erstmal.Und muß auch erst lernen,mir meiner selbst sicher genug zu sein,um mich auf das angstmachende Anderssein der anderen Menschen einlassen zu können.

    Ich hab ja Multipelsein immer als normal erlebt,kannte nix anderes.Und MIR machten Unos GENAUSO Angst anfangs wie umgekehrt.Es brauchte erst ne Entscheidung von mir,mir dieses "Neue" genauer anzusehen und mich damit auseinanderzusetzen und nicht lieber in meiner eigenen Welt abgeschottet zu bleiben und als Schutz das "Andere" abzuwerten etc...

    Die Kontrolle haben zu wollen über andere oder über Interaktionen oder Veränderungen überhaupt zeigt ja letztlich nur den Grad der eigenen Selbstunsicherheit und Angst an.Deshalb manipulieren ja die Leute und sind unfair.Die übersteigerte Angst ist ja irgendwie hinter jedem "kranken" Verhalten die treibende Kraft,auch bei "anerkannten" und deshalb "legitimierten" fiesen Verhalten.Die Psycho-Praxen sind voll davon....

    Außerdem können wir ja alle nur die anderen Menschen auf der "Spiegelung" unseres eigenen Seins,unserer Erfahrungen und unseres Erlebens interpretieren.Geht ja gar nicht anders....Die Frage ist,wie sehr arbeite ich da an mir selber,um Selbstsicherheit und "Grenzschutz" aufzubauen,damit ich die anderen sein lassen kann,wie sie sind,auch wenn ich sie nicht verstehe und sie mir nicht in den Kram passen.

    Aber auf sowas wird ja heutzutage leider viel zu wenig wert gelegt.Da nennt man sich lieber "krank aufgrund...",legt die Hände in den Schoß und siehts als "Schicksal".Schade!
    coco
    Ich antworte Dir nur in Stichworten, ich hoffe, das ist ok...

    Was bitte ist "anerkanntes" und "legitimiertes" fieses Verhalten?

    Der Grenze zwischen normal-menschlich und gewalttätig-verwerflich lässt sich ganz klar und eindeutig und unzweifelhaft ziehen, aber halt nur, wenn man dazu fähig ist, weil man nicht zu denjenigen gehört, die ihr verwerfliches Verhalten unter normal-menschlich tarnen. Diejenigen sind natürlich daran interessiert, die Grenze zu verschleiern und jedem, der sie ziehen könnte, Sand in die Augen zu streuen!

    Wenn das geschieht, in dem das Opfer von der Person, die das getan hat, auch noch "krank" genannt wird:
    www.gerhard-schuetz.de/download/art...tz_vor_sugg.pdf

    Und wenn Teil der fiktiven Krankheit "Paranoia" ist, reden wir von Menschenrechtsverletzungen:
    http://www.fr-online.de/in_und_ausl...e-Willkuer.html

    Ich zitiere: "die Grundlage von Demokratie ist das Recht, dass man von anderen eine Rechtfertigung ihres Handelns einfordern kann. Die Zuschreibung, dass jemand paranoid sei, bedeutet, dass man jemandem dieses grundlegendste aller Rechte verweigert. Dem Paranoiden wird unterstellt, dass seine Anforderung nach Rechtfertigung nicht begründet ist"

    Uff. Ich muss jetzt erstmal wieder meinen Blutdruck senken.

    Wie würdest Du wissen, dass Du tatsächlich nur Facetten von Dir zeigst und nicht Projektionsfläche bist, also Dir falsche Eigenschaften zugeschrieben werden? Hast Du da gar keine Zweifel?

    Die andere Frage ist ja für die Vollständigkeit, wie viel Spiegelung nehme ich auf, weil ich nicht der Typ bin, der genug Selbsicherheit und Grenzschutz aufbaut. Auch wenn ich es versuche und behaupte, es zu tun.
    catseye
    So ist nunmal das menschliche Miteinander : NIX ist "geordnet" oder kontrollierbar oder läuft schön durch- und überschaubar ab,für niemanden!Auch nicht für sogenannte "Fachleute",und wenn die noch so sehr etwas in Diagnosen zwängen wollen....

    Mit dem legitimierten und anerkannten fiesen Verhalten meine ich v.a.,wenn Erwachsene nicht mehr die Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen,sondern ewig mit ihren schlimmen Kindheitserfahrungen "legitimieren" - damit aber manipulieren,Schonung und Schutz einfordern,sich nix und niemandem stellen,andere damit manipulieren,ihnen Aufmerksamkeit und Zuwendung für ihr kindliches "Ich kann doch eh nicht" - Verhalten aberpressen damit...

    Wohlgemerkt,ich rede da von Leuten,die es 1. nicht mal annähernd probiert haben,mal wirklich sich mit ihrem Innenleben zu konfrontieren und 2. trotzdem seit Jahr und Tag Therapeuten verschleißen,aber den Anspruch trotzdem nicht loslassen wollen,daß eben ANDERE die Arbeit für sie dabei tun sollen.

    DAS ist für mich genauso fieses Verhalten!
    Von dieser Verantwortung nehme ich nur Geisteskranke und geistig Behinderte aus.

    Es gibt nicht DEN Täter,der ist nicht nach Schema zu klassifizieren!Und es gibt Täterverhalten,das JEDER von uns immer wieder mal an den Tag legt!Allein schon Verharmlosung z.B. Oder nen anderen wegen seines Aussehens zu demütigen.Ach,da gibt es zigtausend Arten...Und wie gesagt,JEDER Mensch legt das an den Tag!

    Ich unterscheide da nur die Straffälligkeit.Also bewußtes Überschreiten von festgelegten Gesetzen.

    Aber sind die anderen Verfehlungen deshalb denn NICHT verletzend und entwürdigend?Doch,sind sie!Also sollten wir mal aufhören,die Schuld anderer ständig anzuführen,und mal anfangen,auch vor unserer EIGENEN Tür den Dreck wegzukehren...

    Klar bin ich auf meine Täter auch wütend,frage mich auch immer wieder mal,wie können Menschen dazu fähig sein?
    Aber ich finde es genauso verwerflich und abartig,und es tut mir fast noch mehr weh,wenn jemand seine Tiere verwahrlosen läßt oder sie quält!Und wenn er eh schon weiß,daß er sich da nicht anders helfen kann,dann,verdammt nochmal,warum läßt er dann nicht einfach die Finger davon???Warum geht man dann denn noch mit Tieren um???Wo ist da der Unterschied zu nem Triebtäter,der sagt,er hätte es halt gebraucht,ein Kind zu quälen???

    "Wer ohne Sünde ist,der werfe den ersten Stein"

    Und außerdem steht auch noch in der Bibel : "Wenn deine Rechte dir Ärgernis schafft,dann hack sie dir ab!" Da steht nix drin von "dann erklär sie für "krank" und hätschel und pfleg sie schön,kannst ja nix dafür,daß du andere damit quälst".

    Und zu den Projektionen : Das kann mir doch egal sein,was ein anderer in mich reinprojiziert!Ist SEIN Problem!Meine Aufgabe dabei ist,meine Grenzen zu ziehen ihm gegenüber und für ihre Einhaltung zu kämpfen.

    Was ich vom anderen als Spiegelung aufnehme...Werd ich wohl tun,ich bin nicht perfekt und auch nicht "vollständig",wie du das nennst.Ich bin auf dem Weg,weiter nix!Ich mache selber Fehler und andere machen sie mir gegenüber.Suche ich die "perfekte" Welt,dann muß ich mich im Elfenbeinturm einspinnen.Dort wird dann nix unangenehm oder unbequem sein für mich,nix wird mich ärgern oder belasten,nix wird mich verletzen können und nix wird mir ein Kämpfen abnötigen.

    Aber ist das denn ein Leben??Werd ich im Elfenbeinturm ein besserer Mensch und andere nicht mehr verletzen,manipulieren,belügen,mit zu hohen Ansprüchen an sie quälen und perfekt sein??

    Wohl kaum!Alles Lebendige strebt nach Entwicklung und nach REIFE.Und das sind Prozesse und keine Zustände.Der Mensch ist da keine Ausnahme...
    coco
    Also ich ziehe die Grenze zwischen
    - erstmalig und unabsichtlich und sich den Folgen stellen
    und
    - wiederholt und absichtlich und die Folgen ignorierend.

    Aber ich muss Dir echt sagen, dass ich überhaupt nicht die Erfahrung gemacht habe, dass das Letztere Leute machen, die Patienten bei Therapeuten sind. Das habe ich 2008 zum ersten Mal in meinem Leben gesehen. Und war eben entsprechend angewidert. Bis dahin wusste ich nur von normalen Leuten, die Therapeuten aufgesucht haben, allerdings war es, als ich 16 war, eine Selbsthilfegruppe und ich war schockiert von dem, was die Folgen waren, und das andere Mal ein Mädchen aus meiner Schule, das in der Uni die psychologische Beratung in Anspruch genommen hat, mit der ich aber selbst nicht so eng befreundet war, um das Ergebnis zu kennen.
    Ich kann das also gar nicht nachvollziehen, da mir schlicht die Erfahrungen fehlen.
    Und ich würde es sehr wohl wagen, Tätertypen zu sehen, wenn Personen das immer gleiche schädliche Verhalten an ausnahmslos jedem auslassen, der ihnen über den Weg läuft. Deshalb würde ich freiwillig auch nicht in deren Nähe bleiben. Freiwillig nicht...

    Aber zurück zu Deinem Märchen: ich denke, das Bild vom Glas, das die Erscheinung der Elfe bricht, lässt wahrscheinlich viele unterschiedliche Interpretationen zu. Für jede Elfe ein bisschen anders. Wer weiß, ob so eine Elfe im Stein nicht unglaublich interessant für manche Leute ist. Ob nicht alle Leute nur ängstlich von ihr weggehen, sondern auch viele neugierig zu ihr gehen.