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    blaueartemis
    Ihr Lieben,

    nun mal eine neuer Thread zum neuen Abschnitt.

    Heute beginnt meine zweite Woche in der Klinik. Es ist eine Klinik mit Spezialisierung für Traumatherapie. Sehr vieles gefällt mir gut: die Lage, Landschaft sind traumhaft. das Zimmer ist ein Einzelzimmer, hat eine wunderschöne Aussicht, ist geräumig und es ist erst mal ruhig - auch, weil die Zimmer um mich herum noch nicht belegt sind.

    Es gibt ein sehr großes Angebot an Dingen, die ich hier zusätzlich zu meinem verpflichtenden Therapieplan tun kann: Ergometer - Gerätetraining, STreching, Walking, Terrainwandern, Meditation, Schwimmen, Sauna, jede Menge kreative Sachen, Patientendisko, Vorträge und noch vieles mehr. ich kann mich den ganzen Tag beschäftigen.

    zu meinen Therapien gehört täglich Gruppentherapie als Stabilisierungstherapie und Kreativtherapie. Zwei mal die Woche anderthalb Stunden Musiktherapie. Progressive Muskelentspannung, Körperwahrnehmung, Sinneswahrnehmung.

    Das was für mich extrem schwierig ist, ist das, was cih vorher schon befürchtet habe: in den gruppen darf nicht über Probleme, nicht über Trauma und nicht über Gefühle gesprochen werden. mir leuchtet das Konzept erst mal ein, da dadurch ein Schutzraum geschaffen wird für sehr belastete PatientInnen, die von schwierigen Gefühlen von anderen noch mehr belastet werden.

    Mich aber belastet es sehr, dass ich nicht über Gefühle sprechen darf. ich darf es zwar in der einzeltherapie, aber die habe ich bislang nicht, weil meine Therapeutin krank ist und die Vertretung hat keine Zeit für mich. Vielleicht kommt meine Therapeutin morgen wieder, aber das ist nicht sicher. Damit ging es mir heute sehr schlecht und ich fühlte mich kurz davor, abzureisen. Dann hat die Kreativtherapeutin nach der Gruppe mich noch gebeten, dazubleiben. von ihr fühlte ich mich gesehen und auch gesehen, dass ich etwas anderes brauche, als dieses Traumasetting, was sie anbieten.

    Meine tolle Liste, die ich u. a . hier erarbeitet habe, was ich in Therapie brauche und was mir hilft, konnte ich bislang bis auf ein paar sätze noch nicht anbringen - weil ich noch keine Einzelstunde hatte, sondern nur so eine Art organisatorische Treffen. Insgesamt glaube ich, dass die Traumatherpie noch so sehr in den Kinderschuhen steckt, dass die TherapeutInnen hier nicht eingestellt sind auf PatientInnen mit einem reiferen Hintergrund. Ich habe mir aber von der Kreativtherapeutin Hoffnungen machen lassen, dass sie anregen wird, dass man sich etwas für mich überlegt.

    vielen Dank, dass Ihr da seid.

    Liebe Grüße von
    Blaue Artemis
    eisfuchs
    liebe blaueartemis,
    das stelle ich mir megaanstrengend vor, nicht über deine gefühle reden zu dürfen... keinen ort dafür zu haben.
    ich verstehe ja ansatzweise den ansatz, aber so kann das doch nicht gemeint sein???
    (ich hoffe, mit meiner unqualifizierten bemerkung jetzt nicht noch mehr in dir auszulösen,was nicht passt, lass bitte bitte bei mir! )
    was du beschreibst bestätigt so ziemlich alle meine vorurteile, was kliniken angeht. viel werbung, viel bohei um konzepte, kosten eine wirklich große menge geld- und dann lassen sie die patienten entweder komplett alleine mit ihrem kram oder überfordern sie dermaßen, dass sie retraumatisiert werden...
    das kann es doch echt nicht sein!!! :ziegel:
    merke gerade, wie verzweifelt mich das macht mitzubekommen, dass du nicht bekommst was du brauchst.
    ich drücke dir sehr die daumen, dass sich auf die initative der kreativthera hin etwas bewegt für dich.
    lg eisfuchs
    hella
    Liebe Blaue Artemis,

    was die schönen Seiten der Klinik betrifft, dazu kann ich Dir nur Glückwunsch sagen und hoffen, dass Du da viel für Dich mitnehmen kannst.

    "Insgesamt glaube ich, dass die Traumatherpie noch so sehr in den Kinderschuhen steckt, dass die TherapeutInnen hier nicht eingestellt sind auf PatientInnen mit einem reiferen Hintergrund"
    Mir wurde gerade ganz anders, als ich das las, denn es ist auch mein Problem. Und ich finde es oberdusselig, wenn das in Deiner Klinik nicht eine Lösung geben sollte. Ausserhalb der gängigen Traumatherapieverfahren gibt es ja noch eine Menge anderer Techniken, die wirklich gut funktionieren. Aber ich habe in Kliniken immer das Gefühl, dass der Deckel da gar nicht aufgemacht werden soll. Immer schön stabilisieren und wenn es spezieller wird, hoffen, dass die Leute bald wieder abreisen.
    Ich habe fast meine gesamte Traumatherapie nicht mit den gängigen Verfahren gemacht und für mich hat es absolut geklappt. Aber auch meine Methode wurde in der Klinik zwar von einem Therapeuten angeboten, aber komisch beäugt. Weil es eben manchmal auch heftig zuging. Und nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen war.

    Ach menno, wie Eisfuchs schon schrieb, macht es auch mich ganz fusselig, dass die Kliniken doll werben und dahinter ist oft nur heisse Luft.
    In meiner Klinik ging es immer, dann einen völlig anderen Plan zu fahren: keine Gruppe, dafür mehr Einzeltermine, freie Zeit für mich, ich entscheide, ob ich wann an welchen Sportangeboten teilnehme. Ich bin schliesslich kein Anfänger diesbezüglich. :nono:
    Ich hoffe sehr, dass Du da eine Lösung für Dich findest. Vielleicht Einzeltermine bei der Kreativtherapeutin?


    Liebe Grüsse, Hella :winken:
    blaueartemis
    Liebe Hella, liebe Eisfuchs, liebe alle,

    Eure Solidarität und Mitgefühl und Ermutigungen tun mir gut. Und Eure Beiträge sind für mich eine Stärkung meiner eigenen Meinung und lassen auch Forderungen und auch etwas Mut dazu in mir aufsteigen. Ja genau, in der Werbung heißt es, dass ein individueller Therapieplan aufgestellt wird. Aber dann werde ich aufgrund von der Diagnose einfach in eine Gruppe eingeteilt und fertig. d. h. ,meine kranke Therapeutin hatte mir für diese Woche zwei Termine gegeben, nur ist sie eben nicht da. Ja, Hella, das würde für mich auch stimmen, dass ich mehr Einzeltermine bekommen könnte und auch, dass ich bei der kreativtherapeutin Einzelstunden bekommen könnte, daran hatte ich auch schon gedacht. Vielleicht finde ich auch den Mut, darum zu bitten. Danke für diese wertvollen Anregungen.

    Ansonsten kann ich zu diesem Traumatherapieansatz nur sagen: ich bin total befremdet davon. Da sitzen in der Kreativtherapie lauter Frauen, die still und brav Mandalas ausmalen und mir kommt es so vor, dass es eine Form ist, sie "ruhig" zu stellen. Es erinnert mich an die Mädchen im kindergarten: sie bekommen keinerlei Zuwendung, weil sie so brav basteln, während die Jungs, die überall rumkloppen, ständig beschäftigt werden. Mir wird immer total mulmig, wenn ich neben diesen bedröhnten Mandalaausmalerinnen sitze. irgendwie finde ich, sie werden total für dumm verkauft. Mir kommt das NICHT RICHTIG vor. ich finde zwar immer einzelne Punkte richtig, aber das große Ganze kommt mir nicht stimmig, nicht wertschätzend, nicht wirklich wachstumsfördernd vor, sondern eher auf funktionieren ausgerichtet.

    Aber ein Wunsch für die Klinik, der ist in Erfüllung gegangen: dass ich hier schreiben kann. Ich dachte, das geht nicht und bin total froh, dass es jetzt doch geht.

    Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    wie gut, dass Du schreiben kannst und der "Rahmen" ganz schön zu sein scheint.

    An das andere muss ich mich mal "über die Bande" rantasten. Denn ich habe - bis auf eine ganz gruselige Erfahrung in Grönenbach vor 15 Jahren - gar nicht viel Klinikerfahrung. Was ich allgemein im therapeutischen Kontext übe, ist, möglichst klar meine Ideen und Vorstellungen und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten im vorhandenen Rahmen zu formulieren.

    Manchmal stelle ich mir dabei vor, die Menschen, die das zu entscheiden haben, wären "schwierige Kunden", die ich für entsprechende Lösungen gewinnen kann. Das hilft mir manchmal aus der Perspektive herauszukommen, dass jemand "Mächtigeres" über mich und die Struktur meiner Behandlung entscheiden kann. Das gelingt oft ganz gut, stößt natürlich auch manchmal auf Wiederstand. Wichtig scheint mir zu sein, konkrete Umsetzungsmöglichkeiten vor Ort herauszufinden und da Lösungsvorschläge zu machen - wie eben mit den Einzelstunden, einer vielleicht modifizierten Form der Kunsttherapie etc.

    Seit wir hier im Austausch sind, habe ich auch viel über das Thema "Stablisieren oder Deckeln" nachgedacht. (Dazu vielleicht auch mal in einem separaten Threat) Manchmal wird glaube ich unter dem Deckmäntelchen des Stabilisierens eine andere Art von Schweigegebot installiert - und dann kann alles zum "Zudröhnmittel" werden.

    Ich habe da interessanterweise auch gestern mit meinem Therapeuten drüber gesprochen, der mir da auch zugestimmt hat, dass sich der innere Druck immer weiter erhöht, wenn "es" keinen Kanal nach außen finden darf.

    Und gerade die Kreativität ist ja ein ganz starkes Medium, etwas sowohl nach außen zu bringen wie dem eben auch eine Form zu geben. Und dadurch verstoffwechselt sich seelisch irgendwas - nicht durch das "jetzt mal mal schön brav dein Mandala aus" :igit: Da fällt mir irgendwie der Spruch "Händchen falten, Köpfchen senken und schön an den Herrgott denken" zu ein - diese aufobtruierte Mädchen-Stummheit.

    Ich hatte ja gerade den kühnen Gedanken, mal eine "Therapiewunschliste" mit "Do's und Dont's von Betroffenen zu verfassen, die an die Kliniken geschickt wird.

    Also von Betroffenenseite einmal das zu formulieren, was in Kliniken hilfreich, wachstumsfördernd etc. ist.

    Es ist sehr fruchtbar, dass Du Dich da so mit auseinandersetzt :liebes: - das regt doch nochmal viele Gedanken an.

    Liebe Grüße und ganz viele Wünsche, dass Du eine für Dich hilfreiche Struktur dort installieren kannst!

    :winken: Keyla
    cocoon29ab
    Hallo Blaueartemis,
    was du von der klinik schreibst klingt eigentlich für mich gar nicht schlecht. nach 10 klinikversuchen (8x eine-als intervall, je 1x wechselversuch auf grund empfohlener langzeittherapie- mit ergebnis 2x retraumatisiert- jetzt mache ich keine traumatherapie mehr in kliniken vom ansatz, habe einfach die nase voll) wäre ich froh gewesen überhaupt ein halbwegs füllendes programm bekommen zu können. wie ihr hier ja schreibt, viel glanzprospekte, webseiten- wenn dann da... kann man froh sein wenn man die thera überhaupt 1x die woche sieht.

    hm* wollt ja was zu deinem befremden sein sagen über das konzept des schweigens über die dinge die eigentlich raus wollen.
    Wie man mir schon mehrfach sagte wird von Konfrontation immer mehr weggegangen. warum sollte man einen menschen der stabil ist dem aussetzen? und das ist ja das ziel was die kliniken haben- stabil werden.
    das klingt ja auch erst einmal supi, aber das was man letztendlich nur verdrängt, ablegt irgendwo in sich bahnt sich doch irgendwann immer einen weg. Ich kann auch gut verstehen, dass in gruppen nicht über die dinge geredet wird so speziell, aber gefühle sollten gerade in der gruppe platz haben. und das einzel sollte dafür da sein, dass man das bereden kann was man will, wo man denkt, fühlt dass es wichtig ist und nicht immer das stopschild in den weg gestellt bekommt.
    ich finde es gut, dass du dich auf die kunstthera einlassen konntest. vielleicht ist es gut sich das einzel zu holen. ich habe zb einzeltanz eingefordert, weil ich mit der frau super reden konnte. wir haben nicht getanzt sondern sie hat mir so viel erklärt, meine not gesehen, zugehört, ausprobiert... ich vermisse sie immer noch.

    achja*was wollt ich noch anmerken?*grübel* jepp.... man muss aufpassen, dass es nicht heisst *austherapiert*- so ist es mir im zuge eines antrags auf rehaklinik wegen essstörung jetzt ergangen. und das obwohl der einstimmige tenor der letzten 2 kliniken, meiner thera, meiner ergothera-welche jahre in der wickerklinik bad wildungen war und meienr psychiaterin hiess- langzeittherapie wegen ptbs.

    letztendlich habe ich jetzt doch nach 3 ablehnungen überraschend post bekommen, dass sie sich freuen meinem antrag doch stattzugeben- ok* ich habe viel geschrieben, das mdk gutachten in stücke zerlegt und wiederlegt und letztendlich auch anwaltliche hilfe gesucht und das ausschlaggebende war meine "drohung" 100%ig klage vor dem sozialgericht zu erheben.

    ich wünsche dir, dass die thera schnell gesund wird und du dort die dinge bereden kannst die du willst und nicht irgendein konzept und mag es von reddemann persönlich sein. ich selbst glaube ja mittlerweile ich hätte alle stopschilder zur seite werfen müssen und das aussprechen was so lange in mir wütet... dann wäre ich vielleicht nie als rentnerin geendet. ich nehme mir vor in der essstörungsklinik keine rücksicht auf ein konzept zu nehmen was mir verbietet über das zu reden was raus muss und das wünsche ich dir auch...
    lg und daumen drüch, dass du mehr für dich "rausholen" kannst
    cocoon29ab
    marguerite
    liebe blaue artemis!

    kurz vorm schlafengehen noch einen gruß, und ich möchte dir auch mut machen zu versuchen, den aufenthalt möglichst nach deinen bedürfnissen zu gestalten und dich in keinen konzeptrahmen pressen zu lassen.
    (*grins* ich musste in dem zusammenhang an meinen einzigen klinikaufenthalt denken, bei dem ich das doppelzimmer und meine schnarchende nachbarin nicht ertragen habe und irgendwann samt matratze aus meinem bett für die nächte in den aufenthaltsraum gezogen bin. gab erst große augen, wurde dann aber akzeptiert und hat mir etwas mehr raum für mich gegeben. also - mut zur kreativen lösung! :) )
    gibt es keine möglichkeit für dich, von der stabilisierungsgruppe in die aufdeckender arbeitende (ich glaube, du schriebst von der gestalttherapeutischen gruppe..) zu wechseln?
    und ich drücke die daumen, dass deine einzeltherapeutin schnell gesund wird, damit du einen ansprechpartner hast!

    lieben gruß!
    marguerite
    seelenfrieden
    Liebe Blaue Artemis,

    wie gut, daß der äußere Rahmen stimmt und daß Du viel machen und für Dich nutzen kannst.

    Was die therapeutische Arbeit betrifft - da geht mir die Hutschnur hoch. Es ist genau meine Erfahrung mit vielen kliniken und ich halte nichts von dieser deckelnden Arbeit, erinnert mich auch an "Händchen falten und Klappe halten", wie Keyla auch schon schrieb.
    Ich persönlich halte nichts von irgendeiner Richtung, sondern bin der Meinung, daß Therapie von traumatisierten Menschen immer individuell sein muß, da greift kein Schema, weil jede Geschichte anders und jeder Hintergrund anders und jeder Mensch anders ist. Außerdem erwarte ich in einer Klinik und überhaupt von meinen Therapeuten, daß sie mich als Mensch auf Augenhöhe betrachten. Nicht der Therapeut ist der Spezialist für mich, sondern ich selber - und das wünsche ich mir anerkannt! Ich suche dann gemeinsam mit dem Therapeuten meinen Weg, er unterstützt mich dabei, aber gibt mir nicht seinen Weg vor. So stelle ich mir das vor. Und in einer Traumatherapie muß Platz für das Trauma sein, dieses Schweigegebot ist für mich (und so habe ich es auch immer erlebt) eine wiederholung meiner Kindheitserfahrung: NICHTS SAGEN!
    Ich habe eine Therapie bei einer Analytikerin gemacht und Manko dort war vielleicht, daß zu wenig stabilisierendes passiert ist. Aber ich habe den Raum bekommen, meine Geschichte zu erzählen - sie auch mir zu erzählen, denn ich kannte sie ja viele Jahre nicht. und sie hat mich unterstützt und begleitet und ist mir Mutter, Freundin, Vertraute und immer Therapeutin gewesen, so daß ich mich stellen konnte.

    Meine ERfahrung in Kliniken ist die, daß die Therapeuten dort nicht darauf eingestellt sind, daß patienten mit jahrelanger THerapieerfahrung und vor allem mit Erfahrung mit sich selbst und den eigenen Gefühlen kommen. Sie erwarten irgendwelche "Therapieneulinge", die alles brav mitmachen und still und dankbar sind, solche anspruchsvollen Frauen, die genau wissen, was sie wollen, sind nicht wirklcih willkommen.
    Puhhh, ich könnte mich gerade richtig in Rage schreiben!

    Ich wünsche Dir von Herzen, daß Deine Therapeutin eine gute ist und daß sie wieder gesund ist und Dir zur Seite stehen kann. Ich wünsche Dir Gespräche mit der Kreativtherapeutin (frage unbedingt danach, wenn Du meinst, daß es Dir guttut) und einen guten weiteren Verlauf, in dem es darum geht, was gut für Dich ist und wo Du Deinen Weg gehen darfst und dabei adäquat begleitet wirst.

    Alles Liebe für Dich
    Seelenfrieden
    eisfuchs
    ... es grummelt und grummelt immer noch in meinem hirn, was du da schreibst- und was mir einfällt/auffällt: wenn die dir als einzige aussprechmöglichkeit krank gewordene therapeutin ausfällt, sollte aus meiner sicht eine klinik, die traumatherapie verspricht (und auch bezahlt bekommt!) eigentlich einen sofortigen ersatz organisieren können, bezugstherapeuten-system hin oder her. wie kann das angehen, dass diese kernaufgabe deines aufenthalts, ein gegenüber auch für deine "tr**m*tischen inhalte" ersatzlos ausfällt? das erinnert mich so ein bisschen daran (das bild ist sicher nicht das beste, aber sonst fallen mir nur eher leicht triggernde vergleiche ein), als ob du zum bäcker gehst und brot kaufen möchtest- und das ist gerade ausgegangen, es gibt noch nicht mal brötchen oder zwieback oder irgendwas. stattdessen bekommst du fürs geld eine tüte obst und gemüse und vorträge, warum du unbedingt viel obst und gemüse essen sollst... und ansonsten die erklärung, dass es noch nicht klar ist, wann es wieder backwaren gibt und du dich schon mal im verkaufsraum einrichten sollst...
    :nono:
    so... diesen unmütigen gedanken wollte ich noch mit dir teilen- und dich auch noch mal zu kreativen lösungen ermutigen!
    lg eisfuchs
    blaueartemis
    Hallo Ihr Lieben,

    ich bin sooo froh, euch hier alle zu lesen und die guten stärkenden Energien und Gedanken zu lesen und zu fühlen!!! Es erleichtert mich sehr, und Eure Unterstützung fühlt sich überzeugend an für mich.

    ich habe heute mit dem Mut, den Ihr mir schon gestern gemacht habt, mit der Vertretungstherapeutin gesprochen. Die Nacht über habe ich wach gelegen 3 Stunden lang und habe der Therapeutin meine Meinung gesagt. von einer Mitpatientin habe ich auch noch etwas Mut gemacht bekommen und dann war ich ziemlich kräftig und gut vorbereitet vor dem Gespräch, hatte aber auch Angst. die kind - Angst, alleinegelassen zu werden und nicht sprechen zu dürfen.

    Die Therapeutin ist eine ältere, weißhaarige Frau, Anfang 60 schätze ich. Sie war wertschätzend. ich habe mich aber auch aufgebaut. Alls, was ich fach´lich in meinem Leben auf die Beine gestellt habe, habe ich vor ihr ausgebreitet in einem Brainstorm und habe Eindruck geschunden. Sie hat mit mir auf Augenhöhe gesprochen, hat sich auch ein wenig aus der Fassung bringen lassen und hat schließlich auch gesagt, dass ich sicher merke, dass es ihr spaß macht, mit mir zu fachsimpeln. Sie eröffnete mir, dass sie mit der Chefärztin, der Stabilisierungstherapeutin und der kreativtherapeutin LANGE ÜBER MICH GESPROCHEN hätte?????? wie kann das gehen, wo weder die Therapeutin noch die Chefärztin bis dahin je gesehen hatten??? und zu der Entscheidung gekommen wären, dass ich in eine andere Stabilisierungsgruppe kommen würde mit reiferen PatientInnen.

    Ich habe meinem Wunsch Nachdruck verliehen, dass ich über Probleme und Gefühle sprechen können wollte. Sie hat eine Anmeldung für einzelgespräche bei der Kreativtherapeutin ausgefüllt. Aber sie meinte, das, was ich bräuchte, mehr Einzelgespräche, würde ich in keinem Setting im Gesundheitssystem bekommen. Dazu seien die Mittel einfach zu begrenzt.

    In der neuen Gruppe war neben der Therapeutin der Oberarzt dabei, ausnahmsweise. ich habe den Verdacht, dass das auch mit mir zusammenhängen könnte. Dass er sich auch ein bild von mir machen wollte. Er fragte nach meinen Wünschen an die Gruppe und ich sagte, dass sie über den Rahmen der Gruppe hinausgingen, denn ich wolle über probleme und Gefühle sprechen dürfen. Er hat das positiv umformuliert in "das ist ja eine wichtige Information andie Gruppe: sie sind sehr offen und sprechen gerne offen über sich selbst"

    Im Schlußblitzlicht habe ich gesagt, dass ich einen tiger im Bauch fühle, weil ich noch immer nicht über Gefühle und Probleme sprechen kann. Das ist also jetzt angekommen, mehr kann ich nicht tun.

    die Therapeutin sagt, wir sehen uns nicht mehr, außer wenn ich in Krise komme. Für mich ist es so, dass es mich in krise bringt, wenn ich nicht sprechen darf und ich möchte lieber nicht in krise kommen sondern dass man da, wo ich für mich sorgen möchte, auch Unterstützung bekomme. ich hoffe jetzt mal sehr, dass es klappt und ich morgen bei der kreativtherapeutin einen Termin bekomme für diese Woche. Aber das ist immer noch kein setting, wo ich über Trauma sprechen kann. Mal sehen.

    Ja, dieses Händchenfalten - Bild ist gut. Genauso wird gedeckelt. Ich finde es furchtbar, auch wenn ich der stabilisierungsidee ETWAS abgewinnen kann.

    Liebe Grüße
    BlaueArtemis
    pooh
    Liebe Blaue Artemis!

    Es ist so schrecklich, dass wir Betroffenen fast überall um unser Recht kämpfen müssen, die Hilfe zu bekommen, die wir brauchen.
    Ich würde ja nicht sagen, dass eine Gruppe, in der ausgemacht ist, über gewisse Dinge nicht zu reden, nicht auch etwas Gutes sein kann. ABER die Frage ist doch, wo der einzelne Patient steht und was er braucht. Ich habe das Gefühl, auf das wird dort nicht geschaut, wo du stehst und welches Stück Weg für dich jetzt dran ist. Für den einen mag es ja gerade dran sein, nur stabilisiert zu werden und das Trauma nicht zum Thema zu machen, aber wenn für dich grad ganz was anderes dran ist, dann ist es eine Frechheit, wenn dir das verwehrt wird.
    Schließlich geht es ja nicht darum, dass die Therapeuten das anbringen dürfen, was sie besonders gut können, sondern dass du bekommst, was du brauchst. Mir kommt es aber oft so vor, dass die Therapeuten nach Schema F einfach das machen, was sie gelernt haben und dabei das Wichtigste vergessen, nämlich wo steht der Patient und bei welchen nächsten Schritten braucht er Begleitung.

    Traurig, dass wir hier wohl alle besser Bescheid wissen, als die meisten Therapeuten. :nono:

    Auch wenn es total ungerecht ist, dass du so darum kämpfen musst, wünsche ich dir doch, dass du weiter drauf bestehst, das zu bekommen, was du brauchst.

    Alles Liebe, Pooh
    hella
    Liebe Blaue Artemis,

    auch in mir grummelt es weiterhin zu dem Thema.

    Dass Du den Schritt gegangen bist, anzusagen, wer Du eigentlich bist und was Du nicht brauchen kannst: super! Das hat ja offenbar geholfen. :smug:
    Und ich bemerke auch wohlwollend, dass die Klinikleitung geschnallt hat, dass Du offenbar eben keine 0815-Patientin bist, die nur beschäftigt werden muss. Und bemüht ist, Lösungen zu finden. Das ist ja leider auch nicht selbstverständlich.


    Was mich wirklich ankratzt ist so eine Aussage wie:
    "Aber sie meinte, das, was ich bräuchte, mehr Einzelgespräche, würde ich in keinem Setting im Gesundheitssystem bekommen."
    Das ist blanker Unsinn. Es gibt Kliniken, in denen geht das sehr wohl. Menno.

    Und dass Du keinen Ansprechpartner hast, weil Deine Therapeuten krank ist, das war mir gar nicht so richtig zu Bewusstsein gekommen. Was bitte ist denn das für ein Sch**ss! Was ist, wenn die Frau länger krank ist?
    Auch das kenne ich anders, auch im Bezugstherapeutensystem, in dem es dann während der Krankheit EINEN anderen Therapeuten gibt und fertig. Und man wird sogar gefragt, ob man sich das mit der Vertretung vorstellen könnte.
    Ich lerne gerade immer mehr die Vorzüge der Klinik kennen, in der ich war. Gute Güte, was sich da alles auf dem Markt tummelt.

    Hoffentlich ist heute mehr Programm als nur Händchenfalten angesagt! Hat das mit der Kreativtherapeutin geklappt?

    Liebe Grüsse,
    Hella :winken:
    blaueartemis
    Liebe Pooh, liebe Hella, liebe alle,

    ich bin ziemlich platt heute von dem Kämpfen gestern und vom intensiven Fühlen. Ich habe sehr wenig geschlafen und bin irgendwie resigniert. eine Mitpatientin hat mich noch angekeift gestern, was ich denn bitte für eine Extrabehandlung brauche als andere, forderte dann, als ich sie fragte, warum sie mich so gereizt anspricht, ich solle sachlich bleiben - keifte aber selbst weiter. Das hat mich fertig gemacht. Es drang in mich, meine Grenzen waren nicht stabil genug und ich konnte zum Glück wenigstens sagen, dass ich so nicht mit ihr rede und mich aus der Situation mit ihr entziehen. ich hatte viel damit zu tun innerlich, konnte nicht schlafen und jetzt fühle ich mich platt, fühle autoaggressiv und weiß nicht wohin mit mir. Ich denke über Abreisen nach, spüre aber auch, dass es mitten in einem Prozess ist, wo es um Alleingelassen werden auch auf kindlicher Ebene geht.

    In der Kreativtherapie ging es um Termine bei der Therapeutin, und ich bekam einen für nächste Woche Donnerstag. Das finde ich total lange. Auch das hat mir etwas ausgemacht, dass sie sich nicht vorher Zeit nehmen konnte. Insgesamt ist so ein Gefühl, nicht richtig zu sein, verkehrt zu sein. Es ist ein kindliches Gefühl. Auf der erwachsenen Ebene sehe ich, ich muß mich alleine um mich kümmern, denn hier ist es so. Hilfestellungen dabei gibt es nicht, jedenfalls nicht freiwillig. Wenn ich sagen würde, ich bin in einer Krise, dann darf ich mich melden - aber ich fühle mich in einer Krise, weil man mir nicht das gewährt, von dem ich sage, dass ich es brauche. Meine Sorge für mich selbst, indem ich gesagt habe, was ich brauche, wird nicht unterstützt.
    Ich finde das schlimm.

    In der Patientenvollversammlung wurde eben von einer Patientien, der es sehr schlecht geht, gebeten, dass sie in der Nacht, wenn sie nicht schlafen kann und es ihr schlecht geht, irgendwo rauchen kann. Das wurde ihr verwehrt. Ich kann zwar verstehen, dass man als Krankenhaus nicht Rauchen an sich unterstützen kann; aber eine Patientin, die sich damit eingerichtet hat und schlimme Momente überbrücken kann, indem sie raucht, lassen sie aus meiner Sicht im Stich. Mir kommt das gefühllos und überheblich vor. Es macht zwar auf einer Ebene Sinn, aber ich finde, die PatientInnen werden mit ihren berechtigten Bedürfnissen Regeln unterworfen, die sie nicht selbst gemacht haben und denen sie auch nicht zustimmen können.

    Hella, magst du sagen, in welcher Klinik das war und was genau die Regelungen waren? Das kommt mir gut vor als Argument.

    Liebe Grüße von
    Blaue Artemis
    hella
    Da ich schon fast im Bett bin, nur die Kurzfassung.

    Liebe Blaue Artemis,

    hoffentlich erholst Du Dich gut! Ich wünsche es Dir.

    Ich war in der Panorama-Klinik Scheidegg/ Allgäu. Bezugtherapeutensystem, 2x/Woche Gruppe, 2x/ Woche Einzelgespräche, 2x/ Woche Massagen, eine Menge verschiedener Bewegungsangebote, auch für die Freizeit, Körperwahrnehmungsgruppen, Vortrage, viel Tanztherapie und noch einiges rumdrum.
    Ich kenne von dort jede mögliche Regelung, sind natürlich immer Einzelfällen, aber eben ohne Weiteres möglich, wenn das für alle o.k. ist: nur Einzelgespräche, auch mehr als 2, besonders in Krisen, keine Gruppen, Einzelaktivitäten "draussen", weil es dort erprobt werden muss (alleine wandern ohne Karte und Kompass), Hochseilgarten, Ausflüge in Städte, Einzeltermine in der Sportabteilung oder den Kreativ-und Leibtherapeuten und, und, und. Eine sehr individuelle Sicht auf die Patienten und das, was sie brauchen.
    Ich habe im letzten Aufenthalt z.B. nur Einzelgespräche gehabt, Massage und Tanztherapie. So war es gewollt und hilfreich. Und deshalb ging es auch. Und es war das, was angemessen war.

    Ich hoffe sehr, dass Du eine Regelung für Dich finden kannst.

    Gute Nacht, Hella
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    das tut mir leid, dass Dich das Kämpfen um einen guten, hilfreichen Rahmen so beutelt.

    Was Deine Erzählung von der Mitpatientin angeht: Ich habe es auch bei meinem grauenhaften Aufenthalt in Grönenbach so erlebt, dass Mitpatienten so identifiziert mit dem System waren, dass sie alle, die kritisch waren, wie "Ketzer" behandelt haben.

    Meine Phantasie im Nachhinein ist, dass sie versuchen, Sicherheit über die Identifikation mit dem Wertesystem der "symbolischen Eltern" (hier eben die Institution) zu bekommen und "Ausscherer" diese Sicherheit bedrohen. Will heißen: Sie können nicht wach und kritisch dem System gegenüber sein, sondern wollen annehmen, das der Ort, an den sie zur "Heilung" gekommen sind, rundum gut ist - und eben die, die manches nicht gut finden, falsch.

    Die Frage ist jetzt, kannst Du das, was an Gefühlen hochkommt - wie das "Alleingelassenwerden" - da fruchtbar für Dich nutzen oder ist eine Abreise wirklich besser?

    Ich bin ja eher eine "Durchhalterin" und habe erst in den letzten Jahren entdeckt, wie fruchtbar für mich das Weggehen aus Umständen ist, die mir nicht gut tun.

    Aber ich finde es immer schwer festzustellen, ob es eher um Gehen oder Bleiben für einen selber geht.

    Hast Du da für Dich ein Gefühl zu?
    Oder schonmal Gedanken gesponnen, wie Du eine Zeit für Dich erholsam und schön gestalten könntest, wenn Du abreist? Oder umgekehrt, wie Du bestmöglich von dem jetzigen Rahmen in der klinik profitieren könntest, wenn er so bleibt? Und ob das besser wäre als die Alternative, wenn Du abreist (und z.B. in Urlaub fährst).

    Bis nächsten Donnerstag finde ich auch extrem lang - Klinikzeit ist ja etwas vollkommen anderes, als ein "nächste Woche" Termin ambulant. Das sind ja dann - wenn ich das richtig verstehe - fast zwei Wochen ohne individuelle therapeutische Begleitung.

    Ich wünsche Dir, dass sich der Rahmen für Dich hilfreicher, unterstützender und fruchtbarer gestaltet!

    Liebe Grüße

    Keyla
    blaueartemis
    Liebe Keyla, liebe Hella,, liebe alle,

    danke, dass Ihr zwei mir geschrieben habt. Ich bin so froh darüber, dass ich mit Euch hier schreiben kann und die Zuverlässigkeit, dass immer wer da ist und geschrieben hat, tut mir so gut!

    Nein, ich bin nicht zwei Wochen ohne individuelle Begleitung, denn ich hatte ja das Gespräch mit der Vertretungstherapeutin. Die meinte sogar, das Aufnahmegespräch sei doch schließlich auch eine Einzelstunde gewesen, was zwar rein organisatorisch stimmt, vom Gefühl her aber nichts damit zu tun hatte, dass ich darüber sprechen konnte, wie ich mich fühle.

    Ich habe in der Nacht wesentlich besser geschlafen und auch schon nachmittags - für mich völlig ungewöhnlich - 2,5 Stunden geschlafen. Eine Patientin aus der anderen Klinik, HWK 2, mit der ich gestern spazieren gegangen bin, hat mir erzählt, dass es dort genauso ist und dass man ihr auch verboten hat, über das Trauma zu sprechen. Sie ist der erste Mensch, mit dem ich da gerne gesprochen habe. Wir haben uns darüber unterhalten, wie wir das finden mit der Traumatherapie und wann man denn nach deren Vorstellung wohl über das Trauma sprechen soll, wenn nicht in der Klinik, wo man aufgefangen ist und Ruhe hat und der Belastung am ehesten stand halten kann. Wobei es für mich ja noch n icht mal darum geht, über das Trauma sprechen zu wollen - ich habe vollkommen ausreichend konfrontiert in meinem Leben - sondern einfach nur über "Gefühle und Probleme", aber das ist ja auch dem Tabu unterworfen. Das Gespräch mit ihr hat mir sehr gut getan und hat mich vor allem verbunden mit dem Gefühl, dass ich wertvoll, in Ordnung und vollkomen normal bin damit, dass ich davon ausgehe, dass man in einer Traumaklinik ausreichend Platz hat, um über Gefühle und Probleme und Trauma zu sprechen. Danach hatte ich das Gefühl, nun bin ich richtig hier angekommen mit allem oder vielem, was zu mir gehört, und mein Schlaf war besser.

    Heute morgen war ich ausgeschlafener und abgeklärter. mir war klar, wenn ich hier bleiben will, muß ich mich damit abfinden, dass ich über Trauma nicht spreche kann. die Rahmenbedingungen außerhalb der Traumatherapie finde ich ja optimal. Also nutze ich diese Rahmenbedingungen und bin sicher auch erholter, um den Traumaaufgaben hinterher mehr gewachsen zu sein.

    Danach war ich innerlich wesentlich ruhiger auch bei der Vorstellung, meine Meinung der Abteilungsleiterin, die so kaltschnäuzig ist, mal zu sagen. Ich finde es wirklich unerhört, dass für so ein Umgang so viel Geld gezahlt wird.

    Danke Keyla für die "Übersetzung" der keifenden Mitpatientin. Das leuchtet mir sehr ein, was du vermutest und kommt infrage als Erklärung bei ihr.

    Heute kommt meine Partnerin und besucht mich übers Wochenende. Ich bin froh, denn auch wenn so Vieles so schwierig mit ihr ist, kann ich mich doch auf sie verlassen, was das angeht, mich zu sehen und zu verstehen und ernst zu nehmen.

    Liebe grüße von
    Blaue ARtemis
    eisfuchs
    liebe blaueartemis,

    das freut mich zu lesen, dass du besser schlafen konntest und durch die andere patientin auch vor ort wertschätzung und bestätigung bekommen hast.

    es kam mir ein bisschen so vor, als ob durch die klinikbedingungen "krise" der einzige weg ist, um wenigstens einen teil davon zu bekommen, was vorher versprochen wird- angemessene aufmerksamkeit, einzelgespräche... und ich finde es wirklich skandalös, dass damit "krise" auch produziert wird...

    hut ab, dass du es geschafft hast, da im rahmen der möglichkeiten gut für dich zu sorgen und einen anderen weg findest.
    interessant wäre ja auch mal zu hören, was dein kostenträger (krankenkasse?) zur situation sagen würde- letztlich zahlen sie ja für ein versprechen, dass nicht eingehalten wird.
    leider ist meine erfahrung so, dass oft bei kostenträgern nicht die kompetenten menschen sitzen, die dann auch bei der klinik nachfragen, eher wird dann der "gesunden klinik" statt "der kr*nk*n patientin" geglaubt, was gleich den nächsten stress auslösen kann und sicher nicht hilfreich wäre. :(

    ich wünsche dir jedenfalls ein erholsames erfreuliches wochenende mit deiner partnerin,
    lg eisfuchs
    blaueartemis
    Liebe Eisfuchs, liebe alle,

    danke für deinen schönen Post!

    Ja, ich denke auch darüber nach, an den Kostenträger, den MDK, an das Wicherunternehmen und an Luise Reddemann einen Brief zu schreiben, vielleicht auch mit der anderen Patientin zusammen. Ich denke auch, dass man der Klinik eher glauben wird, als einer "kranken" Patientin. Vor allem, weil diese Abteilungsärztin eine so resistente gegen Feedback ist und vollkommen kaltschnäuzig alles niederbügelt, was ihr in die Quere kommt. Ich halte sie für menschlich vollkommen fehl am Platze. Alle PatientInnen, die bei ihr zum Gespräch waren, kamen vollkommen geplättet und niedergebügelt wieder heraus. Sie ist so ein "Von-oben-herab-Mensch", die bei Kritik sofort in Machtkampf einsteigt. Aber ich kann es trotzdem tun und meinen Brief sehr sachlich und fachlich formulieren. Heute morgen im Bett habe ich mir überlegt, dass ich alle diese "Ungereimtheiten" und Schrecklichkeiten protokollieren werde, auch was ich von anderen PatientInnen mitbekomme. Ansonsten will ich mich hier erholen und aus dem guten Rahmenangebot das Beste machen, was geht.

    Alles zusammen spornt mich an, mich in dem Bereich mit Trauma doch wieder beruflich zu engagieren, was ich nicht mehr wollte. Aber diese Erfahrungen werte ich auf jeden Fall fachlich aus und werde sie irgendwie auch weitergeben, ich weiß nur noch nicht wie.

    Mit meiner Partnerin war es gestern sehr schön. Sie war trotz Borderline für mich der gesündeste Mensch, mit dem ich diese Woche gesprochen habe. DAs war sehr stärkend und wohltuend für mich.

    Deine Überlegungen zur Krise sind auch meine Überlegungen. Die Krise wird dadurch gefördert, dass man nur Gespräche "gewährt", wenn man in Krise gerät.

    Liebe Grüße
    Blaue ARtemis
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    nur ganz kurz, weil ich gleich einen Termin habe:

    Das mit dem Brief und dem protokollieren finde ich sehr gut.

    Für die "fachliche Auswertung" hatte ich auch schonmal folgenden Gedanken - vielleicht lassen sich die wie auch immer irgendwann mal kombinieren:

    Ich wollte mal einen "Leitfaden" für Ärzte und Therapeuten schreiben, wie mit traumatisierten Patienten auf heilsame, unterstützende Weise umgegangen werden kann. Und was "dont'ts" sind.

    Zum Umfang und den Details hatte ich noch keine Idee, aber generell fände ich das ein gutes Projekt. Ähnliches könnte ich mir auch für Kliniken vorstellen.

    Wer weiss - vielleicht....was auch immer!

    Auf jeden Fall wünsche ich Dir jetzt, dass Du den "Rahmen" für Dich zu einem "Kururlaub" nutzen kannst - oder was auch immer Dir innerhalb der Möglichkeiten noch gut tun kann.

    Liebe Grüße

    Keyla
    marguerite
    liebe blaue artemis!

    ich finde, du machst das klasse, auch wenn die entwicklung deines klinikaufenthaltes leider so ganz anders ist, als erhofft. aber es unter den bedingungen konstruktiv für sich nutzen zu können im sinne von erholung und gute angebote annehmen, das finde ich eine sehr gesunde und selbstfürsorgliche tendenz! :gruss:

    die idee mit den briefen finde ich auch gut, vielleicht macht es anderen ja auch mut, sich anzuschließen.
    und zu der gefahr, dass der "gesunden" klinik eher als dem "kranken" patienten geglaubt wird, frage ich mich, ob dein beruflicher hintergrund hier nicht auch ein stück helfen könnte, da du ja beides bist, patientin und ehemalige(?) traumatherapeutin. vielleicht haben deine worte, wenn du auf deine erfahrungen in dem beruflichen bereich hinweist, mehr gewicht für die entsprechenden anlaufstellen.

    erstmal ein schönes, erholsames wochenende dir und viel mut und kraft, um weiter für dich einzutreten!

    :winken:

    marguerite
    seelenfrieden
    Liebe Blaueartemis,

    das tut mir so leid, daß Du dort scheinbar gar nicht das findest, was für Dich gut und sinnvoll und richtig wäre. Umso besser und gesünder finde ich es, wenn Du es schaffst, Dich nicht mit dem Ärger und der Traurigkeit darüber aufzuhalten, sondern das Beste draus zu machen und den Aufenthalt als eine Urlaub zu betrachten, in dem Du Kraft schöpfen und zur Ruhe kommen kannst.

    Die Idee mit dem Brief finde ich hervorragend - weil es so wichtig ist, solche Zustände deutlich zu machen. ich war einmal in einer ganz schrecklichen Klinik, in der überhaupt nichts so war, wie es sein sollte und aus der ich nach 4 Monaten kränker als vorher entlassen wurde. ich ärgere mich heute noch, daß ich damals die KK nicht informiert habe!

    Ich wünsche Dir viel Kraft und trotz aller Widrigkeiten eine gute Zeit!

    Herzliche Grüße
    Seelenfrieden
    blaueartemis
    Liebe Keyla,Marguerite, Seelenfrieden und alle,

    ich danke Euch sehr für eure Anteilnahme und lieben begleitenden Gedanken und Anregungen. Der Leitfaden ist sicher prima und ich arbeite gerne mit daran, liebe Keyla. Der Gedanke an das Protokoll und den Brief stärkt mich und gibt ein gutes Gefühl, mich wehren zu können und etwas damit zu machen, was ich erlebe.

    Meine Bezugstherapeutin ist heute wieder da. Sie übernimmt zusätzlich zu den Einzelstunden - von denen ich aber immer noch keine hatte und wo ich bislang auch noch keinen Termin habe - die Gruppentherapie. Ich habe heute in der Gruppe meine "Irritationen " über die Ideen, nicht über Probleme und nicht über Gefühle sprechen zu dürfen, angesprochen. Sie hat das ganz klar zurückgewiesen als Praxis der Klinik und gesagt, dass das therapeutischer Unsinn sei - was ich ja auch finde - und explitzit betont, alle Gefühle gehören in die Therapie. Das hörte sich nicht mehr so krank an wie das, was ich in der vergangenen Woche erlebt und gehört habe. Sollte sie in Ordnung sein? Tatsache ist aber, dass zwei Teilnehmer aus der Gruppe gegangen sind, weil es ihnen so schlecht ging und ich mich fragte, wozu therapie, wenn man rauslaufen muß, wenn es einem schlecht geht????

    ich glaube, dass das der Therapeutin auch nicht geheuer war. Mal sehen, wie es sich entwickelt.

    Neben aller Kritik, die ich habe, fühle ich auch den Prozess in mir, wo an all die kindlichen Gefühle von Alleingelassensein gerührt wird und wo es unter der Oberfläche arbeitet in mir. Ich merke, dass ich aufpassen muß, dass ich mich nicht im Kämpfen darum, wer fachlich recht hat, verliere, um die weichen und verletzlichen Gefühle nicht zu fühlen. ich switche hin und her zwischen dem Beobachten dieser Gefühle und der fachlichen Kritik, die ich habe und suche den Raum, wo ich offen sein kann für beides - Kritik zu sagen und bei mir und dem Prozess zu bleiben, und ich bin zuversichtlich, dass es mir gelingt.

    Mit meiner Partnerin hatte ich ein sehr schönes Wochenende hier. es hat mich gestärkt und mir Sicherheit gegeben, dass sie da war und ich mit ihr so ausführlich über die Schwierigkeiten im Setting sprechen konnte und Feedbacks bekam, die mich wieder zentrierten in meiner Fachlichkeit. Das ist total schwer, sie zu behalten oder sie jedenfalls zu vertreten und durchzusetzen, wenn ich an so verletzlichen Gefühlen arbeite, wie das der Fall ist.

    Ich bin dieses Wochenende 30 km Rad gefahren, war draußen und habe es genossen, so viel in der Natur zu sein. Und mit meiner Partnerin, wo es ja so schwierig war, dass ich deshalb eigentlich überhaupt nur den Entschluß gefaßt habe, in die Reha zu gehen, war es schön und erholsam und es lag auch wieder realistische Perspektive in der Luft - seit langem. Wir haben einen gemeinsamen Urlaub im Kloster in Südfrankreich nach der Klinik geplant...

    Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    keyla
    Liebe Blaue Artemis,

    ich bin gerade "auf dem Sprung", mir ist aber ein Aspekt an Deinem Bericht aufgefallen, den ich auch sehr gut kenne:

    Dass im Kämpfen der Zugang zu den weichen, zarten Gefühlen schwieriger wird. Interessanterweise habe ich das aktuell auch in Bezug auf meine Freundin erlebt. Ich fühle dann eher "(berechtigte) Wut, als die ganze Dimension von Trauer, Verlust, Alleingelassenwerden - also eher "heiße", aktive Gefühle, als die warmen, weichen, verwundbaren. Oder eben als andere Variante Angst oder Dissoziation.

    da finde ich sehr gut, dass Du diesen Prozess bei Dir wahrnimmst und Dich um eine Balance bemühst. Ich bin sehr gespannt, was sich da entwickelt, denn mir kommt das wie ein ganz wichtiges Lebensthema vor, diese Balance zwischen dem aktiven, Gestaltendem, Kritischem und dem Weichen, Verletzlichen, Kindlichen, auch manchmal sich ohnmächtig Anfühlenden.

    Ein feines Gespühr für diese Balance und freundliche Hilfe wünscht Dir

    :liebes: Keyla
    blaueartemis
    Liebe Keyla, liebe alle,

    danke für deine Überlegungen, lieben Wünschen und Anteilnahme!

    Es geht mir sehr gemischt hier. Mit der eigentlichen Therapeutin hatte ich eben ein Gespräch. ich konnte viele meiner Ressentiments klären. Sie hat sich klar geäußert, dass natürlich alle Gefühle in jeden therapeutischen Prozess gehören. Das hat mich beruhigt. Ich konnte ihr im Einzelgespräch klar machen, was ich alles "kann" und was ich brauche und was nicht. Das hat sie gesehen und gewürdigt und erst mal stimmte es so für mich. Sie meinte, wir könnten sicher gut zusammen arbeiten und das fühlte sich erst mal gut für mich an.

    Ich spürte auch, dass sie mich so "überliefert" bekommen hat, dass ich das Konzept der Klinik umschmeißen wolle. Ich respektierte das Konzept, das ja auch mit einschließt, individuell zu gucken, was jeder Patient braucht. Ich sagte ihr aber, dass zum Konzept gehört ,dass individuell geguckt wird, wo jede Patientin steht und die Therapie darauf abgestimmt würde; dass ich aber bei mir erlebt habe, dass niemand bisher wirklich darauf geguckt hat, wer ich eigentlich bin, was ich kann und was ich brauche, sondern dass man mich einfach ohne groß zu gucken in eine Stabilisierungsgruppe gestopft hat und dann guckt niemand weiter. Darauf ist sie eingegangen und ich fühlte mich besser gesehen.

    Allerdings hat sie gestern in der Gruppentherapie wieder so eine Schrecklichkeit fabriziert: einem Mann ging es ganz schlecht. Er wollte gar nicht teilnehmen. Er mußte aber, denn Gruppentherapie ist Pflicht. Sie schlug angesichts seiner schweren Stimmung vor, ein Spiel zu machen - ein Stabilisierungsspiel. Stadt - Land- Fluß: es soll ein Buchstabe wie bei diesem Spiel gesucht werden und dann werden nährende Begriffe genannt zu diesem Buchstaben. Der Patient ist natürlich ausgerastet und war total wütend, fühlte sich nicht ernst genommen. Ich fand das auch schrecklich. Er durfte dann gehen - eine adäquate intervention hat er nicht bekommen. Da grauselt es mich und ich weiß nicht, wie sie dazu kommen, das Ganze Traumatherapie zu nennen.

    In der PatientInnenGruppe fühle ich mich nicht besonders wohl. wenig Resonanz kommt auf mich. Ich ahne, dass über mich gesprochen und zwar nicht gut gesprochen wird. Vielleicht ist das verkehrt und ich bin paranoid. Aber ich fühle mich nicht so gut aufgenommen, vermisse ein Zugehörigkeitsgefühl, fühle mich argwöhnisch beäugt und weiß nicht, was ich tun möchte oder könnte, um das zu verbessern.

    Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    seelenfrieden
    Liebe Blaueartemis,

    erst mal gut, daß Du ein doch fruchtbares Gespräch mit Deiner Therapeutin haben konntest, das hat vielleicht ein bißchen Ruhe reingebracht.
    Was Du allerdings schreibst über den Mann in der Gruppe, da gruselt es mich auch und ich frage mich, wie so ein Verhalten überhaupt in irgendein Konzept passen soll? Das ist für mich einfach Inkompetenz der Therapeutinnen, die sich mit Spielchen und "Tricks" aus schwierigen Situationen schälen wollen, in denen aktuelles Reagieren auf eine Krisensituation vonnöten wäre. Das finde ich ganz schwierig und es würde mir Angst machen. Konntest Du das ansprechen, was das mit Dir gemacht hat?

    Ach Du, es klingt alles nicht so gut, auch die Aufnahme in der Gruppe der anderen Patienten - geht denn Deine Rechnung dennoch noch auf, für Dich das Beste draus zu machen und den für Dich möglichen Nutzen daraus zu ziehen?
    Achte nur darauf, daß Du keinen Schaden nimmst, es klingt so gar nicht nach einer nährenden Umgebung, in die Du Dich vertrauensvoll fallen lassen kannst.

    Ich wünsche Dir Kraft, weiter durchzuhalten oder u.U. auch die Kraft, zu entscheiden, daß dies vielleicht doch nicht der richtige Ort ist?

    Ganz viele stärkende Gedanken schickt Dir
    Seelenfrieden
    blaueartemis
    Liebe Seelenfrieden und alle,

    danke für deine besorgte und anteilnehmende Antwort. Gestern ging es mir in der Tat wieder so, dass ich dachte, es ist nicht der richtige Ort und ich reise ab. Durch das Gespräch mit der Therapeutin habe ich mehr Mut gefaßt. Das Nährende an der Umgebung ist erst mal die Ferne von zu Hause, aber auch das Angebot über das Psychotherapeutische hinaus - angefangen vom Zimmer über die landschaftlich sehr schöne Umgebung und dann eben Meditation, Yoga, Sport, kreatives Arbeiten, Vorträge, was ich alles sehr gut finde. Ich glaube, es geht nur mit vielen Kompromissen, hier das Beste draus zu machen - aber das Schaden nehme fühle ich auch noch als Potenzial im Moment, da hast du sehr Recht mit deiner Sorge. Ich habe die halbe Nacht deshalb wach gelegen - was aber bei dem Stress auf meine angeschlagene Verfassung kein Wunder ist.

    Ich bin nach wie vor froh, Rückmeldungen von Euch zu bekommen, wie das wirkt, was ich schreibe.

    Liebe Grüße
    BlaueArtemis
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    zu der Frage "Should I stay or should I go?" habe ich zwei verschiedene Erfahrungen gemacht. Die eine war in Grönenbach, wo es mir danach furchtbar schlecht ging und ich - wie fast alle Traumapatienten in der Zeit - über mehrere Monate suizidal war.

    Das andere war eine Ayurvedakur in Indien, wo mir auch vieles nicht gefallen hat, ich mir aber gut "das Gute" nehmen konnte. Das hat mich allerdings viel Kraft gekostet - und soviel distanz, dass ich fast alles Wichtige für mich mit der "schwierige Kunden Kommunikation" durchgesetzt habe. Ich habe da allerdings im Nachhinein schon sehr von profitiert.

    Bei einer anderen Kur auf Sri Lanka in der Greystone Villa bin ich früher abgereist, was eine sehr gute, heilsame Entscheidung war.

    Hast Du das Thema eigentlich schon mit der Therapeutin oder in der Gruppe ansprechen können? Vielleicht gäbe es ja auch eine Möglichkeit, genau damit zu arbeiten.

    Liebe Grüße und ein feines Gespühr für die richtige Entscheidung.

    :liebes: Keyla
    blaueartemis
    Liebe Keyla,

    vielen dank für deine Resonanz. Das mit der Suizidalität nach Grönenbach habe ich noch nicht ganz verstanden. Hast du den Aufenthalt dort abgebrochen und dann warst du suizidal oder bist du dort bis zum Schluß geblieben und dir ging es danach so schlecht?

    (Ich kenne eine Frau, die dort vor 20 Jahren war und wo der Therapeut mit ihr eine s*x**lle Beziehung angefangen hat. Deshalb ist es mir immer ein Rätsel, warum diese Klinik einen so guten Ruf haben soll.)

    In der Gruppe kann man nichts ansprechen. Da gibt es immer Programm, Stabilisierungsübungen. Probleme, Gefühle und Trauma dürfen nur in der Einzeltherapie angesprochen werden. Davon hatte ich bislang zwei mal 20 Minuten diese Woche. Ich habe etwas klären können mit der Therapeutin und so mit ihr ein besseres Gefühl. Außerdem konnte ich mit ihr über die zwei seiten, die Konfrontierende, Kämpfende und die Weiche, Verwundbare gesprochen. Das war gut und hat mir gut getan, und vielleicht kann ich damit im Gefühl auch morgen mit der Kreativtherapeutin sprechen, mit der ich noch immer solchen Streß fühle. Sie hatte, als ich sagte, ich sei traurig, mich sofort abgewürgt, "nur ein kurzes Blitzlicht" . Ich fühle bei ihr nicht die Wertschätzung, die ich mir wünsche oder die ich für angemessen halte.

    Es stinkt mir, dass ich so viel Kraft investieren muß, um hier eine Möglichkeit herzustellen, da zu bleiben. Gehen ist nicht wirklcih eine Alternative, sondern nur eine Notlösung. Ich brauche die Auszeit und die "Heimatferne" Zeit. Wegen Trauma ist es nicht so schlimm, denn ich habe ja zum Glück eine gute Therapeutin zu Hause, sodass ich weiß, dass es da weiter gehen wird. Manchmal hat man ja auch Traumabearbeitungsphasen, wo man alle Kraft zum Überleben braucht, und so ist es bei mir zum Glück nicht im Moment. Aber ich könnte trotzdem bessere Bedingungen gebrauchen für mich.

    Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    keyla
    Liebe Blaue Artemis,

    was Deine Frage zu Grönenbach angeht: ich war NACH meinem Aufenthalt dort suizidal, ebenso 3 andere Leute, die zeitgleich mit mir mit einem Traumathema da waren. Und für mich war im Nachhinein der Aufenthalt blanker Horror. Das war allerdings vor 15 Jahren, da hat es sicher Entwicklungen gegeben seitdem.

    Was Du schreibst, kann ich gut nachvollziehen -mir wird es ja manchmal leichter, wenn ich die offensichtlichen Unmöglichkeiten irgendwo akzeptieren kann. Nicht, weil sie "akzeptabel" sind, aber weil Du wie Du ja sagst dringend eine Auszeit von zuhause brauchst. Und vielleicht da nicht mehr geht als "Kururlaub".

    Für mich war dazu immer die Mindestbedingung, dass man mich "in Ruhe läßt" und es keinen wie auch immer gearteten Mitmachzwang gibt. Hast Du für dich schon klar, was Du brauchen würdest ein guter "Kururlaub" (und eben keine Traumatherapie) sein kann?

    Liebe Grüße

    Keyla
    eisfuchs
    ...puuh. liebe blaueartemis, die geschichte mit dem mann in der gruppe finde ich schwer zu ertragen.
    zusammen mit dem, was du sonst so schreibst, entsteht in mir ein bild einer nicht achtsamen, nicht wertschätzenden, aus "konzeptgründen" schädigenden umgebung.
    ist ziemlich heftig, was ich jetzt dazu schreibe, bitte überleg dir bitte, ob du das lesen möchtest. und natürlich ist es mein empfinden, meine interpretation!.. wenn es nicht passt, dann lass es bitte bei mir.
    *
    *
    *
    *
    *
    ein begriff, der mir auch dazu einfällt, ist g*w*lt.
    das mag sich übertrieben anhören, unangemessen, aber wenn ich meinen (und nicht nur meinen) g*w*ltbegriff danebenlege, nämlich dass g*w*lt ist, wenn menschen nicht mehr als subjekt, sondern als objekt wahrgenommen und behandelt werden.
    vielleicht ist das, was du da gerade erlebst nicht unbedingt g*w*lt- aber was ich vermisse, ist eine klares statement der klinik zu g*w*lt. wie wird da mit menschen in krisen umgegangen??

    ...

    ich finde es nach wie vor gut, dass du dir deinen weg innerhalb der rahmenbedingungen suchen möchtest. was ich von dir höre ist, dass du abstand von zuhause brauchst. eine wohltuende umgebung, dir etwas gutes tun willst.
    ich hab keine ahnung, ob das für dich im rahmen des (finanziell und vorstellbar) möglichen ist, aber kannst du dich nicht statt dieser klinik
    in einem wellnesshotel einmieten? es gibt sogar einige jugendherbergen, die auch einzelzimmer anbieten und kleine wohlfühlprogramme. oder eine günstige pension in einer sehr schönen gegend...

    die unterstützung, die du zur tr**m*-arbeit brauchst, scheinst du ja in der klinik nur mit sehr viel arbeit und aufwand annähernd zu bekommen. das ist aus meiner sicht ein zu hoher preis...

    was mir jetzt erst so wirklich einfällt, ist die klinik heiligenfeld. hast du von der schon mal was gehört? ich war da selbst nicht, weiss aber von einer entfernt bekannten therapeutin, die dort war und wenn ich das richtig erinnere, haben sie eine gruppe extra für therapeutinnen dort. die bekannte sagte, dass sie sehr gute heilsame erfahrungen dort gemacht hat. (was ja auch immer sehr individuell ist... aber vielleicht kennt wer anders hier heiligenfeld und kann was dazu sagen?) vielleicht gibt es ja die möglichkeit, deine kostenzusage irgendwie aufzuheben, zu verschieben, und du bekommst eine andere möglichkeit? (falls es das ist, was dich noch in der klinik "hält")

    ich wünsch dir trotz und mit allem eine gute zeit!
    lg eisfuchs
    blaueartemis
    Liebe Keyla, liebe Eisfuchs, liebe alle,

    ich sitze gerade heulend am PC. Im Moment fühle ich es hier als schädigend, was mir therapeutisch begegnet. Ja, Eisfuchs, ich fühle mich hier als objekt wahrgenommen und "behandelt". ich finde es interessant, dass da dein G*w*ltbegriff ansetzt. Ich habe das bisher nicht so genannt, kann das aber nachvollziehen.

    Im Moment denke ich darüber nach, abzureisen. Nein, ein Wellnesshotel ist es für mich nicht im Moment. Ich glaube im Moment, ich bin lieber zu hause, wo meine Therapeutin ist, mit der ich klar komme, von der ich mich ausreichend gewertschätzt fühle und wo ich nicht so entsetzlich viel Energie aufbringen muß, um einen angemessenen Rahmen zu haben. Aber ich möchte auch nicht aus meinen jetzigen Gefühlen heraus agieren, sondern noch mal nachdenken, nachfühlen, muß vielleicht auch mit jemand Vertrautem telefonieren, wo ich mich unterstützt fühle.

    Geld zu ende, mist. Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    eisfuchs
    liebe blaueartemis,
    ich wünsche dir kraft und ruhe und gelassenheit (soweit eben möglich...), eine für dich gute entscheidung zu treffen. es ist sicher eine gute idee, dass du dir vertraute unterstützung holst. vielleicht kannst du sogar mit deiner thera dazu telefonieren?


    :trost2: wenn ich darf
    eisfuchs
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    die Gefühle kann ich sehr gut nachvollziehen und es tut mir entsetzlich leid, das Du dort so "gebeutelt" bist.

    Ich habe ja, als ich aus der Ayurvedakur vorzeitig abgereist bin, gemerkt, dass gerade dieses "ich kann dort weggehen, wo es mir schadet" ganz, ganz heilsam für mich war. Bei mir ist es ja oft so, dass ich irgendwie dieses kindliche "durchhalten müssen, weil ich sowieso nicht weg kann" noch sehr oft spüre - da war es für mich ganz wichtig, auch die Freiheit zum Gehen zu spüren. Letzten Endes war das ein Heilungsimpuls gerade dadurch, dass ich nicht geblieben bin.

    Für andere ist es eher das Thema des "Bleibens" - hast Du da ein Gefühl, ob Du auch eher jemand bist, der Schwierigkeiten mit dem "Gehen" oder mit dem "Bleiben" hat?

    Liebe Grüße und ich denke viel an Dich und Deine Situation da!

    :liebes: Keyla
    blaueartemis
    Liebe Keyla, liebe Eisfuchs, liebe Alle,

    es berührt mich, dass du an mich denkst, Keyla. Das ist eine schöne Vorstellung. Es tut mir gut, zu spüren, dass ich nicht alleine bin. Auch dir Eisfuchs vielen dank für deine starke Anteilnahme und guten Wünsche.

    Ich habe seit gestern Migräne, fühle mich sehr schwach, licht - und geräuschempfindlich, Übelkeit und liege seit 24 Stunden im Bett. Ich fühle mich dem Zentrum aller Verletzlichkeit nah, kindliche Alleinseinsgefühle blubbern schwer an die Oberfläche.

    Ich kenne beides - mir die Freiheit zu gehen nehmen und auch, dazubleiben und "durch" zu gehen, dass beides schon sehr gut für mich war. Im Moment glaube ich, dass es gut wäre, zu bleiben, aber bei der Kreativtherapie nicht mitzumachen. Ich male zwar total gerne und mochte das auch in der Gruppe, aber dises barsche "in der Gruppe wird nicht gesprochen" ist für mich eindeutig retraumatisierend. Nicht die G*w*lt ist das Tabu, sondern das darüber sprechen. Ich erlebe es als entwürdigend, dass meine Gefühle und damit meine Lebendigkeit und kostbarsten Ressourcen nicht dabei sein sollen. Fachlich finde ich es total daneben und bei allem STabilisierenStabilisierenStabilisieren, das Berechtigung hat ist es aus meiner Sicht nur eine blöde Formel zur Abwehr ihrer eigenen Angst vor starken Gefühlen, die nichts mit dieser individuellen Therapie zu tun hat, die sie hier angeblich machen.

    Ich überlege jetzt nur noch, ob ich dazu die Konfrontation wähle und SAGE, dass ich nicht mehr mitmachen möchte oder einfach nur nicht mehr hingehe und mich jedes Mal mit Kopf/Bauchschmerzen oder so entschuldige.

    Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    pooh
    Liebe Blaue Artemis!

    Puh, eine sehr harte Zeit für dich gerade.
    Toll finde ich es, dass du es trotzdem immer noch schaffst, auch die Erwachsenen-Perspektive aufrecht zu erhalten. Das zeigt, wie weit du schon bist.
    Dass dieses ständige kämpfen Müssen dir auch körperlich zu schaffen macht, kann ich gut verstehen.
    Ich denke zum Thema abreisen oder nicht, dass es vor allem immer wichtig ist, dass du nicht aus den Augen verlierst, dass es DEINE Entscheidung ist, egal was du machst. Du musst nicht durchhalten, aber du kannst, wenn du dich dafür entscheidest, beides ist OK.
    Vielleicht kannst du ja versuchen in dieser Situation, wo es dir von außen nur schwer gemacht wird, für dich selber zu schauen, dass wenigstens du es dir so leicht wie möglich machst. Also wenn es für dich leichter ist, das mit der Gruppe anzusprechen, sprich es an, wenn es für dich aber leichter ist, Ausreden zu finden, dann mache das.
    Es ist eine extrem schwierige Situation, in der du gerade bist, das darfst du nie vergessen.
    Und ich finde es total schade, dass das so ist und dass du dort nicht die Hilfe findest, die du dir sicher sehr erhofft hast.
    Ich habe im Moment selbst das Gefühl, dass man mit allem alleine gelassen wird und leider zeigt es sich immer wieder, dass es so ist. Das ist einfach nur schrecklich, da gibt es nichts Beschönigendes dazu zu sagen.

    Liebe Grüße, Pooh
    blaueartemis
    Liebe Pooh, liebe Alle,

    vielen herzlichen Dank für deine lieben unterstützenden mitfühlenden Worte. Es tut mir einfach immer wieder gut, dass immer jemand hier ist, die mir etwas schreibt. Deshalb - ja und nein, was das alleine gelassen werden angeht. Denn Ihr seid ja da. Auch meine Partnerin.

    Heute morgen habe ich lange geschrieben über das Verwundete, das gerade so viel Schmerz in mir macht und mir das Leben so schwer, so unerträglich teilweise macht. Ich konnte das Alleingelassenwerden auch als das schlimme Alleingelassenwerden als Kind fühlen, 10 Jahre, v*rg*w*ltigt, niemand ist da. Dieses Alleinesein damit ist für mich sehr schlimm. Und das ist ein Punkt, wo ich diese PITT von Luise Reddemann einfach nur total daneben und am Problem vorbei erlebe.

    Damit meine ich: ich arbeite mit dem inneren Kind, gucke, was es braucht. Um zu verstehen, was es braucht, muß ich die Gefühle des Alleineseins nach der "Tat" konfrontieren und dann zu fühlen, was braucht so eine 10 - jährige in so einer Situation. Ich wette, kaum eine Therapeutin hat sich das jemals wirklich klar gemacht, was ein 10 - jähriges Kind in dieser Situation braucht und hat sich auch nicht klar gemacht, was man als Erwachsene braucht, damit man diese Bedürftigkeit verstehen und erforschen kann, dann ausdrücken kann und ganz alleine versorgen kann.

    Damit fühle ich mich immer, wenn ich mit diesen Gefühlen zu tun habe, furchtbar alleine gelassen, von allen, von TherapeutInnen, FreundInnen, auch von mir selbst, denn ich wünschte mir sehr, ich müßte nicht alles so konfrontieren, um das zu fühlen, was ich selbst brauche.

    Heute konnte ich mir schließlich helfen mit dem Hintergrund meines Nicks: ich gucke das Trauma an, gucke ihm tief in die Augen und umarme es mit aller Liebe, die mir möglich ist.

    Nun geht es mir besser. Zumindest mit mir selbst. Was die Klinik angeht, da bin ich immer weiter nur total erschüttert, dass man dafür so viel Geld ausgibt von Seiten der Krankenkassen, für so viel minderwertigen gefühllosen therapeutischen Mist. Tatsächlich kämen sie wesentlich billiger, wenn sie mir ein Wellnesshotel mit Vollpension und täglich eine gute Therapiestunde zahlen würden.



    Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    ich kann das, was Du über das Erlebnis des Alleingelassenseins schreibst, sehr gut nachvollziehen. Ich habe angeregt durch unseren Ausstausch, darüber auch mit meinem Therapeuten gesprochen, der Deine Wahrnehmung da bestätigt hat. Denn das wirklich "Dasein" und einen Menschen aufrichtig bei der Frage begleiten, was ein 10jähriges v*rgew*ltigtes Mädchen braucht, ist etwas ganz anderes, als ein erlerntes Programm "abzuspulen". So klingt das ein wenig, was Du aus der Klinik beschreibst. Und einem Menschen, der gerade die existenzielle Erschütterung eines Traumas fühlt mit "Stadt Land Fluss" oder imaginierten Blümchenwiesen abzuspeisen, hat etwas, wie die Dimension dessen vollkommen zu negieren.

    Ich hätte Dir wirklich bessere Erfahrungen gewünscht - und bin gleichzeitig berührt von der Eigenkraft, die Du im Umgang mit dieser inneren Facette entwickelt hast. Da kannst Du sehr stolz auf Dich sein - vielleicht hilft das ja, auch der inneren, sehr warmherzigen, wachen "Therapeutin" einmal Anerkennung zu geben? Von mir hast Du sie! Und ich finde den Austausch darüber auch ganz bereichernd! :danke:

    Ich habe mal überlegt, wie das in meinem Leben ist und habe gemerkt, dass ich eigentlich nur meine Freundinnen als Menschen erlebt habe, die wirklich "hören", "mittragen" und "standhalten" können.

    Auch die, mit der ich gerade soviel Kummer habe, der ich da aber sehr viel zu verdanken habe. Das erlebe ich doch als großes Glück - oft ist die Begegnung meiner Freundinnen mit meiner Geschichte gefiltert durch meine Texte, aber interessanterweise erlebe ich da etwas, was ich bisher bei Therapeuten noch nie erlebt habe. Obwohl sich mein jetziger ganz gut macht - aber er hat auch ein extrem schweres "Erbe" angetreten.

    Gerade habe ich mich gefragt, wie die Entwicklungen für Dich mit den Patienten sind. Mir hilft es ja immer, wenn ich "eine verwandte Seele" finde. Und wie sind Deine Entscheidungen mit der Kunsttherapie?

    Ganz liebe Grüße und einen wärmenden blauen Seelenmantel!

    :liebes: Keyla
    blaueartemis
    Liebe Keyla, liebe Alle,

    ich habe Tränen von Berührung in den Augen wegen dem seidenen blauen Seelenmantel. Und deine Anerkennung für die Therapeutin in mir tut mir sehr gut. Vielen Dank für diesen liebevollen und stützenden Post. Es tut mir auch so gut, dass ich mich von dir akzeptiert fühle mit allem, wie ich mich fühle und auch gewertschätzt mit allem und so gut verstanden.

    Ja, ich finde, dass ich es sehr gut mache und dass ich eine sehr wichtige Fähigkeit für mich selbst - aber auch schon immer in meinem Beruf - entwickelt habe. Ich spüre eine enorm große Gefühlsabwehr überall, auch im gesamten Therapiesektor für so schwer Traumatisierte Kinder.

    Ich glaube, diese Fähigkeit habe ich vor allem der Arbeit im Notruf zu verdanken, wo wir als Kolleginnen einander immer ganz bedingungslos zugehört haben und es eine tiefe menschliche Solidarität gab auf der Ebene, wo wir gemeinsam *pf*r waren - es waren aber nicht alle Kolleginnen betroffene. Dadurch war die Gefühlsabwehr wesentlich geringer, als überall anders - zumindest was die Traumata anging. Alle unsere Therapiekonzepte entstanden dadurch, dass wir versuchten, die Gefühle zu verstehen und zu "erfühlen", was braucht man, um mit diesen Gefühlen überhaupt leben zu können - und es war vor allem das mutige Begleiten, Verstehen, Mitfühlen von anderen.

    Ja, es tut mir wirklich gut, dass du das siehst, dass du mich siehst. Ich hatte einen Ausbilder, bei dem habe ich mich auch verstanden und gesehen und gefördert gefühlt. Ansonsten mußte ich den Lehranalytiker z. B. an die Hand nehmen und ihm genau sagen, was ich brauchte- ich war glaube ich seine erste Analysandin mit diesem Thema.

    Bei den Mitpatientinnen habe ich eine verwandte Seele gefunden, eine, die ich netter finde als alle anderen. Es ist so ein Klima unter den MitpatientInnen von "Vordrängeln", Ellenbogen - wer am lautesten redet, dem wird zugehört. So bin ich nicht. Deshalb werde ich bei Gesprächen meistens zugetextet, wenn überhaupt. Und diese mitpatientin ist die erste, die mich auch mal etwas zurückfragt und auch tatsächlich mitfühlend zuhören kann. Aber wir dürfen ja auch unter den PatientInnen nicht über Gefühle, Probleme und Trauma reden.......

    Bei der Kunsttherapie werde ich nicht mitmachen, egal wie, so ist der heutige stand.

    Um deine Freundinnen beneide ich dich etwas. Ich habe genau eine Freundin - aber immerhin - der ich etwas erzählen kann auch davon, wie es ist, mit dem Trauma zu leben. eine andere hat immer so getan, als sei es in ordnung, hat mir dann aber offenbart, dass sie das nicht wollte und dass sie mir gegenüber therapeutischen Langmut entwickelt habe, mit dem sie mir immer zugehört hat. Das hat mich sehr verletzt.

    Überhaupt finde ich es sehr schwer im Moment mit meinen sozialen Kontakten. ich war ein sehr beliebter mensch mit einem riesigen Freundeskreis, aber im Moment und schon länger machen ganz viele Menschen einen riesigen Bogen um mich. wenn man schlecht drauf ist, dann ist man eben nicht so anziehend und ich kann nicht gut draufsein spielen. Und ich weiß auch, dass meine Fähigkeiten zu sozialen Kontakten sehr abgenommen hat, weil ich so viel innere Einsiedelei brauche, um mich selbst zu verstehen und zu begleiten. manchmal habe ich gar keine kraft zu Kontakten, und das ist auch hier oftmals so. Ich bin auch tendenziell mißtrauisch und "berührung" tut mir leicht weh. Im Moment behaupte ich, dass ich Migräne habe und laufe immer mit Sonnenbrille herum. Das gibt mir etwas Schutz vor unachtsamer Berührung und schützt auch das Kind in mir, das nicht blöd angeguckt werden will.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
    Blaue Artemis
    pooh
    Liebe Blaue Artemis!

    Das mit der Sonnenbrille finde ich eine gute Idee. Das verleiht dir wenigstens ein bisschen Schutz. Und Schutz ist in so einer Situation immer sehr wichtig, weil man so offen und so verletzlich ist. Auf Therapieseminaren, wo es mir oft sehr schlecht gegangen ist, die anderen aber eher oberflächlich an sich gearbeitet haben, war ich auch immer sehr alleine. Und ich habe dann immer eine Decke aus dem Zimmer mit gehabt im Seminarraum und mich darin eingehüllt, auch um Schutz zu bekommen.

    Ich finde es halt immer schlimm, dass man sich in solchen Situationen immer selbst helfen muss. Natürlich macht einen das reifer und man lernt besser mit sich umzugehen. Aber warum muss es immer der schwere Weg sein?

    Ich kenne das auch, dass sich niemand in das traumatisierte Kind hinein versetzt. Ich denke, das traut sich keiner, weil sich dann vielleicht Abgründe bei ihnen auftun würden, denen sie nicht gewachsen fühlen. Oder vielleicht wäre es auch gar nicht so schlimm und sie sind einfach feig. Das ist halt der Vorteil, wenn man nicht betroffen ist, man kann sich einfach aussuchen, wie weit man sich auf sowas Schreckliches einlassen will. Wir haben diese Wahl leider nicht.
    Du kommst sicher sehr weiter auf deinem Weg in der Klinik. Aber das ist alles ausnahmslos DEIN Verdienst. Die Klinik bietet dir nur die schreckliche, triggernde Umgebung dazu.
    Du bist eine Kämpferin und ich wünsche dir, dass du nach der Klinik für einige Zeit mal zur Ruhe kommen kannst.

    Alles Liebe, Pooh
    seelenfrieden
    Liebe Blaueartemis,

    was für eine traurige Entwicklung - wie sehr hätte ich Dir gute, wache und einfühlsame Therapeutinnen und einen schützenden Ort gewünscht, an dem Du Dich mit allem, was dazu gehört, Deiner Geschichte hättest stellen können. Und nun das - ich habe ähnliche Erfahrung in Kliniken gemacht und ich glaube, es ist genauso, wie Du schreibst: Keiner macht sich die Mühe (und es ist eine große Mühe), ein 10jähriges Mädchen in der v*rg*w*lt*gten Situation zu verstehen und zu erspüren, was es jetzt braucht, um am Leben zu bleiben. Das ist die ganze traurige Wahrheit und dieser therapeutische Ansatz von Reddemann @Co kann nur greifen, wenn dies als Grundhaltung vorhanden ist. Was aber passiert, ist das Therapeuten sich selber schützen vor den heftigen Erschütterungen, die die Patientinnen in ihnen auslösen könnten und einfach "verbieten", über alles zu reden. Und das ist, so empfinde ich es auch, eine Form von Gew*lt, die ganz böse retraumatisierend wirkt. Es wundert mich nicht, daß Du davon schwach wirst und Dich auch körperlich schlecht fühlst. Und ich hoffe und wünsche Dir, daß Du den Punkt erspürst, wo die Schädigung zu groß ist und der Nutzen des nicht zuhause seins nicht mehr dagegenhalten kann.
    Ich erlebe Dich allerdings in Deinem Denken und Fühlen sehr klar und sehr kraftvoll und erinnere mich noch mal an Deinen "Kraftlos-Thread", den Du ja genutzt hast, um ordentlich Kraft zu schöpfen. Die Du jetzt sehr gut für DIch nutzt und für das Kind in Dir, dem Du eine so wache und einfühlsame Therapeutin bist, wie ich sie Dir mal im Außen gewünscht hätte. Nun mußt Du alle Arbeit alleine tun, das stärkt und schwächt zugleich und es ist in meinen Augen wichtig, daß Du im Auge behältst, wieviel Schwächung Dir zum Erstarken guttut und wann es wirklich schädigenden Charakter annimmt.
    Ich denke viel an Dich und schicke Dir KRaft und Trost!
    Seelenfrieden
    hella
    Liebe Blaue Artemis,

    was für eine traurige Entwicklung, da stimme ich Seelenfrieden absolut zu. :(

    Ich habe die letzten Tage nichts geschrieben, weil die Zeit und die Kraft gut eingeteilt werden mussten, aber immer gelesen. Und bei all dem, was Du geschrieben hast, ist mir immer mehr aufgefallen, wie reflektiert, wie erwachsen und wie gesund Du die derzeitige Situation siehst. Und zum Glück auch entsprechend handelst. Das mit der Sonnenbrille z.B. ist doch super! :)

    Ich sehe Dich auch als eine Person, die eigentlich was ganz anderes braucht als das, was die Klinik zu bieten hat. Und ich sehe natürlich auch den Grundkonflikt, der dahinter steht. Sich in aller Klarheit dem zu stellen, was Menschen wie uns passiert ist, erfordert eine Menge Selbstvertrauen und Kraft. Viele Therapeuten haben das leider nicht. Das fände ich per se auch gar nicht so schlimm, wenn die gleichen Menschen nicht immer behaupten würden, dass sie es können.....
    Ich finde es gut, dass Du Dich nicht beirren lässt, wenn Du sagst, dass das Schweigegebot für Dich nicht hilfreich ist. Mir könnte der Hut hochgehen, wenn ich da länger drüber nachdenke. :mad:

    Ich wünsche Dir auch sehr, dass Du den Punkt erspürst, sollte der jetzige Aufenthalt eher schädigend, denn hilfreich wirken. Was für mich allerdings immer durchscheint ist eine Zuversicht, dass Du jetzt gerade eine Menge lernst von dem, was im Leben hilfreich sein wird. Auch wenn Du eigentlich zu was Anderem in die Klinik gegangen bist. Aber Du bist zu Hause gut eingebunden, vielleicht hat das da dann Platz.


    Viele gute Einfälle für die jetzige Situation wünscht Dir
    Hella :winken:
    blaueartemis
    Liebe Pooh,

    vielen dank, dass du mir so ermutigend geschrieben hast, Pooh. Das mit der Sonnenbrille ist wirklich gut. Ich experimentiere damit, setze sie manchmal ab, und dann wieder auf, je nach Gefühl. ich fühle es so, dass ich im Moment sehr nach innen schaue, und manchmal sind Blicke von Außen ein übergriff auf so schwierige Gefühle von so viel Schwäche, Verwundung und Roh - ei - igkeit. Deine Ermutigung stärkt mich da.

    danke für deine stärkenden und anteilnehmenden Worte,

    liebe Seelenfrieden.
    Ihc bin froh, dass du verstehst, was ich meine, wenn ich von den Gefühlen des 10 jährigen Mädchens schreibe. Und ich bin auch so froh, dass du mit mir auf diese Reddemannstory guckst und auf die Abwehr der TherapeutInnen. Es stärkt mich, zu lesen, dass es auch andere gibt mit dieser Kritik. Schade wegen der Anonymität - sonst würde ich jetzt mal einen Kongress zu Reddemannergänzungen einladen.

    Liebe Hella,

    wow, tut das gut, wieviel Gesundes du in mir siehst. Ich fühle auch so viel Gesundes in mir, aber hier kommt es mir manchmal krank vor. letzte Woche war ich da sogar wieder bei Autoaggression angelangt, weil ich mich so verkehrt fühlte.

    Liebe Alle,

    mit Euch allen schaffe ich tatsächlich, hier etwas Gutes aus dem Aufenthalt zu machen. meiner Therapeutin habe ich heute gesagt, dass ich nicht mehr in die kreativtherapie gehe. Sie hat mich sofort ganz entschieden gestoppt und versucht, das abzuwürgen. Puh, was kam mir eine Kraft! ich sagte, dass ich es als entwürdigend erleben würde und da sicher nicht mehr hingehen würde. Sie fragte, was ich als entwürdigend erlebte, und ich sagte, dass man nicht über Gefühle sprechen darf. Sie tat so, als sei das meine Interpretation der Kliniksituation, die ich aufgrund meiner Lebensgeschichte treffen würde.

    Ich sagte ihr die Beispiele, wo das gesagt wurde, u. a. vom Oberarzt ausdrücklich "in den Stabilisierungsgruppen wird NICHT über Probleme, Gefühle und Trauma gesprochen". Da sagte sie, der OA hätte das aber nicht so GEMEINT. wie blind muß man als Psychologin sein, wenn man das als "Versehen" darstellt????

    Ich sagte ihr also diese Beispiele und sagte dann, dass ich nicht weiter mit ihr über diese Rahmenbedingungen sprechen wollte sondern über meine Themen, die ich mitgebracht hätte. Sie versuchte es noch einmal, Druck zu machen, ich müsse dahin gehen und ich müsse mich mit dem abfinden, was es da gibt in der Klinik. Ich sagte, ich würde mich nicht damit abfinden, würde auch sicher nicht dahin gehen und die Alternative wäre, dass ich abreise. Sie hat dann verstanden, dass sie nichts ausrichten kann und hat es akzeptiert und mir sogar in Aussicht gestellt, dass ich mit der anderen kreativtherapeutin Einzelgespräche machen könnte. Mal sehen. So, wie ich die Eigenheit der Klinik, in Machtkamfe zu gehen, wenn es Feedback gibt, einschätze, kann ich mir vortsellen, dass ich morgen zur Abeilungsärztin vorgeladen werde, damit sie über mich Tribunal sitzt.

    Zu meinem Traumaumgang am Wochenende, von dem ich Euch geschrieben habe, hat sie extrem beeindruckt reagiert. Sie meinte, ich würde sie arbeitslos machen. Naja. Mir geht es ja nicht gut, sonst wäre ich ja nicht hier. Ich hoffe, dass sie das sieht und auch versteht, was ich brauche und mich darin unterstützen kann.

    ich hatte den Eindruck, sie kommt ins Schlingern mit ihrem Konzept, weil sie die konsequente Weiterentwicklung mit diesem Konzept noch gar nicht kennt, also noch keine Patientinnen hatte, die damit an diesem Punkt gekommen sind, wo ich bin- dem Trauma ins Auge zu gucken, es zu umarmen, das Kind anzugucken und zu umarmen und zu versorgen und das Ganze zu betrauern.

    Seufz. Ich bin nach wie vor so froh, Euch zu schreiben und Euch zu erleben hier am Bildschirm. Das stärkt und stützt mich und lindert so sehr mein Gefühl des Alleinesein. vielen Dank euch allen.

    Liebe Grüße von
    Blaue Artemis
    pooh
    Liebe Blaue Artemis!

    Da hat sie wohl Recht, die Frau Psychologin, dass du sie arbeitslos machst. Denn du bist viel kompetenter als sie. Das spricht sehr für dich und nicht gerade für sie.

    Toll deine Konsequenz und wie du dich für dich einsetzt! So soll es sein!
    Wie blind sind die dort eingentlich?
    Und das finde ich ja immer das Schlimmste, wenn einem dann unterstellt wird, das sei nur die eigene, durch das Trauma gefärbte Wahrnehmung. Das ist eine Frechheit! Gut, dass du bei deinem Standpunkt bleiben konntest.

    Weiter so, weiter so, weiter so!

    Alles Liebe, Pooh
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    vieles an dem, was Du schreibst, klingt für mich so vertraut - seltsamerweise machen einem gerade ja die schlechten Therapien oft die Stärken in der "Selbstloyalität" bewußt. Nicht desto trotz bleiben sie dadurch, was sie sind: schlechte Therapien.

    Und da lese ich das was Du schreibst auch mit mindestens einem weinenden Auge, auch mit ein bißchen Entsetzen, dass dort Deine Wahrnehmung patologisiert wird. Ich bin damals aus Grönenbach weggegangen und habe meine Fähigkeit, meiner Wahrnehmung zu vertrauen fast vollkommen eingebüßt - genau aus so Situationen, wie Du sie jetzt beschreibst. Und das innnerhalb einer Traumatherapie zu machen, wo es ja gerade darum geht, wieder Zugang und Vertrauen zur eigenen Wahrnehmung aufzubauen, ist m.E. ein grober Therapiefehler.

    Was ich sehr gut finde, ist, dass Du hier regelmäßig schreibst - für mich hat das Schreiben hier auch immer ein bißchen damit zu tun, meinen eigenen Therapieprozess "öffentlich" zu reflektieren, ihn aus dem z.T. ja gefährlichen geschlossenen Raum der Therapiebeziehungen oder in deinem Fall der institutionellen Macht rauszuholen.

    Manchmal ist das Bestärkung, manchmal Wahrnehmungskorrektiv, aber ich erlebe das auch so, dass ich mir dadurch meiner Wahrnehmung viel sicherer werde, auch vieles besser und klarer innerlich "sortieren" kann. Da kann ich mir gut vorstellen, dass Dich das stärkt - das ist auch sehr schön zu lesen :liebes:

    Ich wünsche Dir aber auch von ganzem Herzen - ähnlich wie die anderen - dass Du spürst, wann das Bleiben schädigender ist als das Gehen.

    Alles Liebe!

    Keyla
    blaueartemis
    Liebe Pooh,

    du bist so wunderbar solidarisch mit mir und dem, was ich hier tue. Und dass du es eine Frechheit nennst, macht mich auch ein bisschen vergnügt. Das stärkt meine Position hier. Ich bin innerlich dahin gekommen, zu spüren, da ist natürlich etwas dran, dass es auf meine Lebensgeschichte fällt, was mir da begegnet, und dagegen wehre ich mich gar nicht. Ich nehme mir aber trotzdem heraus, das, was da geschieht, zu benennen und den Finger in die Wunde zu legen. Meine Stärke und Haltung, dass ich diese Kritik übe, wächst. Das merke ich.

    Liebe Keyla,

    ja, ich verstehe dein mindestns eines weinendes Auge. Ich habe auch schon geweint. Wegen allem - wegen dem, an was es rührt aus der Kindheit und auch wegen der Blindheit und Borniertheit und institutionellen Macht, die aus meiner Sicht von ihnen nicht kritisch reflektiert wird. Im Moment bin ich "oben", sprich, ich bin gewachsen an dem Prozess, auch mit der Klinik, aber ich bin mir auch bewußt, dass man mich wieder "runter" kriegen kann, denn ich bin ja hier alleine und habe keine Rückendeckung in der Klinik. Aber ich habe Euch hier und bin immer weiter jeden Tag froh, wenn ich hier lese, dass Ihr da seid.

    Und du hast sehr recht, dass hier die Wahrnehmung gestärkt anstatt pathologisiert werden sollte. Nur mit mir kann man das nicht mehr machen, das merke ich. ich bin zu Klarheit fähig, was meines und was der Anteil der Klinik ist. Natürlich ist eine KLinik nicht bereit, sich von einer Patientin sagen zu lassen, ihr Arbeiten sei entwürdigend, aber ich habe es dennoch gemacht, und das tut mir gut. irgendwie ging es gestern nicht mehr anders, als es klar auszusprechen, was mich stört - kopfschmerzen vortäuschen war plötzlich indiskutabel.

    Ich bin mir sicher, dass ich nicht so hier zurückkomme, wie du von Grönenbach. ich bin mir sicher, dass ich den Punkt merke, wo ich gehen werde. Denn ich habe es deutlich am Wochenende gefühlt, dass etwas schädigend ist für mich und wenn ich es nicht mehr abstellen kann, gehe ich. Ich habe eher so ein Gefühl, es ist egal, was ich mache, keines ist optimal. Zu bleiben ist nicht das, was ich brauche, aber zu gehen auch nic

    Liebe Alle,

    mir geht es wesentlich besesr, als letzte Woche, nachdem ich gestern Klartext geredet habe in der Einzeltherapie und nachdem ich auch einen wichtigen inneren Prozess hinter mir habe, der mit dem Trauma zu tun hat. Dabei war ich nur leider ganz alleine - was man in einer Klinik nicht denken sollte. Zum Glück ging das und kann ich das. Irgendwie habe ihc mir einen Platz hier erobert, der zwar nicht sicher ist, aber wo ich nicht mehr die "irgendeine-von-tausenden-Trauma-Patientinnen-die wir-in-Schach-halten-müssen" bin. Das gibt mir erst mal ein gutes Gefühl.

    Gestern und heute war ich schwimmen, und ich genieße den "Luxus", vom Bett in den Badeanzug zu steigen und gleich ins Schwimmbad zu gehen. jetzt habe ich auch wieder etwas Kraft für solche weniger anstrengenden Dinge.

    Sorry, an der STelle war mein Geld zu Ende und ich mußte zur Massage. So kommen erst jetzt die

    vielen Grüße von
    Blaue Artemis
    pooh
    Liebe Blaue Artemis!

    Ich bin gern solidarisch mit dir! Denn erstens weiß ich, wie wichtig das ist in so einer Situation und zweitens fällt es mir gar nicht schwer. Das geht für mich ohne Kämpfen. :)

    Es stimmt schon, dass solche Situationen und unsere Reaktion darauf auch oft was mit unserer Geschichte zu tun haben. Denn die Außenwelt spiegelt ja immer etwas von unseren Erfahrungen wider. Aber das darf kein Grund sein, um einem die Schuld oder die Verantwortung für eine Situation zuzuschieben, in der andere etwas eindeutig falsch machen.

    Das verstehe ich, dass das Schwimmen ein Luxus für dich ist. Mir tut es immer gut, so durchs Wasser zu gleiten. Wasser hat etwas sehr Beruhigendes, finde ich.

    Alles Liebe, Pooh
    blaueartemis
    Liebe Pooh und alle,

    ja, das Wasser beruhigt und es trägt mich etwas. Wenn ich aussteige aus dem Wasser fühle ich mich immer so schwer.

    So, wie es nicht kommen sollte - wie du schreibst - ist es gekommen heute und außerdem hat sich meine Befürchtung von gestern bewahrheitet: ich fand heute eine "Vorladung" vom Oberarzt zu einem Gespräch. Ich habe sofort erwartet, dass ich noch mehr gedeckelt und klein gemacht werden soll und habe große Angst gehabt - natürlich hat sich das gemischt mit Kindheitsangst. Ich kann mir selbst wirklich sehr trauen, denn ich habe die Reaktionen der Institution vorausgesehen.

    Es war dann letztlich ein sehr warmherziges Gespräch mit dem Arzt, bis auf die Tatsache, dass er die Worte, die ich wiederholte, die er zu Anfang gesagt hatte - "es wird nicht über Gefühle, Probleme und Traume gesprochen" - abstritt: "das habe ich nicht gesagt".

    Ich konnte zwar nicht sagen "interessant, dass sie das jetzt abstreiten", aber ich dachte, dass ich verstehen kann, dass er es tut. Es hat nicht in mir das Gefühl gemacht, meine Wahrnehmung stimmt nicht, sondern er stimmt nicht. Ach, es ist ermüdend, und ich will nicht darum kämpfen, recht zu behalten. hauptsache, ich weiß für mich sicher, dass es so war und dass er lieber mir meine Wahrnehmung ausredet, als dass er zugibt, was er für einen Fehltritt gemacht hat. Schwer, solchen Menschen zu vertrauen. Aber ich sehe, dass es nichts nützt, in einen ehrlichen Dialog zu gehen - zumindest nützt es aber etwas, selbst aufrichtig zu sein, denn es stärkt mich darin, zu mir selbst zu stehen.

    Tatsächlich wird mir aber an allem noch mal sehr deutlich, wo meine Themen liegen und ich ´kann damit umgehen, bin selbständig genug im Arbeiten daran, dass ich diese fragwürdigen TherapeutInnen nur wenig brauche - aber das, was sie mir geben können, nehme ich.

    Der OA bat mich den Konflikt mit der Kreativtherapeutin zu versuchen, zu klären. wenn es nicht geht, bekomme ich dann nächste Woche eine neue Kreativtherapeutin. Mal sehen, was dann tatsächlich daraus wird.

    Liebe Grüße von
    Blaue Artemis
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    jetzt bin ich völlig platt von meinen Nachmittagsterminen und platsche durch die Abendsuppe. Aber ich wollte Dir zumindest dalassen, dass ich Dich gelesen habe und meine Seelenöhrchen weiter offen sind :listen:

    Und ich Dir viel Wärme, Kraft und ein blaues, seidenes Ruhekissen (passend zum Mantel) schicke.

    :herz: Keyla
    blaueartemis
    Liebe Keyla und alle,

    dein Kissen, Wärme und Kraft kommen wohltuend hier an. Danke!

    Gestern hatte ich eine herausragende Musiktherapiestunde, die mir super gut getan hat und mich entschädigt für vieles hier. Dieser Therapeut ist interessanterweise ein "externer", der offenbar nur für die stunden mit meiner Station hier ist, also nicht so direkt zur Institution zu gehören scheint.

    Ich fühle mich sehr müde und sehr angespannt. Das Kontrollieren und Deckeln hier hat den Effekt, dass ich mich mit den schwierigen Gefühlen völlig alleingelassen fühle und insgesamt total unterfordert und dadurch überfordert fühle. Es macht in mir ein Kontrollieren, wo ist überhaupt der Boden, wo ich die Gefühle zulassen kann.

    Mein Forschergeist ist bei dem allen mit dabei und untersucht, was nicht stimmt. Ich wachse, was sozusagen eine Art homöopathische Psychotherapie" ist: Gleiches mit Gleichem heilen. :D Z. B. ist allen hier klar, dass es eine große Vertrauensproblematik als Traumafolge bei jedem Patienten gibt. Es wird dem mit Bedingungen begegnet, die kein Vertrauen schaffen. damit werden die Selbstheilungskräfte aktiviert.

    Tatsächlich wird mein Vertrauen enttäuscht und ich spüre noch mehr, dass ich mich nur auf mich selbst verlassen kann. ich bin nur total froh, dass ich so einen Glücksgriff bei meiner Heimattherapeutin hatte. Denn bei ihr fühle ich sehr viel Vertrauen, fühle ihre uneingeschränkte WErtschätzung und ihr Vertrauen in mich, dass ich wieder auf die Beine komme.

    Bie den Mitpatienten ist ein sehr netter Mann - auf eine Art. Er hatte einen Schweren Autounfall vor 10 Jahren, weswegen er hier ist. Er ist Kommunikationstrainer, macht Supervision für Poizisten nach traumatisierenden Einsätzen und wir können ein bisschen fachsimpeln und zum Glück auch konnte ich ihm ein paar Dinge von mir sagen. Das war sehr schön und halft mir, mich hier angekommen zu fühlen.

    Er hat mir etwas sehr wichtiges erzählt: als er den Unfall hatte und aus dem 6 - Wochen - Koma aufwachte, haben alle - Familie, Eltern, KollegInnen - versichtert: du hast ein Trauma und wir sind alle für dich da, dir damit zu helfen, damit fertig zu werden. Mich hat das sehr berührt, weil das gezeigt hat, was möglich wäre, wenn es das für mich gäbe, also in meiner Herkunftsfamilie und auch sonst in meiner Umgebung.

    Hier im Forum spüre ich so eine solidarität und das finde ich so etwas Wertvolles, das mir ganz ganz gut tut! Ich möchte das so gerne ins Leben der tatsächlcihen Begegnungen tragen und wünsche mir so sehr eine Gemeinschaft, in der das möglich wäre.

    Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    engeline
    Liebe BlaueArtemis,

    obwohl ich zur Zeit immer nur kurz hier bin, habe ich eben die Zeit gefunden, diesen ganzen Thread einmal zu überfliegen :lesen: , um zu schauen, wie es Dir so ergeht. Diese Klinik hatte ich mir auch schon mal rausgesucht für den Fall der Fälle und ich finde es schade, zu sehen, wie standardisiert und lieblos hier mit Menschen umgegangen wird. Es wäre ehrlicher, Hotel und Therapiestunden zu bezahlen und billiger wäre es vermutlich tatsächlich auch. Wie desillusionierend! :ueberleg: :nono: :besorgt:

    Ich bin froh, dass Du wenigstens ein paar nettere Mitpatienten gefunden hast. Ich vermute auch, dass Du - wie immer und aus allem - auch aus diesen Erfahrungen wieder lernst und Dich hochrappelst. :kraft:

    Aber: warum nur muss das immer auf so mühsame Art sein? :stampf:

    Engeline
    blaueartemis
    Liebe Engeline und alle,

    danke für dein Vertrauen in meine Kraft und Fähigkeit!

    Ja, es gibt eine sehr lieblose Seite hier, wie mit PatientInnen umgegangen wird. Warum es so anstrengend sein muß? Ihc glaube, es ist sehr wichtig, diese Erfahrung zu machen, weil sie ja nur ein Spiegel dieser Kultur ist, und mir werden viele Defizite und ihre Ursachen sehr deutich. Und es ist auch eine gute Erfahrung, mich mit so viel Kraft zu fühlen und zu merken, wie ich Raum für mich selbst in dieser verkrusteten Institution installieren kann.

    Darüber hinaus muß ich sagen, dass es hier sehr viele PatientInnen gibt, die die Klinik sehr viel mehr wertschätzen als ich und die sogar sagen, sie finden es gut, nicht über Gefühle reden zu müssen....

    Viele Grüße
    Blaue Artemis
    pooh
    Liebe Blaue Artemis!

    Was finden denn die Patienten so gut, die sich in der Klinik wohl fühlen?

    Es stimmt, dass das ein Spiegel der Kultur ist. Aber das ist auch furchtbar, weil es immer schrecklich ist, diese Erfahrung zu machen, dass mit Traumata so umgegangen wird. Und außerdem finde ich es auch sehr schade, dass eine Klinik, die stationäre Therapie für Traumatisierte anbietet, ein Spiegel der "normalen" Gesellschaft ist. Sollte es nicht möglich sein, in einer Klinik damit anders umzugehen? Denn für die Verarbeitung gewisser Themen braucht es einfach einen geschützten Raum, den diese Klinik anscheinend nicht geben kann.
    Ich kann mir vorstellen, dass Viele daran auch verzweifeln, wenn ihnen mal wieder nicht richtig geholfen wird. Und gerade bei MB-Erfahrungen finde ich es besonders wichtig, dass man Menschen hat, die sehr wertschätzend mit einem umgehen und das Erlebte aushalten und ein Stück weit mit tragen können. Findest du nicht?

    Gott sei Dank hast du für dich trotz allem einen Weg gefunden, aus dieser Erfahrung etwas für dich mit zu nehmen. Ich wünsche dir aber trotzdem, dass du in der Klinik noch auf mehr Wertschätzung und gesehen Werden stößt.

    Liebe Grüße, Pooh
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    jetzt hast Du zwei Tage nichts geschrieben und ich habe mich gefragt, wie es Dir wohl gerade gehen mag?

    Die Zeit dort ist ja gar nicht mehr so lang, wie ich aus Deiner Antwort auf die PM lesen konnte.

    Liebe Grüße von Keyla, die weiter an Dich denkt!
    blaueartemis
    Liebe Pooh,

    manche PatientInnen sagen, sie finden es gut, nicht über das Trauma zu sprechen. sie " glauben" ganz fest daran, dass das mit der Imagination wirksam ist. Und ich glaube, viel PatientInnen finden es gut, in ihrem Dissoziieren bestärkt zu werden und die Gefühle zu verdrängen und dafür "belohnt" zu werden, nicht zu fühlen. Ich glaube, dass die Unerfahrenheit sehr dazu beiträgt, es gut zu finden hier. Und es sagen aber auch PatientInnen, dass sie zu sich selbst gefunden haben - wie das ohne Fühlen gehen soll, ist mir allerdings ein Rätsel, aber es geht offenbar auch.

    Was ich selber gut finde, ist, dass es hier außerhalb der sog. Psychotherapie ein wirklich gutes und umfangreiches Angebot an Sport, Meditation usw. gibt. Das nutze ich mit Begeisterung. mittlerweile habe ich mit meiner Bezugstherapeutin eine bessere Beziehung hingekriegt. Ich fühle mich nun mehr gesehen und gewertschätzt, wenigstens von ihr. Und ich kann wenigstens ein wichtiges Thema gut bearbeiten, so sieht es im Moment zumindest für mich aus.

    Insgesamt empfinde ich viele retraumatisierende faktoren im Prozess hier, die ich alle benennen kann und von denen ich mich inzwischen auch etwas distanzieren kann, weil ich mich damit abgefunden habe. Ich finde es nach wie vor total erschreckend, wie viel STress sie sich "erlauben", den PatientInnen hier zu machen und zuzumuten, was L.R. ausdrücklich benennt, was nicht gemacht werden darf.

    Also mit anderen Worten, ich habe mich mit Mißständen abgefunden, habe mich arrangiert fürs erste, habe massenhaft Abstriche gemacht und mich auf mich selbst besonnen. Ich erhole mich, trotz allem, auch wenn ich es mir schöner vorstellen könnte und auch wenn der Weg dahin erst mal furchtbar anstrengend war.

    Liebe Keyla,

    mir geht es wesentlich besser´, seit ich mit der Bezugstherapeutin Tacheles geredet habe und klar und deutlich gesagt habe, was ich möchte und brauche. Mein Ausbilder hat mir eine Mail geschrieben und mich ermutigt, hier so viel von mir zu zeigen, dass die TherapeutInnen ans Arbeiten kommen, und das habe ich gemacht.

    Ich bin hier zum ersten Mal auf die Idee gekommen, die "Compliance" der TherapeutInnen anzuzweifeln und einzufordern - auch wenn ich ihnen gegenüber nicht so ausgedrückt habe. Sie kooperiert jetzt wesentlich mehr mit mir und bezieht sich auch mehr auf MICH. Anfangs hat sie versucht, mich über verschiedene therapieverfahren zu "belehren", jetzt ist es offenbar LANGSAM, nach 4 Wochen, bei ihr angekommen, dass ich Kollegin bin. so wird es zumindest zwischen uns ruhiger und kooperativer.

    Viele Grüße
    Blaue Artemis
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    als ich Deine Antwort las, mußte ich daran denken, wie schwer es vielen Therapeuten fällt, die Kompetenz des anderen anzuerkennen. Da geht es um eigene Kränkbarkeit, aber auch darum, ein Verhältnis zu etablieren, wo einer am "Ort des Wissens" ist und der andere am Ort des Unwissens. Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass viele es nicht aushalten können, dass man eigentlich immer gemeinsam "im namenlosen forscht" und da so etwas wie eine Forschungsgemeinschaft ist. Und auch damit, dass die Stärke in der Schwäche - d.h. das gleichzeitige Vorhandensein von Verwundung, Kraft und Kompetenz - oft nur schlecht ausgehalten werden kann.

    Gut, das Du sie so mutig damit konfrontierst. Und traurig, dass du das tun must.

    Liebe Grüße!

    Keyla
    pooh
    Liebe Blaue Artemis!

    Aus dem, was du hier schreibst,kann ich immer jede Menge lernen und ich lese dich mit großem Interesse. Danke erstmal dafür!
    Kannst du sagen, wie du das machst, dass du so gut mit den retraumatisierenden Faktoren umgehen kannst? Denn sie zu erkennen und zu benennen, ist schon mal eine große Leistung, und wenn man es dann auch noch schafft, sich davon zu distanzieren, das finde ich großartig. Vielleicht kannst du uns ja hier ein bisschen an deiner Weisheit teilhaben lassen.

    Den Gedanken mit der Compliance der Therapeuten finde ich sehr spannend. Ich habe mich noch nie getraut,das so zu sehen, aber oft trifft das genau den Punkt.
    Was ich mir vorstellen kann, ist, dass es den Therapeuten erstmal große Angst macht, wenn sie mit so jemandem Kompetenten zu tun haben. Und dann hängt es wahrscheinlich davon ab, wie sie mit dieser Angst umgehen. Ob sie es als Herausforderung sehen und auch als Möglichkeit für sie, etwas dazu zu lernen oder ob sie die Angst verdrängen und dann alles Mögliche bei dir abladen.
    Was ich mir auch vorstellen kann, ist dass du an ihrem Berufsbild rüttelst. An der Vorstellung, der Therapeut hat das Wissen und der Patient kommt, um sich das Leben erklären lassen. Auf einer Augenhöhe zu sein, ist da ganz was anderes und vielleicht tun sie sich damit schwer, weil sie nicht wissen, welche Rolle sie dann zu erfüllen haben.
    Aber verstehe mich bitte nicht falsch, nichts davon entschuldigt ihr Verhalten, denn es ist ihre Aufgabe, auch mit solchen Situationen umgehen zu können oder es zumindestens zu lernen.

    Nochmal: Toll machst du das!!!

    Alles Liebe, Pooh
    blaueartemis
    Liebe Keyala,

    danke für deine treffenden Worte. Die Verwundung und die Kraft und Kompetenz und dass das zu einer Person gehört, ja das ist für alle vermutlich schwer - auch für mich selbst. Ich integriere es immer mehr und verstehe immer mehr, dass das ALLES zu mir gehört und dass ich nicht "verkehrt" bin, wenn ich in der Verwundung nicht so geheilt bin, wie ich das nach meiner eigenen Vorstellung und meinem eigenen Berufsbild sein sollte. ich akzeptiere, dass es so ist. Dass ich so bin. Und ich arbeite ja nicht, solange ich mit der Verwundung so stark beschäftigt bin, dass ihc nur mir selbst "zuhören" kann und niemand anderem. ich habe eben einfach noch immer nicht die Kraft und Konzentration, jemandem 50 Minuten zuverlässig zuzuhören und Interventionen zu erfinden. Ob das jemals wieder so wird? Meine Heimattherapeutin ist sich sicher, ja. ich selbst bin da noch immer total verunsichert und in meinem Vertrauen in mich selbst verunsichert und habe auch immer noch so ein Gefühl "eigentlich hätte mir das alles nicht passieren dürfen".

    Liebe Pooh,

    danke für deine anerkennenden und bestätigenden Worte. Das tut wie immer so gut!

    Wie ich das mit der Retraumatisierung mache? Ich ergebe mich in das Erfordernis der Dissoziation, so weit das "nötig" ist, schlimmstenfalls. Bestenfalls kann ich auf viele Ressourcen zurückgreifen. ich hatte ja schon mal einen Zustand von "Bewältigung" und Stabilität und ich stürze meist nicht mehr so tief. Außerdem ist in mir eine Wut, die sagt, "das gebe ich euch NICHT, bloss weil ihr zu bescheuert seid". Mit der wut kann ich Grenzen hochfahren und das ganze in Protokollen, Reflexionen der Erfahrungen, eigenen Gedanken zum Manual von Reddemann und zur Anwendung ausdrücken. die Wut gibt mir Kraft. Schöner wäre es, ich könnte einfach mal entspannen und loslassen. Aber ich kann es auch genießen in gewisser Weise, dass ich dieser bitteren Realität stand halten kann und dass ich mir das nehmen kann, was ich brauchen kann und das, was mich vergiftet, ausgrenze aus dem, was ich in mich hereinlasse.

    So kann ich schlecht an der "Weisheit" teilhaben lassen, sondern kann nur sagen, dass das, was ich hier kann und tue das Ergebnis von total viel Übenübenüben ist von hunderttausenden Minischritten über die letzten 32 Jahre, seit ich beruflich und persönlich mit diesen Themen arbeite.

    Ja, das mit der Compliance der TherapeutInnen habe ich mich auch noch nie getraut, so zu sehen, wobei ich sagen muß, dass ich selbst SEHR kooperativ bin mit meinen KlientInnen und auch all das, was ich hier in der Klinik kritisiere, tue bzw. getan habe - ich kann ja im Moment nicht arbeiten.

    liebe Alle,

    Heute hatte ich eine neue Kreativtherapeutin. Mit der hatte ich eine sehr "gleichwertige" Begegnung in der Therapie. Das hat mir sehr gut getan. ich fühlte mich als Kollegin gesehen und respektiert. Auch meine Bezugstherapeutin hat mir gegenüber gestern ausdrücklich Respekt formuliert. Das hat mir auch sehr gut getan, und so gibt es eine Ebene von "Ende gut, alles gut", auf jeden Fall mal für den Moment von gestern und heute.

    Viele Grüße
    Blaue Artemis
    pooh
    Liebe Blaue Artemis!

    Ich stelle es mich sehr schwer vor für dich als Therapeutin dort in der Klinik. Hast du denn auch mit Traumatisierten gearbeitet?
    Das ist ja einerseits spannend, weil man dann auch mal die Außensicht hat, aber ich stelle es mir sehr schwer vor, dann so den Rollenwechsel zu vollziehen. Oder?
    Was mich auch interessieren würde, wie hast du es denn geschafft als selbst Betroffene mit anderen Betroffenen zu arbeiten? Zieht es da dann nicht jedes Mal wieder in deine eigene Geschichte rein?

    Ich bin zwar keine Therapeutin, aber Psychologin und ich stelle mir schon manchmal die Frage, wie ich das im Job machen werde, wenn mir Menschen mit ähnlichen Problemen begegnen. Wobei ich zum Beispiel sicher weiß, dass ich nicht mit anderen Betroffenen arbeiten möchte.

    Und halten die besseren Tage in der Klinik noch an?

    Liebe Grüße, Pooh
    blaueartemis
    Liebe Pooh,

    danke für deine interessierte Antwort.

    Ja, ich habe mit Betroffenen gearbeitet. Ein Teil meiner eigenen Betroffenheit ist überhaupt erst durch die Arbeit in meine Erinnerung gekommen. Ich habe zu der Zeit eine psychotherapeutische Ausbildung gemacht. Die wollte ich machen, weil ich den festen Wunsch aus meiner eigenen Betroffenheit heraus, mit anderen Betroffenen zu arbeiten. Ich konnte viel von dem weitergeben, was ich selbst für mich erarbeitete in der Eigentherapie. Ich war in einem ständigen Fluß von Arbeiten, an mir selbst arbeiten, lernen, entwickeln, umsetzen. Ich hatte das glück einer sehr verständnisvollen Arbeitsstelle, wo ich auch wegbleiben konnte, wenn es Phasen von inneren Prozessen gab, wo es besser war, nicht zu arbeiten, sondern mich mit aller Kraft dem Prozess zu widmen.

    Außerdem habe ich für ungefähr alles, wo ich schlecht Erfahrungen gemacht habe, Öffentlichkeitsarbeit/Sensibilisierungsarbeit gemacht und Fortbildungen konzipiert und durchgeführt für alle möglichen Berufsgruppen, die Bezugspersonen bzw. potentielle Interventionspersonen von Betroffenen Kindern und Erwachsenen sind: TherapeutInnen, ÄrztInnen, ErzieherInnen, LehrerInnen, LogopädInnen, Polizisten, richtern. Dieses umzusetzen hat mir sehr viel Kraft gegeben, sodass ich nicht stecken blieb in schwierigen Gefühlen, sondern immer sehr viel ausgedrückt habe von dem, was für mich schwierig war.

    Einmal habe ich in der Uniklinik eine Vorlesung für 200 MedizinerInnen gehalten zum Thema "S*x**ller M*ßbe**ch und ärztliches Handeln". Es war 45 Minuten so still, dass man eine Stecknadel fallen hörte. Ich stand dort in meinem innern als das betroffene Kind, das früher immer gestottert hat und sprach klar und laut und deutlich über alle Tabus, die es zu diesem Thema gibt. Für das Kind in mir war es ein Befreiungsschlag, für das Fachpublikum war ich eine Fachreferentin, die sie ernst nahmen, was man auch in der anschließenden Diskussion merkte.

    Ja, alle Arbeit zog mich auch immer wieder in meine eigenen Geschichte mit hinein. Aber da ich in einer Institution arbeitete, wo es auch Betroffene im Team gab, konnte ich das immer sofort reflektieren das Reflektierte immer sofort umsetzen, für mich und für die ARbeit. Das war in einer Zeit, in der es noch nicht soo viele Kosteneinsparungen und Rationalisierungen gab, wie heute, sodass es möglich war, das selbst Erlebte zu fachlicher Kompetenz zu machen als einen Bestandteil des Arbeitsprozesses. Dadurch war meine Arbeit sehr lebendig und authentisch, ich hatte keinerlei Berührungsangst mit Gefühlen der Klientinnen und den Erlebnissen.

    Ich finde es schrecklich schwer, auf der anderen Seite zu sitzen, also nicht mehr als Therapeutin, sondern nur noch als Patientin, der es z. t. sehr schlecht geht. Ich kann nicht mehr arbeiten, seit langem nicht mehr, ich mußte mich verabschieden von meiner Kompetenz für Arbeit. Sie ist zwar noch in mir, aber ich habe einfach überhaupt keine Kraft mehr, ich kann z. B. nicht zuverlässig jemandem 50 Minuten am Stück zuhören.

    Meine Therapeutin hier hat mir heute gesagt, dass es oft vorkommt, dass Menschen, die so schwere Traumata erlebt haben, wie ich, im Alter von 50-55 einen völligen Leistungsabbruch haben und meist auch nicht wieder bekommen. Sie hat mir Hoffnungen gemacht, dass das nächstes Jahr vielleicht wieder kommt, aber ob das so sein wird, weiß ich nicht. Ich kann auch nicht einschätzen, ob sie mir Hoffnungen macht, um mich bei der Stange zu halten und mich langsam daran zu gewöhnen, mich von meiner Zeit der Berufstätigkeit zu verabschieden.

    Es ist für mich noch gut hier. Ich habe jetzt, nachdem ich ja sehr lange gekämpft habe, mehr Therapiestunden bekommen und konnte auch einige Themen bearbeiten, die wichtig sind und bin in tiefen Prozessen. Ich habe mich mit den schlechten Bedingungen abgefunden und genieße die guten Bedingungen in vollen Zügen, freue mich aber auch sehr, dass ich eine gute therapeutin zu Hause habe.

    Vielleicht ist es gar nicht dran, dass du als Psychologin arbeitest im Moment, sondern erst mal etwas für dich tust? ich glaube, wenn ein Stück Belastetes verarbeitet ist, dann ist es viel leichter, mit Menschen zu arbeiten.

    Viele Grüße
    Blaue Artemis
    pooh
    Liebe Blaue Artemis!

    Ich antworte erst jetzt etwas verspätet, weil ich ein paar Tage sozusagen in der Versenkung verschwunden bin.

    Ich finde es sehr faszinierend, was du schreibst und es zeigt mir, wie unterschiedlich die Menschen doch sind. Mir wäre die Belastung zu groß, mit Betroffenen zu arbeiten.
    Das ist aber sehr schade, dass du denkst, dass du nicht mehr arbeiten kannst. Einerseits für dich natürlich, aber es ist auch schade, weil du so viel Kompetenz hast. Und ich halte es für eine ganz tolle Sache, wenn Menschen in einem Bereich arbeiten, wo sie selbst betroffen sind, unter der Voraussetzung dass sie dabei auch ihre Grenzen wahren können. Und gerade beim Thema MB ist es ja oft für Außenstehende so schwer zu begreifen, was in einem vorgeht. Und das Verständnis, das dir da möglch ist, ist etwas ganz Besonderes.

    Wenn du möchtest, kann es ja vielleicht einen Weg in den Beruf für dich geben. Vielleicht nicht mehr in der Form, wie du es früher gemacht hast, aber in einer für dich passenden Form und so dass es deine Kräfte nicht überbeansprucht. Meinst du nicht!

    Und wie geht es zur Zeit in der Klinik?

    Liebe Grüße, Pooh
    blaueartemis
    Liebe Pooh,

    du schreibst so liebevoll. DAs tut mir gut.

    heute bin ich aus der Klinik zurück gekommen. Ich habe es noch gut "ausgehalten" dort und mit dem, was möglich war, auch noch erholt. Mit der Abteilungsärztin hatte ich gestern noch ein GruppenGespräch, wo es darum ging, was wir mitnehmen aus der Klinik. Ich habe sie wie immer sehr Feedbackresistent erlebt. So hat sie z. B. zu meiner Kritik an der Durchführung des Reddemannkonzeptes gesagt, sie hätten sich gerade etwas distanziert von Reddemann. Und so reagiert sie auf jedes Feedback. Wenn ihre Argumentation nicht ausreicht, dann wird sie fies, vor allem kaltschnäuzig. Bäh!

    Ich habe aber mit MitpatientInnen Psychohygiene entwickelt. Die Ärztin kam immer in schwarzen weiten Lederhosen. Da haben wir in den letzten Tagen begonnen, abends, wenn wir noch zusammen saßen, ein Lied zu singen "eine Lederhose braucht keine Bügelfalte, aber Hosenträger, um sich dran fest zu halten." da haben wir immer so schön albern gelacht.

    Ich bin total froh, dort weg zu sein. Ich habe mich gut verschließen können zu dem, was mir schwierig war, konnte mich gut abgrenzen, aber das ist ja nicht der Sinn eines KLinikaufenthaltes. Mal sehen, was ich jetzt mit diesen Erfahrungen mache. Morgen habe ich Therapie bei meiner "Heimattherapeutin" und ich freue mich darauf, sie zu sehen und mit ihr über das alles zu reden.

    mit dem Arbeiten. ... Ich fühle immer noch keine Kraft dazu. Die ungereimten Erfahrungen in der KLinik haben mich noch mal sehr angepiekt, dass ich das, was ich entwickelt habe, unter die Menschen zu bringen....aber ich fühle einfach noch nicht die Kraft dafür. Und eigentlich wollte ich in Wirklichkeit etwas GANZ ANDERES arbeiten.

    Wohin bist du denn abgetaucht? Magst du davon noch mal etwas schreiben?

    Liebe Grüße
    Blaue Artemis
    keyla
    Liebe blaue Artemis,

    über das Psychohygienelied musste ich sehr lachen...ich habe mal mit meiner Cousine eine biestige Kundin, die .....rath hieß Frau .....geier getauft und sie peinlicherweise auch am Telefon mal so genannt :D :Peinlich:

    Schade, dass das nötig war. Aber schön, dass ihr das so kreativ umgesetzt habt!

    Zu dem "etwas GANZ ANDERES machen" spukt mir ja seit einiger Zeit ein Gedanke bei Dir im Kopf rum - vielleicht passt er gar nicht, aber ich schreibe ihn trotzdem mal auf:

    Meine Idee war nämlich, ob Du nicht auf der "Metaebene" - will heißen nicht direkt mit Klientinnen sondern TherapeutInnen arbeiten willst. Fortbildungen, Manuals, Balint-/ Supervisionsgruppen, Infoportal... Sehr konkret ist die Idee nicht, aber mir hat so ein inneres Vögelchen gezwitschert, dass das vielleicht interessant sein könnte. Und möglicherweise auch weniger Kraftraubend als das "tagesgeschäft" der tagtäglichen therapeutischen Arbeit...

    Wie gesagt: Vielleicht paßt es gar nicht - dann ab in die Tonne damit!

    Liebe Grüße

    Keyla
    hella
    Liebe Blaue Artemis,

    wie gut, dass Du die Psychohygiene noch umsetzen konntest. :D Ich musste gerade bei dem Gedanken daran schon sehr herzhaft lachen.

    In Sachen Arbeit: kuck doch erst mal ein paar Tage zu Hause, wie es Dir geht, welche Kraft zurückkommt, denn Du hast in der Klinik ja einiges davon verschossen zu dem Thema "sich verschliessen". Und ja, warum nicht, wie Keyla schon schrieb, auch mal kucken, ob was auf einer anderen Ebene möglich ist.

    Aber erstmal ankommen, ankommen, ankommen....

    Hella
    blaueartemis
    Liebe Hella, liebe Keyla, liebe alle,

    welche Synchronizitäten! ich komme gerade auf Umwegen - dazu im anderen Thread - aus der Therapie. Meine wunderbare Therapeutin! Mit ihr stimmt alles so! Ich war soo froh, sie zu sehen und habe sie von herzen mit "juhu" begrüßt. Ich konnte ihr mein Herz ausschütten über die KLinik und all den Mist dort. Und im Gespräch hatte ich das Gefühl, zwei erwachsene Menschen unterhalten sich vernünftig. Es war so eine Erleichterung! Sie meinte zu meinem Schwindel - ahtte ich geschrieben, dass mir immer schwindelig ist? - dass einem dabei ja schwindelig werden kann, bei dem, was ich da erlebt habe. Und sie hatte am Ende meiner Schilderung genau die gleiche Idee, wie Keyla und Hella: Supervision und Fortbildung. Und eigentlich ist das genau das, was ich auch in meinem Innern fühle, wenn ich das mal so hochgestochen sagen darf, als "Berufung". Und in mir entsteht auch so etwas Eigenes, ein eigenes Konzept, aus dem, was ich in meinen Notrufzeiten erarbeitet habe plus Reddemann plus eigener Erfahrungen als "Patientin" plus dem Umwandlungsmodell, das ich in der Trauerbegleitung gelernt habe und an mir und mit mir praktiziere als unbedingt notwendig für die Traumabewältigung.

    Ja, erst mal ankommen. Aber ich freue mich so, dass Ihr auch diese Idee habt. Danke, dass Ihr so da seid!

    erst mal viele Grüße von
    Blaue Artemis