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Nimmer wieder - Klicken Sie HIER um das ursprüngliche Thema anszusehen

    jolie
    Ohne Sternchen im Text
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    So sitzt er da und schweiget bloß
    Sein Atem laut sein Vorwurf groß
    Sie weiß genau was gleich geschieht
    Sie nicht mehr zu ihm rüber sieht
    In wager Hoffnung er möge sie lassen
    Ihr Innerstes schreit, sie will ihn hassen
    Was nun, es ist so hoffnungslos
    Geschieht es dennoch immer wieder

    So sitzt sie da und wartet bloß
    Er zieht sie ran auf seinen Schoß
    Sie weiß nicht mehr was jetzt geschieht
    Merkt gerade noch wie sie entflieht
    Ihr Kopf in leeren Gassen
    Ihr Herz will ihn doch hassen
    Es scheint als wärs ihr lebenslos
    Flieht sie deshalb immer wieder

    Unterwegs, freie Welt, freies Kind,
    Haare wehen im Wind.
    die Gefühle im Rucksack weggepackt,
    Keiner der auf der Seele rumhackt.
    Wälder durchstreifen "hüaaah ... attackeeeee",
    Schätze suchen mit Schaufel und Hacke.
    Seen durchschwimmen "Kapitän! schnell! ein Eisberg!",
    In Baumstämme schauen auf der Suche nach Grumpf dem Zwerg.
    Warten, dass ein Stern vom Himmel fällt,
    dem man seine Wünsche erzählt.
    Drachen jagen die Feuer spucken,
    wichtig dabei zur rechten Zeit ducken!
    Baumhäuser bauen im Schutze der Krone,
    träumen, dass man wirklich dort wohne.
    Brombeeren mit Kräutern mischen und daran riechen
    Sich komplett und so ganz in das Erdreich verkriechen.
    Einen köstlichen Kuchen aus Sand bauen,
    Auf einer Blumenwiesen liegend in den blauen Himmel schauen.
    Einen Zauberer treffen dem man seine Träume erzählt,
    mit einem Hund spielen der vor Freude laut bellt.
    Auf dem Abenteuerspielplatz Buden bauen,
    nach rechts und links bei dem Weg über die Straße schauen.
    Ausritte in den Märchenwald,
    lachen, dass es ganz laut nachhallt.
    Die Rutschbahn mit Wums heruntersausen,
    Schokolade und andere Dinge schmausen.
    Alleine den Weg zum Kiosk gehen,
    zum ersten Mal auf beiden Beinen stehn.
    Äste schnitzen fürn Gartenzaun,
    mit großen Augen verwundert staunen.
    Schatzkisten finden mit Edelsteinen,
    heile Familie spielen und dabei leise weinen.
    Tutter lieb drücken und ganz feste kuscheln,
    mit der besten Freundin Geheimnisse betuscheln.
    Momo hören und sich gerührt fühlen,
    Mit den Händen in Schlammmatsche wühlen.
    Den kleinen Prinzen zum Freund benennen,
    mit Armen wedelnd durchs Feld rennen.
    Zum Tanzlied der Tiere fröhlich hopsen,
    dem Nachbarn seine Kirschen mopsen.
    ein Floß für den Fluss in eine andere Welt,
    ach wie mir diese, meine Traumwelt gefällt

    So sitzt er da und schweiget bloß
    Sein Atem laut sein Vorwurf groß
    Sie weiß genau was gleich geschieht
    Sie nicht mehr zu ihm rüber sieht
    In wager Hoffnung er möge sie lassen
    Ihr Innerstes schreit, sie will ihn hassen
    Was nun, es ist so hoffnungslos
    Geschieht es dennoch immer wieder

    So sitzt sie da und wartet bloß
    Er zieht sie ran auf seinen Schoß
    Sie weiß nicht mehr was jetzt geschieht
    Merkt gerade noch wie sie entflieht
    Ihr Kopf in leeren Gassen
    Ihr Herz will ihn doch hassen
    Es scheint als wärs ihr lebenslos
    Flieht sie deshalb immer wieder

    Doch heute sieht sie noch einmal zurück
    mit großem Entsetzen in ihrem Blick
    Sie schreitet ein und hilft ihr raus
    Sie nimmt ihre Hand und hält es aus
    Sie schreit ihn an
    Sie zieht sie raus
    Sie hat erkannt ihr Lebenslos
    Flieht deshalb nimmer wieder
    keyla
    Liebe Jolie,

    ist das von Dir? DAs hat ja eine ganz zarte, berührende und darin auch sehr entschlossene Kraft.

    Anke fürs Einstellen!

    :herz: und eine :schatz: für die kostbaren Dinge, die in Dir stecken!

    Keyla
    haikala
    :kuck: der mittlere Teil tauchte hier schon einmal auf (zum Teil), und ich fand ihn schon damals sehr schön - als lebendiges, positives "Gegenbild", so kam's mir schon damals vor.
    Manche Fluchten können auch heilsam sein, glaube ich... manchmal. :zauber:

    träum-:fisch:
    jolie
    :liebes: danke :liebes:
    Ja, ich habe Ausschnitte des mittleren Teils hier vor Ewigkeiten mal gepostet, dachte es wäre an der Zeit sie in die richtigen Zusammenhänge zu bringen und weiterzuschreiben.
    Und ja, es ist mein Gedicht. Manchmal erschrickt es mich heute noch, aber es wird zunehmend leichter es auszuhalten, erstaunlich.
    Wohl weil es den zweiten Abschnitt gab und gibt.

    Seid mir lieb gegrüßt ihr zwei!
    Jolie
    keyla
    Liebe Jolie,

    was ich so anrührend finde, ist, dass die "doppelte Sie" dann auf einmal als helfende Figur auftaucht, die nochmal in die gewesene und immer wieder aktivierte Szene hineingeht, die ja auch das "Fliehen, immer wieder" auslöst. Und vielleicht kann dadurch wirklich erst das Kind in einer inneren, befreiteren Welt sich entfalten und einiges von den sehr schönen, heilsamen Phantasien nachholen kann.

    :liebes: Keyla
    jolie
    Liebe Keyla,
    du hast den letzten Abschnitt sehr treffend analysiert.
    Es hat auch etwas von sich mit dem Passierten auseinandersetzen, hinsehen, nachfühlen, wobei es sich mit dem Nachfühlen, wie ich finde, am schwierigsten gestaltet.
    Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich schon hinreichend nachgefühlt habe und es deshalb erträglicher wird, oder ob ich auf die Geschichte durch unterschiedliche Augen sehe, und je nachdem wessen Augen es sind, ist es mal erträglicher und mal kaum auszuhalten.
    Dann ist da noch der Gedanke, dass das genau Hinsehen und Nachfühlen irgendwann einmal dazu führt, dass das Fliehen keine Flucht mehr sein muss, sondern dass man all die schönen Dinge als etwas Positives sehen und genießen kann. Das gelingt mir heute aber mittlerweile schon ganz gut, lange hatte ich das Gefühl, dass ich alles Gute im Leben nicht wirklich verdient hätte und vielleicht kommt daher auch mein heute noch immer wieder hochschießendes Katastrophendenken.

    Die anderen Sichtweisen auf das Gedicht sind zum Einen auf die konkreten Situationen bezogen, in denen „es“ passierte und in denen man (ich meine mich, dass muss ich jetzt mal deutlich aufschreiben) wegtauchte in eine andere Welt. Ließt man es aus dieser Perspektive heraus ist die letzte Strophe eine Art Wunschgedanke, dass jemand hinzugeeilt wäre um mich aus der Situation zu holen, so musste ich selbst erst stark genug werden um mich damit auseinanderzusetzen und mich sozusagen selbst zu befreien.
    Zum Anderen bezieht sich die Geschichte aber auch auf das gesamte Leben, es gab weniger schöne Zeiten, es gab, zum Glück, aber auch ganz viel Positives. Dieses Positive steht in starker Diskrepanz zu den dunklen Tagen, deshalb war es mir so wichtig diese Diskrepanz auch zu zeigen, indem ich beide Teile in ein Gedicht packte.
    Ich habe nur wenige Erinnerungen an meine Kindheit, die meisten sind überwiegend positiv.
    Als ich groß genug war hat mein Vater mich in Ruhe gelassen. Somit fing mit ca. 8 Jahren sozusagen der erste Tag vom Rest meines Lebens an. All dies hat dazu geführt, dass ich mich heute oft wie zwei fühle, die aber eng miteinander verbunden sind. Ich fühle aber auch, dass ich gerne noch mehr über mein Leben und die dunklen Ecken darin, gerne auch die schönen Vergessenen, erfahren möchte.
    Vielleicht auch um endlich „Nimmer wieder“ sagen zu können oder einfach immer öfter.
    Danke fürs Lesen
    Danke für deine Gedanken, sie haben mich ja ordentlich angestubst, wie ich gerade erst merke.
    Liebe Grüße
    Jolie :)
    keyla
    Liebe Jolie,

    ich hatte beim lesen Deiner Antwort auch den Gedanken, dass es bei mir vielleicht oft darum geht, AUCH mit den Augen schauen zu können, die mehr Distanz habe. Und nicht nur mit den Augen, für die "es" unerträglich ist - weil die eben zu dem Wesensanteil in einem gehören, der sich eben gerade nicht aus der Situation befreien konnte.

    Und ich glaube auch, dass damit das "reale Schöne" auch eben nicht mehr nur Flucht ist oder ein unwahrer Zuckerguss über etwas "wahrem Grauemhaften", sondern dass, was es ist: etwas Schönes.

    Es ist auch sehr schwer, diese inneren Welten zu verbinden oder ihr Nebeneinander fühlen zu können vielmehr. Denn ich komme immer besonders durcheinander, wenn ich glaube, daraus innerlich eine Welt machen zu müssen. Die Wahrheit ist ja, dass die Verstörungskraft darin liegt, dass eben zwei disparate, nicht zueinander passende Welten tatsächlich nebeneinander existiert haben und sie beide gehören zu dem "Haus das ich bin".

    Das Katastrophendenken kenne ich auch sehr gut...es ist ja auch eine Folge des "Immer wieder" - wie ein ewiges Warten darauf, das "es", das Unvermeidbare, wieder geschieht. Da ist es glaube ich ganz gut Bilder zu entwickeln, die eine helfende Hand in den Schrecken reinreichen.

    ...Ui, jetzt hast Du mich auch "angestupst"...schön!

    Liebe Grüße!

    :herz: Keyla
    jolie
    Liebe Keyla,
    ich finde es ganz erstaunlich, nicht nur beim Lesen dieses Beitrages hier, wie unterschiedlich und doch gleichzeitig klar nachvollziehbar unsere Wege hier sind. Teilweise ergeben sich immer wieder Überschneidungen und doch ist jeder auf seine Weise in der Welt.

    Mehr mit den Augen zu sehen, die es mit Distanz betrachten hat für mich (!) den Nachteil, mich nicht wirklich vollständig zu fühlen.
    Es ist als fehle da irgendetwas ganz Wesentliches und deshalb ist es bei mir auch so, dass ich meinem Empfinden nach das Nachfühlen brauche um mich mehr wie das „Haus das ich bin“ (schöner Begriff) zu fühlen.
    Es ist bei mir auch so, dass ich mich nach einer Verbindung der zwei Teile in mir sehne, dass, wenn ich manchmal in Verbindung stehe, ein kurzes Gefühl von „so ist es“ da ist.
    Ich habe hier vor langer Zeit mal einen Beitrag über das Konstrukt Funktionieren hereingestellt. Er war in Anlehnung an Eschers „Belvedere“ geschrieben. Damals schon zeigte sich, dass ich nach einer Verbindung in mir suchte, wie ich heute finde.
    Ich kenne es auch eher so, dass es mich völlig verwirrt diese zwei separat voneinander getrennten und doch irgendwie verbundenen Teile in mir zu spüren.
    So oft fühle ich diese Diskrepanz in mir, habe zwei völlig unterschiedliche Ansichten zu einem Thema und wenn ich genau hinschaue ist es somit meist so, dass der verletzte groß gewordene Anteil in mir beispielsweise viele Sachen erst mal mit Schrecken wahrnimmt, sich mehr fürchtet, in Situationen nicht für sich einstehen kann etc., der heile groß gewordene Anteil hingegen unglaubliche Fähigkeiten in diesen Bereichen aufweist.
    Dann ist es ja auch so, dass ich mich an Vieles in meiner Kindheit nicht erinnere. Es ist wie mit Momo, die plötzlich im Alter von acht Jahren in einem alten Amphitheater auftaucht und dieses zu ihrem zu Hause benennt, sich nicht an ihre Eltern erinnert, glaubt sich ihren Namen selbst gegeben zu haben und auf die Frage wann sie denn geboren sei mit den Worten „Eigentlich war ich immer schon da“ antwortet. Da Momo aber irgendwie schön widersprüchlicherweise gleichzeitig die Fähigkeit besitzt, nichts zu vergessen und sich alles zu merken, hoffe ich in intensiver Auseinadersetzung mit „ihr“ mehr über mich zu erfahren.

    Mit anderen Worten: Mir ist noch mal klar geworden, dass ich noch nicht dort bin, wo ich gerne hin möchte. Aber mir ist auch klar geworden, dass ich alles gut dosiert handeln muss und daher meine oft-noch-Fluchten in das Funktionieren und leben sehr wichtig waren, sind und bleiben. Von daher stimme ich dir liebe Haikala auch völlig zu, wenn du sagst, dass Fluchten auch etwas Heilendes haben können. :)

    Liebe Keyla, es tut gut zu lesen, dass man mit seinen zwei Welten nicht alleine dasteht. Interessant ist es, wie jeder für sich seinen Weg findet um damit zu leben. Ich danke dir für deine Gedanken! :)

    Liebe Grüße
    Jolie (die schon wieder angestubst wurde und das auch sehr schön findet)