| jolie |
Du bist, mein fernes Tal,
verzaubert und versunken.
Oft hast du mir in Not und Qual
empor aus deinem Schattenland gewunken.
Hast deine Kinderaugen aufgetan,
dass ich gefangen in kurzem Wahn
mich ganz zu dir zurück verlor.
Doch bleib, mein fernes Tal,
nicht länger dort im Grunde.
Lass uns heut eins sein, hab ich die Wahl,
umsorg die offene W*nde.
Lass uns durch deine Augen sehen
Von nun an uns gemeinsam gehen
Mich ganz zu dir zurück getrau.
In Anlehnung an Hermann Hesse |
|
|
| keyla |
Liebe Jolie,
das ist sehr schön und berührend - das hat ja etwas von eins werden wollen mit dem verletzten, aber auch dem heilen Kind.
Darf ich Dich mal fragen, was das Gedicht für Dich bedeutet?
Liebe Grüße!
Keyla |
|
|
| jolie |
Liebe Keyla,
danke für deine liebe Rückmeldung :liebes:!
Für mich hat das Gedicht ganz viel mit Erkenntnis zu tun.
Es zeigt mir wo ich heute stehe.
Du hast das sehr treffend formuliert, es hat etwas mit eins werden wollen mit dem verletzten kind zu tun.
Ich denke eins mit dem heilen kind in mir bin ich, der heile anteil in mir ist sozusagen groß geworden und kann heute gut funktionieren.
Doch wahrscheinlich noch mehr isoliert als ich dachte ist der verletzte Teil, durch dessen Augen ich in manchen Situationen heute noch in die Welt da draußen sehe. Dann nehme ich die Welt z.B. viel Bedrohlicher wahr, als sie eigentlich ist. In solchen Situationen laufe ich dann Gefahr mich im damals zu verlieren.
Das Gedicht hat für mich auch etwas von Vernachlässigung des Inneren Kindes. Sich nicht richtig kümmern und dann schießt es plötzlich nach oben und meldet sich zu Wort. Ich denke, ich habe in der letzten Zeit zu sehr funktioniert und dabei einen ganz wesentlichen Teil in mir vergessen.
Es hat also auch etwas von dem Bewusstwerden des Verdrängens.
Zuletzt bedeutet das Gedicht für mich, mich auf den Weg zu machen, dass das Sehen durch die Kinderaugen weniger bedrohlich wird. Sich bereit zu fühlen für mehr.
Aufbruchstimmung vielleicht.
Eins werden, gemeinsam gehen, nicht mehr parallel nebeneinander herleben und die Existens des Anderen nur zu erahnen und zwischendurch einmal zu spüren.
Gemeinsam gehen und den Mut haben zurück zu schauen.
Irgendwie so.
:) |
|
|
|