| keyla |
Hallo, ihr Lieben!
Ich habe mir ohne es zu planen ein richtig schönes Weihnachtsgeschenk gemacht. Ich hoffe, ich finde dafür die richtigen Worte, denn ich wollte es gerne mit Euch teilen :herz:.
Ich muss auch ein bißchen ausholen, Teile können triggern, also wie immer: Paßt auf Euch auf
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Ich komme aus einer Familie, wo das "Dysfunktionale" nach außen nicht so leicht sichtbar ist. Und damit meine ich nicht das, was man generell als "schöne Fassade" bezeichnet, sondern es gibt Teile, die meine Eltern wirklich gut konnten und können. Das Haus war immer ganz geschmackvoll eingerichtet, wir wurden materiell gut versorgt, es gab auch später immer bei Not finanzielle Unterstützung und Hilfe in praktischen Situationen usw. Und es gab immer schöne Feste mit tollen Geschenken, toller Deko, schönem, phantasievollen Programm, leckerem Essen und auch eigentlich - zumindest wenn es nicht nur der "engere Familie zusammen war- oft netter Stimmung.
Und daneben gab es eben die Realität, dass meine Mutter mich gewalttätig mißhandelt hat sowie permanent in einer richtig kranken Weise entwertet und kein Tag in meiner Kindheit verging, an dem meine Eltern sich nicht furchtbar gestritten haben - so, dass mein Schipfwortrepertoire Zeit meines Lebens gedeckt ist.
Und auch aktuell ist es so, dass ich eben auf der einen Seite von meiner Mutter Bemühen und Hilflosigkeit mitbekomme und auf der anderen Seite mich jeder Kontakt mit ihr noch so triggert, dass mir übel wird bei Berührungen von ihr und ich nach spätestens zwei Stunden in dem Haus meiner Eltern depressiv bin.
Meine Schwester hat jedoch eine andere Mutter erlebt - sie war sehr viel krank und bei ihr war meine Mutter in der für sie guten Rolle "aufopfernde Mutter pflegt krankes Kind". D.h. meine Schwester hat auch nie von ihr Mißhandlungen erlebt.
Sie ist es im Grunde auch, die die Tradition der "tollen Familienfeste" fortsetzt und sicher einen Hang hat, für "heile Welt" sorgen zu wollen. Mit perfekter eigener Familie mit zwei Kindern, nettem Mann, Häuschen usw. Und auch eben nettem Verhältnis zu den "lieben Großeltern", die wirklich nett zu den Enkeln sind - was es mir immer sehr schwer macht, innerlich zu verstehen, dass es die Realität, die ich in der Familie erlebt habe eben auch gab. Und zwar nicht, weil irgendetwas mit mir falsch war und ich ein "Teufelskind" (wie meine Mutter mir das immer vermittelt hat), sondern meine Mutter eine Mutter, die keine gute Mutter sein konnte und ihre Agressionen, ihre Verbitterung und "psychischen Aussetzer" (m.E. dissoziative Momente nach Kriegstraumatisierungen) an mir abreagiert hat. UND danach noch - was fast das Schlimmst war - gesagt hat, sie hätte das nie getan. Dazu gab es einem Vater, der mir zwar nie etwas getan, aber mich auch nicht geschützt hat.
Jetzt war meine Familie und damit auch ich bei ihren Schwiegereltern Heiligabend eingeladen. Und meine Schwester wollte da übernachten und wegen der "Geschenküberforderung" der Kinder erst am nächsten Tag bescheren. Das hieß: ich sollte bei meinen Eltern übernachten. Und ich habe das zuerst in dem Gefühl, keine andere Wahl zu haben :ohnmacht: (ich fahre kein Auto und die Feier war bei Aachen, ich selber lebe in Köln) "abgenickt".
Ich habe mich dann so dumpf und "luftlos" gefühlt, auch "wie im Nebel"...bis...ja, bis ich meine Schwester angerufen habe und gesagt, ich wollte nicht da schlafen, sondern abends wieder nach Hause. Wir haben auch schon über meine Geschichte zuhause und den Unterschied zwischen unserem Aufwachsen gesprochen und von daher habe ich auch keine Ausrede benutzt, sondern gesagt, wie es ist. Und mich nach Zügen erkundigt, meinen Vater angerufen, dass er mich zum Bahnhof fährt, mich erkundigt, wie das Heiligabend mit den Taxis ist usw. Das war eigentlich alles kein Riesenproblem.
Ja und irgendwie ist dadurch die Realität des "Wahrhabens" und sich auch danach Verhaltens wirklich bei mir angekommen...durch mehrere Ebenenen durch sozusagen. Das ist schwer zu beschreiben, aber es war so etwas wie eine Kongruenz zwischen Wahrnehmen und Handeln, die mich sehr berührt hat....so als wäre damit einem meiner dissoziativen Symptome an seiner Wurzel berührt worden.
Und was echt ein Phänomen war: Ich habe danach auch irgendwie physisch klarer gesehen. :)
Sowohl die Realität der Verletzungen in der Familie, unter denen ich immer noch leide wie eben auch die Realität des "Guten"...beides nebeneinander zu sehen ist ja ganz schön schwer. es war auch gut, den Abend mit ihnen zu verbringen - u.a. weil ich meinen Vater schon liebe und sie auch nicht mehr so jung sind. Es ging glaube ich darum, dass richtige Maß zu finden - dass das so eine gute Entscheidung war, merke ich daran, dass ich mich heute so richtig "in mir zuhause" fühle.
Ja...und mir ist auch auf einmal bewußt geworden, dass ich in gewisser Weise frei bin, mir meine Sehnsüchte nach Nähe, Wärme und Zugehörigkeit anderswo zu erfüllen. So fahre ich morgen zu einer meiner liebsten Freundinnen in die Schweiz, die mit ihren beiden Kindern und ihrem Mann sowas wie eine "Ersatzfamilie" für mich geworden sind. Und wo wir uns alle uneingeschränkt aufeinander freuen. Und gleich fahre ich zu meiner besten Freundin, die mir eigentlich näher ist, als es mir jemand aus meiner Familie jemals war.
Mit erstaunen habe ich gemerkt: Das ist nicht nur ein Zukunftswunsch - da IST schon etwas. Und ich bin frei, da noch mehr von zu gestalten und nicht dazu verurteilt, die durch meine Ursprungsfamilie unerfüllten Sehnsüchte und Verletzungen immer zu wiederholen. Ich kann mitbestimmen, wieviel und wie wenig ich an meine Familie gebunden bin...nicht, dass ich da schon mit "durch" wäre, aber das hat sich nach einem richtig guten Schritt angefühlt, für den ich ganz dankbar bin! :vibes:
Dieses Realisieren, danach Handeln und damit auch wieder das real Vorhandene Gute und meine Gestaltungsmöglichkeiten zu sehen: Das war ein richtig schönes Weihnachtsgeschenk! :geschenk:
:danke: für die vielen Impulse hier, die dazu beigetragen haben und an Euch alle den Wunsch, dass etwas in Euch Euch auch so ein Weihnachtsgeschenk macht.
:gernhab: Keyla |
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| eisfuchs |
schön, wie gut du für dich sorgen konntest! danke dir fürs teilen, das ermutigt mich sehr.
lg eisfuchs |
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| bambam |
Vieles was du schreibst könnte aus meiner Herkunftsfamilie stammen. So kann ich vielleicht nachempfinden, was deine freie Entscheidung in dir verändert. Ich bin schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr bei den sogenannten Familienfesten dabei.
Wie schön, dass du deinen Weg siehst und ihn gehst.
LG, bambam |
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| hella |
Liebe Keyla,
toll, was Du Dir da geschenkt hast - ein besseres Geschenk gibt es wohl gar nicht! Und schön, dass Du auch gleich erlebt hast, wie gut sich das anfühlt, wenn man sich dermassen beschenkt.
Ich habe so ein augenöffendes Erlebnis letztes Jahr an Weihnachten mit meinen Eltern gehabt und war auch ganz erstaunt, was alles möglich ist, wenn man sich herausnimmt, Dinge zu gestalten, egal, ob das so gewünscht wird oder nicht. Ich kann das nur empfehlen, wenn es denn geht!
Ich würde auch nicht behaupten, dass ich damit "durch" bin, aber ich habe auch Geschmack daran gefunden, mir herauszunehmen, was ich brauche oder eben auch nicht. Solange ich damit niemandem auf die Füsse trete.... Und ja, man fühlt sich ganz anders damit: nicht immer wartend auf das Erfüllen der ganzen alten Sehnsüchte und daran gekoppelt die Enttäuschung, weil es nie eintritt. Zumindest nicht unbedingt von der Herkunftsfamilie. Da sind Freunde, wie Du sie beschrieben hast, die richtigere Adresse. Und so unendlich wertvoll. Schön, dass Du diese Menschen um Dich hast. :liebes:
Liebe Grüsse,
Hella |
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| marguerite |
liebe keyla! :liebes:
das liest sich klasse! :vibes:
und ich dachte dabei, dass für mich selbst das gehen-können immer ein ganz wichtiger aspekt von meiner freiheit ist, zu wissen, ich kann die zeit selbst bestimmen, die ich bei meiner familie verbringe und abends in mein eigenes bett und durchatmen. gerade an weihnachten habe ich das allerdings noch nicht geschafft - um so schöner ist es zu lesen, dass es möglich ist. ich glaube, das ist ein ganz wichtiger schritt, der fremdbestimmten enge zu entkommen.
und was du über das schon-haben schreibst... :vibes: gut, wenn man das spüren kann!
ich hoffe, du hast/hattest es schön die letzten tage bei deinen :herz: -menschen!
ganz lieben gruß! :gernhab:
marguerite |
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| keyla |
Hallo, ihr Lieben,
ganz lieben Dank für die Antworten :gernhab:
Das Thema bewegt doch Einiges in mir, was mit der Idee zu tun hat, meine ganz eigene Form von Bindungen finden zu dürfen, die zu dem paßt, wie ich bin. Zu meinen Wünschen, Bedürfnissen, auch meinen Verletzungen, zu dem, was ich an Nähe und Distanz als angenehm empfinde...und eben auch zu meinen Wünschen nach Familie.
Bei meiner Freundin in der Schweiz und ihren beiden "girls" war es ganz, ganz schön - ich bin drei Tage beküßt und beschmust worden, habe Kettchen gebastelt bekommen und kleine Päckchen, damit ich auf der Zugfahrt nicht verhungere :schmelz: , habe klingelnde Ohren vom Kinderlärm, mir ein lustiges Weihnachtsräuberdetektivspiel ausgedacht...ja, und dachte irgendwie, dass das für mich genau die richtige Form ist, Kinder in meinem Leben zu haben.
Denn so richtig habe ich mir eigentlich noch nie Kinder gewünscht, wenn dann nur in diesen diffusen Familiensehnsüchten, die ja mehr etwas mit Wärme und Zugehörigkeit zu tun haben. Aber ich glaube, mit all meiner Vorbelastung und auch der körperlichen Kranktheit hätte ich gar nicht die Kraft und auch nicht den Wunsch, Mutter mit allen Pflichten zu sein.
Und gleichzeitig mag ich Kinder schon sehr und die mich irgendwie oft auch...liegt wahrscheinlich daran, dass meinen "kleinen" Facetten da mitspielen und immer viele lustige Ideen haben :D
Ja, und jetzt habe ich mir überlegt, dass ich das gerne in meinem Leben ausbauen will, diese Art von Kinderbeziehung...ich meine, es gibt soviel alleinerziehende Mütter, die glücklich sind, wenn ihr Kind noch eine andere Bezugsperson hat. Ich weiß noch nicht, wie ich das umsetzen werde...das hat auch Zeit und ich will diese Gedanken sich auch entfalten lassen und den guten Zufällen ein Törchen aufmachen...
Auf jeden Fall finde ich schon den Gedanken, dass ich vielleicht eine ganz eigene Form von Beziehungen finden darf - auch nochmal angeregt durch Meerelfes Threat und die Antworten dadrauf :herz: - ganz beglückend.
Liebe Grüße!
Keyla |
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| bambam |
zitat: keyla schrieb am 30.12.2008 um 22:57 Uhr in Beitrag #6
Ja, und jetzt habe ich mir überlegt, dass ich das gerne in meinem Leben ausbauen will, diese Art von Kinderbeziehung...ich meine, es gibt soviel alleinerziehende Mütter, die glücklich sind, wenn ihr Kind noch eine andere Bezugsperson hat. Ich weiß noch nicht, wie ich das umsetzen werde...das hat auch Zeit und ich will diese Gedanken sich auch entfalten lassen und den guten Zufällen ein Törchen aufmachen...
Liebe Keyla,
was ist daraus geworden?
LG, bambam |
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| keyla |
Liebe Bambam,
wie lieb, dass Du den Threat nochmal hervorgeholt hast - peinlicherweise habe ich den erst jetzt als meinen registriert und gelesen :Peinlich:
Also es gibt da insofern Bewegungen, als dass ich zu meinem Nachbarskind, das über mir wohnt, die Beziehung ein bißchen vertieft habe...ganz rührend, sie hat mir desletzt von ihrem Taschengeld ein kleines Schwein mit Babyschwein auf dem Rücken gekauft...mit der Anmerkung "Das paßt zu Dir" Ich habe das mal als Kompliment aufgefasst. :D
Und ich nehme gerade auch intensiver am "kinderleben" meiner Freundinnen teil - da bin ich auch erstmal diesbezüglich ganz zufrieden. Lustigerweise bin ich ja irgendwie immer der Star der kleinen Mädchen - ich werd auch ganz oft auf der Strasse oder in der bahn von Kindern angesprochen und habe desletzt einer ganzen Gruppe von einem Turnverein zweischen 6 und 9 Jahren schief das Lied vom Schnützeputzhäusel vorgesungen - und durfte zum Dank in das frischgekaufte "Pups-Slimy" greifen :rofl:
Da freu ich mich immer, dass ich mich trau so hemmungslos albern zu sein :smug:
Ganz liebe Grüße von Keyla
(die den Sinn der "hervorholgeste" dieses Threats gut verstanden hat :liebes: ) |
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