Forum-VerletzteHelfer
Forum-VerletzteHelfer Forum-VerletzteHelfer Archive > Diagnosen, Erkrankungen und Therapie > Sonstige Erkrankungen / Probleme
 
Freundschaften unter Tr*umatisierten - Klicken Sie HIER um das ursprüngliche Thema anszusehen

    keyla
    Hallo in den Abend,

    mich beschäftigt seit einiger Zeit ein Thema, bei dem ich mal nach euren Erfahrungen und Gedanken fragen wollte.

    Ich habe ein paar gute Bekannte und Freundinnen, die auch tr*umatisiert sind. Das ist auch in gewisser Weise sehr "schön", weil wir eine Erfahrungsdimension miteinander teilen, die anderen Menschen oft schwer vermittelbar ist. Allerdings ist mir aufgefallen, dass manche dieser Beziehungen häufig sehr schwierig sind und wenn es "Dramen" im privaten bei mir gibt, dann meisten mit Menschen, deren Tr*uma noch sehr "aktiv" ist ... und auch dann, wenn meines gerade auch eine "aktive" Phase hat - d.h. ich sehr leicht zu triggern bin etc.

    Das kommt mir dann so vor, als würden sich die biographischen Rattenschwänze ineinander verhaken und gerade wenn hauptsächlich die tr*umatisierten Anteile miteinander im Konflikt sind auch Auseinandersetzungen kaum lösen lassen.

    Ausgelöst ist das aktuell durch ein Erlebnis mit einer ich will mal sagen "guten Bekannten", die bei mir in der Nähe wohnt - eine sehr begabte Malerin, die auch eine ganz starke PTSB und Schmerzerkrankung hat.

    Es war eigentlich ein schöner, auch naher Austausch, sie hat mich eingeladen, sie in einem Haus in Griechenland zu besuchen, mir gesagt, wie bereichernd sie den Austausch findet etc - wobei wir uns schon glaube ich auch gegenseitig getriggert haben. Ihr ging es dann eine Weile sehr schlecht und sie hat sich insgesamt sehr zurückgezogen. Ich habe ihr dann öfters aufs Band gesprochen, weil ich schon jemand bin, der gerne auch Kontakte "hält".

    Irgendwann rief sie dann zurück, wir sollten uns nochmal treffen - u.a. weil ich noch eine Rechnung wg. der Steuer von ihr bekam aber auch weil es wie sie sagte "schön wäre, sich nochmal zu sehen". Dann sagte sie kurz vorher ab und ich bekam vor ein paar Tagen einen Brief, sie wollte keinen Kontakt mehr, wüßte aber nicht warum.

    Ich habe bei Ihr glaube ich den Fehler gemacht, dass wir zusätzlich zu der freundschaftlichen Ebene auch arbeitsmäßig miteinander zu tun hatten, aber ich kann wirklich ganz aufrichtig sagen, dass es keinen Moment gab, wo ich nicht zugewandt, freundlich und wohlwollend war. Von daher war das schon eine für mich seltsame Reaktion, bei der ich sehr aufpassen mußte, nicht in ein diffuses Schuldgefühl zu rutschen und bei mir einen Entwertungskreislauf von "irgendwie nicht richtig sein" in Gang zu setzen, was mir aber glaube ich ganz gut gelungen ist.

    Ich habe sie auch gesehen in der Not, aus der so ein "schwankendes" Beziehungsverhalten zwischen "Du bist toll" und "Ich will nichts mit Dir zu tun haben" entsteht und war gleichzeitig traurig und so genervt, dass ich dachte: Ich will gar keine Energie in Kontakte investieren, die emotional so instabil sind.

    Gleichzeitig kenne ich das auch selber, dass mich oft Menschen, die gerade in einem Tr*umazustand sind, extrem triggern können - meine Theorie ist ja, dass das nicht nur mit dem Verhalten zu tun hat, sondern das "wir" auch besonders sensibel für die "Tr*umaenergie" sind und da vielleicht sogar irgendetwas über die "Spiegelneuronen" abläuft. Jetzt bin ich überhaupt nicht so, dass ich schnell Kontakte ganz intenisv habe und dann abbreche, aber ich merke doch, dass es mir in Phasen, wo es mir selber nicht gut geht, oft sehr schwer fällt, mit anderen Tr*umatisierten engen Kontakt zu haben bzw. ich da Konflikte auch sehr schwer lösen kann. Wobei ich da gerade merke, dass ist hauptsächlich bei denen, die auch auf Beziehungsebene "ausagieren" - bei zwei meiner besten Freundinnen ist das gar nicht so.

    Nicht desto trotz: Das macht mich oft sehr traurig, weil mir daran bewußt wird, wie sehr die inneren Verletzungen Beziehungen zerstören können. Und wie viele Verletzungen "wir" uns mit unseren mit Schwertern und Klauen bewafneten "Selbstschutzanteilen" oft gegenseitig noch zusätzlich zufügen. Das dachte ich auch bei der Bekannten, die mich verletzt hat und wo ich gleichzeitig ihre Hilflosigkeit gesehen habe und auch - natürlich - sauer war, wie sie mit mir umgeht. Immerhin habe ich den Teil, der "zurückschlagen" wollte, zurückgerufen, da bin ich eigentlich ganz glücklich drüber, weil ich eben die häufig unter Tr*umatisierten stattfinden "Reinzenierungsspiele" von Beziehungsverletzungen nicht "mitspielen" wollte. Aber ich finde das trotzdem insgesamt ein ganz schwieriges Thema, was mich immer mal wieder beschäftigt.

    Kennt ihr das Thema auch? Was sind Eure Erfahrungen damit?

    Herzliche Grüße von einer nachdenklichen

    Keyla
    pic
    Hallo,
    ich war einige Zeit mit einem Menschen befreundet, der ähliche Erfahrungen gemacht hat wie ich, wir haben uns nach ein paar Jahren allerdings in völlig andere Richtungen entwickelt.
    Die Nähe zu ihr war wunderbar und auch das Verstädnis füreinander etwas sehr besonderes für mich. Wir haben uns gegenseitig bereichert und uns im Kontakt mit dem anderen neu kennengelernt.
    Ich glaube die Freundschaft ist daran gescheitert, dass sie noch sehr lange in ihrem Schmerz und "es geht mir schlecht" hängengeblieben ist und ich weiter gegangen bin. Der Moment an dem es mir länger gut ging hat gemacht, dass ich ihre Krise nicht ertragen habe. Ich war so froh es gerade hinter mir gelassen zu haben, dass ich nicht mehr für sie da sein konnte. Ich weiß nicht wie es ihr damit gegangen ist......
    Seit dem haben wir wenn überhaupt nur oberflächlichen Kontakt, scheinbar ist uns beiden klar, dass das was da zwischen uns war nicht mehr möglich ist, warum auch immer.
    Es war eine wundervolle Zeit mit ihr, im Nachhinein denke ich, dass unsere Beziehung immer auf sehr dünnen Eis gewachsen ist. Zum einen weil wir beide sehr verletzte Menschen sind und zum anderen weil wir aufgrund unserer Orientierungslosigkeit damals beide keine stabile Basis für eine Freundschaft hatten. So haben wir nach der ersten Krise den Weg nicht mehr zueinander gefunden.
    Mich macht es auch oft noch traurig, nicht mehr an ihrem Leben teilzunehmen, vor allem in Momenten in denen ich denke sie ist die jenige, die mich jetzt ohne Worte verstehen würde. Ich denke aber ich habe viel mitgenommen aus unserer Zeit und das ist ein Geschenk.
    Pic
    haikala
    ...hab nun eine Weile nachgedacht und festgestellt, dass meine beiden besten Freundinnen beides nicht-Betroffene sind. Ich bin versucht zu sagen, "Normale". ;) Und genau diese Normalität gefällt mir, davon kann ich mir viel abschauen und sie macht alles etwas unkomplizierter. Bei selbst Betroffenen muss ich mich oft mehr distanzieren, weil deren Instabilität meine mühsam gehaltene Mini-Stabilität bedroht... mir fällt es schwerer, mich gegenüber Betroffenen zu öffnen, auch wenn die vielleicht mehr verstehen könnten... :was:

    h.
    keyla
    Liebe Pic, liebe Haikala,

    also, ich kenne beides: Die gute Nähe des "Verstehen Könnens" unter Traumatisierten, aber auch die Bedrohung der "Mini-Stabilität".

    Ich habe mir auch überlegt, wieso das mit zwei meiner besten Freundinnen so gut klappt. Also, ich würde mal sagen, die haben beide traumatische Erfahrungen gehabt, die ich aber als in einem relativ hohem Maße als integriert empfinde. Und die beide - das ist mir eigentlich das Wichtigste - fähig zu "emotional konstanten" Beziehungen sind. Mit ihnen gelingt mir das auch und wir haben einen sehr "gutmütigen" Umgang miteinander bei Konflikten, weil wir eben wissen, dass wir uns konstant wohlgesonnen sind. Was für mich immer sehr schwer und auch gruselig ist, ist das drohende Kippen, Umschlagen der "Emotionsspur", auf die ich mich eingelassen habe. Das kenne ich eben gut von meiner M*tter und habe das auch bei der m*ßhandelnden Therapeutin erlebt, auch das Schwanken zwischen "Idealisierung und Verteufelung", "Ich-hab-Dich-so-lieb und Gew*lt"...wenn so ein Muster bei Traumatisierten aktiv ist, habe ich damit ganz große Schwierigkeiten, weil mich das eben so triggert.

    Hm, gerade dachte ich auch, dass ich ja eigentlich jemand bin, der zu einem großen Maß von traumatisierten Frauen traumatisiert wurde...ich glaube, deshalb ist das auch so ein Thema für mich...

    Ich hatte z.B. in einem Konflikt mit einer anderen Freundin "Fl*shbacks" - habe mich auf einmal total vor ihrem Bauch geekelt, was definitiv nichts mit ihr zu tun hatte. und das kam glaube ich daher, dass der für mich sehr bedrohliche Konflikt mit Traumatisierten mein eigenes eben in besonderem maße aktiviert.

    Wie ist das bei Euch?

    Herzlich und nachdenklich in den Morgen

    Keyla
    tadpole
    Bin mir nicht sicher, ob das passt...so
    aber ich denke was dabei eine große Rolle spielt, ist auch der "Fortschritt" der Betroffenen
    Es gab mal eine Person in meinem Leben, es fing schon problematisch an....es war als würde uns etwas überirdisches anziehen (hab das schon 2 Mal so erlebt), ich weiß nicht mal inwiefern eine Traumatisierung vorlag, aber es war mehr als eindeutig...)...so sprangen wir beide in ein recht chaotisches "Verhältnis"
    Es war gezeichnet von intensivem "Zusammengehörigkeitsgefühlt" und ich und auch sie waren nicht in der Lage den anderen wirklich zu sehen, gegenseitige Verletzung und auch Verletzung anderer
    Es war nur von extrem kurzer Dauer, weder ich, noch sie waren in der Lage (so seh ich das heute) zu erkennen, dass wir eigentlich den anderen gar nicht sehen und auch in keinster Weise gerecht werden konnten

    Was ich damit sagen will, ich denke eine Freundschaft unter Traumatisierten erfordert es, dass man einen gewissen Weg bereits zurückgelegt hat. Dass man in der Lage ist seine eigenen Grenzen und die anderen wirklich wahrnehmen zu können, und sich und seine Verhaltensmuster (und verborgenen Sehnsüchte etc.) erkennt und "zeitlich" einordnen kann.
    Bestimmt sehr off topic, und hier wird ja von viel "fortgeschritteneren" Beziehungen gesprochen.
    Ich finde es schön zu lesen, dass dies scheinbar (wenn man denn gewachsen ist) dennoch möglich ist
    Denn: Da ist einfach was ganz besonderes, ich finde es schade, dass es es uns damals nicht möglich war (mir nicht, ich will nicht für sie sprechen) eine Freundschaft aufzubauen, statt in etwas zu stürzen was uns beide in keinster Weise je hätte gelingen können und einfach falsch für uns beide (und andere) war
    Ich hatte auch Angst, Fluchtgedanken

    So gesehen sprangen wir direkt in eine "Affaire" , die Freundschaft übersprangen wir, blind und ferngesteuert, ich

    Freundschaft unter und mit "Normalos" ist schon ne Harte Nuss, aber wenn zwei Traumtisierte aufeinander treffen müssen beide Parteien enorm weit sein (finde ich) ...

    nur meine kleinen Gedanken, hoff nicht zu wirr oder zu OT

    lg

    t.
    schlusslichter
    Liebe keyla,

    ich finde tadpole hat das ganz gut getroffen es spielt eine große Rolle wie weit der "Fortschritt" der Betroffenen ist.

    Ich selbst hatte auch eine sehr enge "Beziehung" zu einer Freundin die auch schwer Traumatisiert war bzw. ist. Muss ehrlich sagen das mir das ganze über die Jahre sehr geschadet hat, da ich bevor ich Sie kannte doch besser klar kam als jetzt. :opti:

    Sicher ist es ein schönes Gefühl wenn man sich nur anschaut und nix sagen muss, oder einfach weiß da ist jemand der Dich versteht weil er's eben selbst ähnlich erlebt hat, aber ich kann heute sagen das man trotz allem sehr auf sich achten muss, man rutscht da ganz schnell in eine Art "Abhängigkeit" zueinander rein.

    Man kann dann nicht mehr ohne den anderen, und man tut sich gegenseitig weh ohne es wirklich zu merken. Bin wirklich froh das die "Freundschaft" wenn ich das noch so nennen kann zum größten Teil beendet ist auch wenn das für manch einen traurig klingen mag.

    Denn ich hab nicht auf mich selbst geachtet und mich letzendlich noch mehr runter ziehen lassen und die verl*tzungen jetzt sind auch viel schlimmer.

    LG Schlusslichter