Forum-VerletzteHelfer
Forum-VerletzteHelfer Forum-VerletzteHelfer Archive > Alltägliches und Besonderes bewältigen > Lyrik, Geschichten und Musik
 
Ein trauriger und tröstender Text aus dem Traumaort - Klicken Sie HIER um das ursprüngliche Thema anszusehen

    keyla
    Achtung, keine Sternchen
    *
    *
    *
    *
    *
    *
    *
    *
    *
    *
    Hallo in den Abend,

    der angehängte Text ist nach einer sehr berührenden Visualisierung entstanden, er hat etwas mit den inneren traumatischen Räumen zu tun, den "Kindern" die darin leben und auch mit einer Trostidee.

    Bevor ich ihn geschrieben habe, war mir eine ganze Weile geradezu die Sprache abhanden gekommen - ich habe gedacht, nach dem für mich ganz verstörenden Bruch mit der Therapeutin, mit der ich viel über Texte gearbeitet habe, könnte ich nie wieder schreiben.

    Ich habe dann an einem Tag das in mir, was Worte hat, ganz sehnsuchtsvoll und auch verzweifelt gerufen und war ganz froh, als sich dann eine Stimme aus den "Nicht-Orten",den "weißen, stummen Räumen des Traumas" gemeldet hat. Na ja, den wollte ich jetzt mal einstellen. Er kann schon triggern, also paßt auf euch auf, aber er hat für mich auch etwas Wärmendes, Tröstliches.

    Ich freue mich, von Euch etwas darüber zu hören - vielleicht auch dazu, wie wir die Traumaorte zu besseren Orten umgestalten können.

    Es grüßt sehr herzlich

    Keyla
    alisea
    Hallo Keyla!
    Habe Deine Erzählungen aus dem Nicht-Ort mehrere Male gelesen und sitze nun weinend vor dem PC. Du hast mir mit der Beschreibung des Nicht-Ortes eine Erklärung gegeben für die von mir mein Leben lang empfundene Sprchlosigkeit. Du hast diesen Nicht-Ort in mir berührt, so dass ich weinen und Dir antworten kann.

    Danke!!!

    Du schreibst:
    "Es ist der Ort, der uns gerettet hat, es ist der Ort, der uns manchmal zu töten scheint"
    Genau so empfinde ich ihn. Die Unfähigkeit mich auszudrücken - sprachlos zu sein - macht mich einsam und bringt mich -immer wieder- um.

    Weißt Du noch mehr von dem Ort zu erzählen?.
    Ist die Formulierung "Nicht-Ort" Deine eigene?

    Alisea
    keyla
    Liebe Alisea,

    vielen Dank für Deine Antwort, die mich sehr berührt hat. Ich denke ja manchmal, dass ist eine Lebensaufgabe, den sprachlosen Räume eine Sprache zu geben, den mundlosen Kindenr einen Mund.

    Die Bezeichnung "Nicht-Ort" ist von mir, es ist ja tatsächlich ein "Un-Ort", wie ein blinder Fleck auf der inneren Landkarte...wenn ich da bin, fühle ich mich manchmal wie vereist aus der Welt, vereist, ohne das es einen Reiseort gibt, so als wäre man von jedem Ort aus vereist.

    Wie empfindest Du den "Nicht-Ort"?

    Liebe Grüße

    Keyla
    alisea
    Liebe Keyla!
    Bei mir löst der Gedanke an den Nicht-Ort ambivalente Gefühle aus. Er war und ist ein Ort in mir, in den sich meine verwundete Seele zurückzieht. Der innerliche Schmerz ist oft kaum zu ertragen und ich möchte am liebsten sterben. Der innerliche Rückzug ist auch meist mit körperlichem Rückzug gekoppelt ist. Der Nicht-Ort ist ein Ort der Einsamkeit und ein Ort der Versteinerung: In meinem Schmerz fühle mich gefangen, gelähmt, sprachlos, unfähig, Kontakt aufzunehmen.

    Angst
    Mein Herz klopft. Angst, etwas falsch gemacht zu machen, ausgeschlossen zu werden, sterben zu müssen. Ein Kloß im Hals, kein Wort kommt heraus. Ich bin im Un-Wert- Ort. Ich fühle mich klein, machtlos, ausgeliefert, unwert.
    Immer wieder dieses Hineinstürzen in den Nicht-Ort, den Un-Wert-Ort!!!
    Am schlimmsten ist die Sprachlosigkeit. Sprache würde mir Macht geben, meine Gefühle aufzuschreiben oder mich jemandem mitzuteilen – meine Angst zu bannen. Stattdessen fühle ich wirres Durcheinander. Der Kopf schwirrt, das Herz flattert.
    Ich konzentriere mich auf die Atmung, bete laut.
    Ich hole meinen Laptop. Zum ersten Mal kann ich meine Gefühle und Gedanken aufschreiben. Gott sei Dank!

    Vielleicht kann ich das nächste Mal meine Freundin anrufen - oder hier schreiben.

    Alisea
    keyla
    Liebe Alisea,

    ganz herzlichen Dank für Deine Antwort.
    Interessant finde ich, dass Du vom "Nicht-Ort" als Un-Wert-Ort schreibst - mir kommt das manchmal so vor, als wäre man als Mensch gar nicht vorhanden, was ja in der Traumasituation ja oft auch de facto so war.

    So als würde sich das Einen-nicht-als-fühlender-Mensch-sehen-können der "Verwunder", Täter in einem fortsetzen. Die Versteinerung finde ich auch ein gutes Bild, das handlungs- und bewegungsunfähig sein. Ich selber kenne das auch, erlebe es aber oft eher, dass meine Bewegungen, Handlungen wie etwas Fremdes, wie die eines nicht zu mir gehörenden Wesens sind.

    Eine Freundin anrufen oder hier schreiben ist eine gute Idee: herzlich Willkommen für alles, was sich da ausdrücken will!

    Liebe Grüße

    Keyla
    hammy
    Hallo Keyla!
    Hab deinen Text gelesen! Er ist wunderbar!
    Hat mich sofort an ein Buch von Stephen King erinnert, das ich vor langer zeit mal gelesen habe, es heißt "LOVE"! Es handelt auch von einem solchen Ort den jeder anders nennt. Leider triggert dieses Buch ziemlich oft, zumindest bei mir und es werden leider auch keine * benutzt.
    Und es is leider auch sehr lang und manchmal mühsehlig zu lesen, aber für mich hat es sich gelohnt!
    Wollt es dir nur erzählen, damit du es vielleicht auch mal liest und weist das wir mit solchen Orten nit so allein sind wie es einem manchmal vorkommt. Und vielleicht hilft es dir auch dich an deinen Ort zu bringen, bei mir hat es sehr geholfen meinen Ort besser zu finden und damit umzugehen.
    Vielleicht bei dir auch, aber wie gesagt bitte mit vorsicht lesen, aber vielleicht triggert es bei dir auch nit so sehr.
    Liebe Grüße
    Hammy
    keyla
    Liebe Hammy,

    ganz herzlichen Dank für Deinen Literaturtipp - Stephen King schreibt ja oft sehr eindringlich und ich kann mir gut vorstellen, dass das triggert. Aber die Ekundung des inneren "nicht-Orts" ist doch ein Thema, was mich sehr beschäftigt, betrifft. Ich werde mir das Buch auf jeden Fall einmal bestellen und wenn ich es gelesen habe, berichte ich davon.

    Herzliche grüße

    Keyla