| keyla |
Achtung: Keine Sternchen
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Hallo an alle,
jetzt habe ich so lange nicht mehr geschrieben und möchte mich erstmal bei denen, die mich kennen, entschuldigen. Es gibt immer wieder Zeiten, wo ich nicht schreiben kann - entweder, weil es mir sehr schlecht geht, weil die Arbeit mich grenzenlos überlastet oder weil etwas in mir Pause braucht von dieser Art von Auseinandersetzung. Jetzt dachte ich gerade: Darf ich nach so langer Zeit noch etwas schreiben? Aber ich mache das jetzt einfach mal und versuche den Faden wieder aufzunehmen.
Diesmal war der Grund meines langen Schweigens, dass ich noch in jüngster Zeit zwei schlechte Therapieerlebnisse hatte, die mein altes Therapietrauma (Mißhandlung in der Therapie) wieder so aktiviert haben, dass es mir extrem schlecht ging, eigentlich auch noch geht, auch wenn es schon besser ist als in der Zeit direkt danach. Aber durch die lange Leistungseinschränkung habe ich jetzt auch noch massive Problem mit meinem Geschäft - ich bin selbstständig - so dass die Existenzängste das ganze "Traumafeld" immer wieder aktivieren.
Zum Hintergrund vor 10 Jahren: Ich bin damals von einer Psychologin und Psychotherapeutin, bei der ich damals in einer Psychotherapie war, in Köln im Rahmen einer Psychotherapie physisch und Psychisch mißhandelt worden (die Mißhandlung war im Rahmen einer SKAN Körpertherapie: mehr über das Verfahren auf der Seite www.*** von R*** H***, wobei das natürlich nicht die Schuld des Verfahrens ist) Während der Mißhandlung (nach der ich u.a. die ganzen Oberschenkel voll blauer Flecken hatte) hat sie mir die Kleider weggenommen (ich war in dem Setting bis auf den Slip nackt)und mich angeschrieen, ich käme nicht aus dem Raum Dabei ist sie m.E. in eine Täteridentifikation gerutscht und vom Opfer zum Täter geworden. Trageischerweise hat das ein Beziehungsmuster mit meiner Mutter wiederholt, die mich auch mißhandelt hat. Will heißen, durch die Gewalt in der Therapie habe ich im Rahmen einer Traumatherapie nochmal dasselber Trauma wiedererlebt.
Hier mal etwas mehr Details als im Januar zu den Therapieerlebnissen: Es ist nicht zu neuen physischen Mißhandlungen gekommen, das muss ich gleich sagen. Aber das Schlimmste war für mich, dass ich nach den langen Jahren, in denen ich wegen der alten Traumatisierung keine Folgetherapie machen konnte, sehr lange gesucht habe und alle meinen Mut zusammengenommen habe und dann trotz meiner sehr bewußten Suche direkt wieder schlechte Erfahrungen gemacht habe.
Bei der einen Therapeutin bin ich extra von Köln aus immer in die Schweiz gefahren. Die hatte sehr viel und auch anrührend über das Thema "Trauma" publiziert (von ihr hatte ich auch mal einen Artikel eingestellt) und ich dachte, ich könnte bei ihr sicher sein, bei jemandem Kompetenten angekommen zu sein.
Es hat mich so schockiert, dass sie auch ganz eklatante Fehler gemacht hat, was Grenzen angeht. Im Rückblick würde ich sagen, dass da so etwas wie eine wechselseitige Idealisierung stattgefunden hat. Ich war sehr berührt von dem, was sie publiziert hat und habe sie deswegen innerlich als eine Art "Übertherapeutin" angenommen. Aber das Fatale war: Sie war auch sehr fasziniert von meinem Schreiben und wir haben in dem Setting deswegen über Literatur gearbeitet. Im Nachhinein hatte ich den Eindruck, dass sie mich dann angefangen hat zu idealisieren im Sinne einer "begabten Idealpatientin", die durch ihre Therapie ihre Begabung leben kann und dadurch, dass sie so eine gute Therapeutin ist,ganz tolle Texte hervorbringt. Sie hat die Grenzen zwischen Therapie, literarischer Mentorbeziehung und Freundschaft sehr stark verwischt. So schrieb sie mir dann Mails aus dem Urlaub, hat mir Geburtstagsgeschenke gemacht, mich "Wortfürstin" genannt usw.. Alles auf den ersten Blick sehr liebevoll und "süß", aber etwas, was den Rahmen therapeutischer Distanz absolut verlassen hat. Und bei unserem ersten Konflikt - den muss ich einmal an anderer Stelle genauer beschreiben - reagierte sie dann wie eine gekränkte Freundin, hat mir meine Wahrnehmung abgesprochen, mich entwertet und drohte mit Beziehungsabbruch.
Dadurch ist bei mir die ganze alte Trauma wieder aufgebrochen - ich hatte seit letzten August massivste Angstzustände und über längere Zeit auch Depersonalisations- und Derealisationszustände, wie ich sie nicht mehr erlebt habe, seit ich 19 bin - eigentlich noch schlimmer als in der Zeit der Mißhandlung der alten Therapeutin. Interessanterweise ist das eine ähnliche Dynamik, wie ich sie mit meiner Mutter erlebt habe, dieses Kippen zwischen Idealisierung als "hochbegabte Supertochter" und Abwertung, Mißhandlung, Wirklichkeitsverdrehung.
Kennt das jemand auch, in der Therapie eine Art "Idealisierung" erlebt zu haben? Also nicht nur in dem Sinne, dass man selber den Therapeuten als "Retter" idealisiert (was ja häufig passiert und wohl "normal" ist), sondern auch, idealisiert zu werden und dann zu erleben, wie die Situation "kippt"? Und kennt es jemand, Beziehungsmuster aus der Familie in der Therapie so wiederzuerleben, dass der Therapeut da eine "Rolle ausagiert" will heißen, sich nicht nur in der eigenen Wahrnehmung sondern tatsächlich so verhält, wie man das aus familiären Zusammenhängen kennt?
Und wie geht ihr mit Verletzungen und "Kunstfehlern" in der Therapie um? Bei mir ging das leider in beiden Fällen (den zweiten beschreibe ich nochmal an anderer Stelle) nicht anders, als durch Abbruch, da wg. der Mißhandlungerfahrung Therapiekonflikte, bei denen ich merke, dass der andere "sich nicht mehr im Griff" hat und die Rolle des Therapeuten verläßt bei mir richtig Todesangst auslösen.
Einen sehr lieben Sonntagsgruß!
Keyla |
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| bambam |
Liebe Keyla,
ich habe dich gelesen und muss das erst mal sacken lassen. Ich selbst habe noch nicht so viel Therapieerfahrung und mit meiner Wahl meiner Thera sehr viel Glück gehabt. Natürlich gibt es auch zwischen uns mal Missverständnisse oder auch Verletzungen. Ich muss jedoch erstmal darüber nachdenken, wie ich damit umgehe. Das ist mir - seltsamerweise - gar nicht präsent. Ich bin wohl ziemlich gut im Verdrängen..... Deshalb an dieser Stelle "nur" einen lieben Gruß und ein "ich freue mich, dass du hier wieder schreibst".
Gruß, bambam |
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| silvermonas |
Liebe Kyla
ich musste erstmal tief Luft holen, es tut mir so leid,das Du wieder so ein Pech hattest und hast sogar so eine weite Anreise immer in Kauf genommen, und dann sowas
so eine Grenzverletzung seitens der Therapeutin
mir kam zuerst in den Sinn ob Therapeutinnen überhaut das Wahre für Dich sind, und Du vieleicht bei einem Therapeuten besser aufgehoben wärst
ja ich habe es schonmal erlebt das sich Dinge aus der Vergangenheit in der Therapie wiederholen
und ich bin verbal damals massiv verletzt worden von meiner Therapeutin
das konnte ich bis heute noch nicht überwinden und es komtm noch sehr oft hoch
eine Idealisierung seitens der Therapeuten habe ich nicht erlebt
was möchtest Du nun weiter tun? |
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| shawnee |
Liebe Keyla,
wollte nur mal Hallo sagen und das Du Dich nicht entschuldigen mußt. Jede/r so, wie er/sie kann.
Ich habe so überhaupt keine Erfahrungen mit dem,
was Du durch machen mußt, aber, ich bin hier und lese Dich.
Liebe Grüße
Shawnee |
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| haikala |
Hallo Keyla!
"Ausch" sage ich da nur. Sowas darf einem Profi-Therapeuten echt nicht passieren. DARF einfach nicht... aber wie so vieles, was nicht darf, passiert es trotzdem. :(
Ich hätte dir eine gute Therapieerfahrung gewünscht... jetzt ist es wahrscheinlich noch unendlich viel schwerer, sich ein weiteres Mal einzulassen (ich weiß gar nicht, ob du das möchtest?). Puh. Ich merke, ich habe viel im Kopf, aber es käme nur sehr wirr heraus, ich glaube, ich denke besser noch in Ruhe darüber nach. :)
War das Ganze denn als Therapie deklariert oder waren da schon die Grenzen verwaschen?
Naja, erst mal "nur" liebe Grüße und :listen:!
h. |
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| keyla |
Hallo, ihr Lieben!
erste einmal ganz herzlichen Dank für die lieben Antworten - ich habe mich ja ehrlich gesagt gar nicht mehr getraut zu schreiben.
@silvermonas: Also, mit Deiner Bemerkung, ob eine Therapeutin das richtige für mich ist, hast Du schon recht. ich war danach allerdings bei einem Mann, bei dem es auch ganz schön schräg gelaufen ist. Aktuell bin ich aber wieder bei einem Mann - todesmutig, denn ich habe gedacht, wenn ich jetzt nicht schnell wieder "auf Pferd aufsteige" mache ich das nie wieder. Was sich gutes über ihn sagen läßt, dass er absolut nicht in einen Machtkampf geht und sich auf wohltuende Weise persönlich "raushält". Allerdings bin ich noch immer so verstört von dem erlebnis mit der Therapeutin, was einfach menschlich sehr tief ging, dass ich noch immer nicht auf dem Stand bin wie vor dieser "Therapie". Aber es war eine sehr gute Frage - durch meine sehr schlechten erfahrungen mit Frauen triggern mich Männern deutlich weniger.
@Haikala Die Frage, ob das denn als "Therapie deklariert" war, ist auch eine gute. Denn ich denke, dass Setting war von Anfang an "verwaschen" - auf der Grenze zwischen Literatursalon und Therapie, das auch von meiner Seite aus, weil das Setting "Therapie" doch ein sehr Bedrohliches für mich ist. Und sie ist da auch stark in der Rolle hin- und hergekippt. Hat dann eimal "Kinderpersönlichkeiten" eingeladen, eine neue Erfahrung mit dem Weiblichen zu machen und ihnen Geschenke gemacht, dann wieder wie eine Literaturkritikerin agiert, dann wie eine gekränke Freundin...
Aber es war schon so, dass ich mit zu der Verwischung beigetragen habe, was vielleicht auch ein Muster von mir ist. In gewisser Weise habe ich sie auch "verführt" - nicht erotisch, sondern ich habe ihr ein intelektuelles Angebot gemacht, von dem ich wußte, dass sie darauf abfährt und sie in einer Weise aufgewertet, von der ich "wußte", dass sie dafür anfällig ist. Nicht bewußt, aber getan habe ich das schon. Mich hat das nur so schockiert, in welchem Umfang sie das eben nicht reflektiert, sondern auch ausagiert hat. Ein schweres Thema...ich schwanke da zwischen "es ist meine Schuld" (ein Klassiker) und "es ist aber ihre professionelle Verantwortung, unabhängig davon, was ich anbiete, da abstinent zu bleiben und sich nicht zu verstricken".
Mir ist nur klar geworden, dass ich in der Therapie gar nicht "geliebt" werden will (das war bei der mißhandelnden Therapeutin auch so, dass die sozusagen "überempathisch" auf mich reagiert hat und dann bei einer Kränkung "ausgetickt" ist), sondern dass mir "gemocht werden" absolut reicht. Zuviel "Liebe" oder "Nähe" ist da für mich mittlerweile sehr bedrohlich, weil ich dann Angst habe, dass der andere seine Verletzlichkeit nicht im Griff hat.
Wie ist das bei Euch? Wie geht Ihr mit Nähe und Distanz in der Therapie um?
Liebe Grüße!
Keyla |
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| silvermonas |
Hallo Keyla
Es ist sehr gut, das Du nicht aufgiebts und es nun bei einem M*nn versuchst
es ist absolut nicht Deine Schuld,das die Therapeutin so reagiert hat,denn es ist normal und gehört ja auch in einer Therapie dazu das der Patient in alte Verhaltensmuster fällt, und auch den Therapeuten auf eine Art austestet
um zu sehen, wie weit geht der Therapeut, inwieweit bin ich sicher bei ihm /ihr
es gehört zur proffessionaltität eines Therapeuten dazu, da richtig zu reagieren, und nicht auf solche Test und Verhaltensmuster reinzufallen und darrauf zu agieren
wie gehe ich mit Nähe und auch Liebe in der Therapie um
bei meinen jetzigen Therapeuten erlebe ich eine sehr nahe intensive emotionale Nähe
die auch von ihm aus geht
in dem er mir auch oft schon gesagt hat, wie nett und sympathisch er mich findet und er mich auch nach Therapieende niemals vergessen wird,
diese Nähe tut uns allen sehr gut,zu spüren gemocht zu werden, sogoar sehr gemocht zu werden
aber auf der anderen Seite tut es auch weh, weil wir ja wissen das wir ihn verlieren werden und ihn nie wieder sehen werden,und da noch gar nicht abschätzen können wie wir damit umgehen werden, wenn die Therapie mal zuende ist.
denn da ist endlich mal ein Mensch, der uns mag, bedingslos mag
der wie ein Freund ist, wir lachen auch viel zusammen in der Therapie
und dann kannn er doch kein Freund sein, und wir müssen uns gegenseitig bald loslassen.
aber trotzdem bereue ich diese emotionale Nähe nicht, denn sie ist auch gut und förderlich für die Therapie denn wir haben ein endloses Vertrauen dadurch zu ihm. |
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| cosmea |
Hallo Keyla !
Möchte "nur mal loswerden", dass ich das, was du schilderst, einfach beeindruckend reflektiert und nachvollziehbar finde !!
Ich wünsche dir weiterhin soviel Mut und Kraft und :Laß dich nicht unterkriegen !
Lieben Gruß
Cosmea |
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| vergessen |
Hallo Keyla
Hallo Keyla
Das Problem, von Bezugspersonen mit überichmässigem Anteil idealisiert zu werden kenne ich auch. Seid Jahrzehnten (obwohl ich noch nicht uralt bin) kann ich noch nicht anders, als folgendermassen mit dieser irritierenden Sache (man wird ja dann immer für was gehalten, das man nicht ist): Ich stelle mich doof. Immerhin vielleicht schon ein Fortschritt zu einer vor allem während meiner Studienzeit (nachdem mich meine Eltern rausgeschmissen hatten) Variante wohl desselben Schutzmechanismus: Ich verletzte.
Hast du tatsächlich ausserordetliche Talente, dann weisst das mur du selber und genau dann gelingt es dir, etwas intellektuell, kulturell, spirituell, humanistisch, kapitalistisch, etc wichtiges zu schaffen, wenn das Resultat dich glücklich ist, ohne dass du die Kritik oder das Lob der anderen Menschen brauchst.
Lieben Gruss vergessen |
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| hella |
Liebe Keyla,
dass Du auch mit dieser Therapeutin in der Schweiz so blöde Erfahrungen gemacht hast - ach menno! :nono:
Vielleicht hilft das etwas: :hand:
Toll, dass Du trotzdem dabei bleibst!
Ich meine zu verstehen, was Du geschrieben hast. Und ich kenne das durchaus auch, weil ich (ich meine Du auch) selber aus einem therapeutischen Beruf komme. Ich finde es manchmal schwierig, da die Grenze zu ziehen zwischen therapeutischem Kontakt und der eigenen Kompetenz, die man ja trotzdem durchaus hat.
Mein Weg in den letzten Jahren war der, dass ich selbst mich sehr genau beobachtet habe und es den Therapeuten gegenüber auch ausgesprochen habe, wenn ich da so Erlösungsphantasien und Überidealisierungen bemerkt habe. Auf beiden Seiten. Nun bin ich Gott sei Dank mit beiden Therapeuten da auf Leute gestossen, die damit umgehen konnten und die selber darüber reflektierten, dass es da gewisse Idealisierungen gibt. Das war sehr hilfreich.
In einer anderen Therapierichtung, eine rein körperlich orientierte Arbeit, ist das aber auch schon mal anders gewesen. Das war irgendwann so verwickelt, dass ich keinen Ausweg mehr sah und das auch abbrach. Ich hätte damals nicht gewusst, wie ich das sonst hätte lösen sollen. Denn erstmal war ich nicht klar genug abgegrenzt, Grenzüberschreitungen im Keim zu ersticken, damit sie gar nicht erst Platz bekommen (z.B. mails, Anrufe), und zum Anderen war der andere leider nicht in der Lage, seine Rolle da zu reflektieren. Er ging in der Arbeit so auf, weil er die Patienten zur eigenen Stabilisierung und Strukturierung brauchte. Das konnte ich nicht gebrauchen und bin deshalb dort weg.
Ich weiss übrigens, dass dieser Mensch für andere Leute sehr hilfreich und unterstützend ist und von vielen Leuten geschätzt wird. Das kann ich auch verstehen, weil er fachlich wirklich Spitze ist. Aber wir beide passten halt nicht zusammen.
Ich hoffe, da war was Hilfreiches dabei.
Liebe Grüsse, hella |
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| bambam |
Hallo Keyla,
mir scheint, dass die Problematik sehr komplex ist und dachte spontan, ob dir evtl. zunächst Supervision eher helfen könnte, alles unter die Füße zu bekommen und dann erst mit Therapie weiterzumachen, sofern das dein Wunsch ist.
Aus deinem Erzählen heraus habe ich stark den Eindruck, dass die schweizer Thera ihrer Aufgabe nicht nachgekommen ist, sie nicht professionell gearbeitet hat. Soweit ich Therapie verstehe, ist sie gerade dazu da, solche Verhaltensmuster zu erkennen, aufzudecken und daran zu arbeiten und nicht, sie zu verstärken und sich als Professionelle darin zu verstricken.
Vermutlich warst du für diese Thera die Antwort auf eine Sehnsucht und sie ist in diese Falle getappt und hat die Distanz verloren.
DU gehst zur Thera um Hilfe zu finden. Nicht, um ihre Bedürfnisse und Träume zu erfüllen. Auch wenn du deinen Anteil darin erkennen kannst - was ich sehr beachtlich finde - ist es doch an ihr, dem entgegen zutreten und dir einen Weg, eine Möglichkeit aufzuzeigen, dieses Mutter-perfekte Tochter-Schema aufzuweichen und ggfs. zu verlassen.
Zu deiner Frage von Distanz und Nähe: Meine Thera stellt verbale Nähe her. Keine körperliche Nähe, die ich persönlich jedoch sehr brauchen würde. In dieser Hinsicht hat sie deutliche Grenzen. Über Missverständnisse und Verletzungen reden wir. Allerdings kann ich nicht immer darüber sprechen und trage manches sehr lange mit mir herum. Aber grundsätzlich ist Raum und Wertschätzung da, dass wir das thematisieren können.
bambam |
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| shawnee |
Liebe keyla,
k*rperlich Nähe oder Distanz läuft in meiner Therapie immer so, das ich sagen darf, was ich brauche und was sie geben kann.
Am Anfang ging gar nix und ihre liebevollen Versuche, mich zu (be)schützen indem sie sich neben mich setzen wollte, konnte ich nicht annehmen.
Ich traute mich auch kaum zu fragen, als ich dann soweit war.
Mittlerweile geht es ganz gut und ich brauche die Nähe, die Nähe, die nicht w*htut, die etwas bedeutet und die etwas fordert.
Gesunde, heilende Nähe.
Bisher gelingt es mir wirklich nur bei meiner Thera.
Was Du gelitten hast, echt, tut mir so leid.
Ich finde Dich sehr m*tig und stark; zu beenden, was beendet werden mußte, weiterzumachen...
Alles Liebe Dir
Shawnee |
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| keyla |
Hallo, ihr Lieben,
erstmal vielen Dank für die ganzen guten Antworten!
@silvermonas: ich habe immer ganz große Schwierigkeiten klarzukriegen, was professionelle Verantwortung eines Therapeuten ist und was nicht - ich habe das so oft erlebt, das Therapeuten "aus der Rolle fallen" und bin da mittlerweile so empfindlich, dass ich andauernd getriggert bin und deshalb wirkliche Grenzverletzungen manchmal gar nicht erkenne - ähnlich, wie wenn man immer Schmerzen hat und der Schmerz keine Signalwirkung mehr hat.
@cosmea Vielen Dank an Dich! Komischerweise funktioniert die Reflektionsfähigkeit fast immer, und zeitgleich ist da auch ein Teil (oder mehrere), die völlig verzweifelt und verstrudelt sind. Aber es ist trotzdem schön, wenn man mal wieder gespriegelt kriegt, dass es den mutigen, klaren Teil auch noch gibt.
@vergessen Lach...Das mit dem "doof stellen" hört sich nach einem interessanten Trick an ;-) Bei mir geht glaube ich die Idealisierung gar nicht über "Cleverness", sondern...ja was eigentlich? Also bei Ihr war das so, dass ich glaube ich eine ganz tiefe Sehnsucht bei Ihr nach "geistiger Berührung" angesprochen habe. Das ist eine komische "Gabe" die ich manchmal wohl habe, auche ein Fluch...
@hella Nein, ich komme nicht aus dem therapeutischen Bereich, aber weil ich mir wegen der langen Zeit ohne Therapie soviel an Eigentherapien ausgedacht habe und mittlerweile was das Thema "Traumatherapie" angeht super belesen bin, habe ich sicher da eine ziemlich hohe Kompetenz. und gleichzeitig ein ungeheures Kontrollbedürfnis, was es dem anderen nicht immer leicht macht. D.h. ich stelle den anderen sehr schnell in seiner professionellen Kompetenz in Frage und ich mache das oft so treffend, dass es schon sehr viel Souveränität braucht, um dem standhalten zu können. Diese sehr treffsichere "Entmachtung" ist ein Verteidigungsmechanismus, der leider viele in einen Machtkampf gehen läßt, so als würde ich sie damit im Kern ihrer therapeutischen Identität treffen. Und diesem Machtkampf bin ich dann oft nicht gewachsen.
@bambam Was meinst Du mit "erstmal Supervision" - ein Setting, was die Auseinandersetzung mit der Therapeutin reflektiert? Oder die Rollenverteilung in der Therapie zum Inhalt hat? Was absolut stimmt ist, dass ich eine Sehnsucht von ihr getroffen habe. Ich wollte so gerne zu ihr hin und ich habe gedacht, ich könnte das nur erreichen, wenn ich sie innerlich erreiche. ich habe allen ernstes gedacht, ich muss ihr das perfekte essay schicken, damit sie mich "nimmt" - das habe ich dann auch gemacht, mit gedichten, die an einen Schriftsteller angelehnt waren, über den sie publiziert hat (Paul Celan)...also im Nachhinein hatte das fast etwas von einer "Liebeswerbung", weil ich so von ihren Texten "verzaubert" war. Und habe dann auch versucht, sie auf dieser Ebene zu berühren und zu erreichen. Ich denke im Nachhinein, dieser Kontakt wäre wirklich in einer Freundschaft viel besser aufgehoben gewesen als in so einer Beziehung. Für mich war das so etwas wie die Sehnsucht nach einer Mutter, die endlich mal meine "Künstlerseele" hört. Ich habe dann danach gedacht, ich kann ohne ihr "Ohr" nie wieder etwas schreiben und irgendwie fehlt sie mir immer noch - auch wenn ich einige kleinere Sachen seitdem noch geschrieben habe.
@shawnee Du hast ja schon oft von Deiner Therapeutin erzählt - ich lese das immer mit einer Mischung aus "Das will ich auch Sehnsucht", Trauer, dass ich so schlechte Erfahrungen gemacht habe und Freude, dass so etwas möglich ist. Ich bin da leider in einer komischen Reinszenierungsschleife, das hat irgendwie etwas fatales, wenn die Therapie der ort des Traumas ist - komischerweise war bei mir "Hilfe" immer mit einem "erneut verletzt werden" verbunden - vielleicht auch, weil meine Mutter ihr "Abreagieren" an mir immer als "Hilfe, ein besserer Mensch zu werden" verbrämt hat - ich weiß es nicht. Auf jeden Fall freut es mich für dich, dass Du eine für Dich gute "Helferin" gefunden hast.
So, jetzt nochmal an alle ganz herzliche Grüße in den Fußballabend!
Keyla |
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| hella |
Liebe Keyla,
Du schreibst:
"@hella Nein, ich komme nicht aus dem therapeutischen Bereich, aber weil ich mir wegen der langen Zeit ohne Therapie soviel an Eigentherapien ausgedacht habe und mittlerweile was das Thema "Traumatherapie" angeht super belesen bin, habe ich sicher da eine ziemlich hohe Kompetenz. und gleichzeitig ein ungeheures Kontrollbedürfnis, was es dem anderen nicht immer leicht macht. D.h. ich stelle den anderen sehr schnell in seiner professionellen Kompetenz in Frage und ich mache das oft so treffend, dass es schon sehr viel Souveränität braucht, um dem standhalten zu können. Diese sehr treffsichere "Entmachtung" ist ein Verteidigungsmechanismus, der leider viele in einen Machtkampf gehen läßt, so als würde ich sie damit im Kern ihrer therapeutischen Identität treffen. Und diesem Machtkampf bin ich dann oft nicht gewachsen."
O.k., dann kommst Du halt quasi aus einem therapeutischen Beruf, grins.
Das Problem der hohen Kompetenz und des gleichzeitg vorhandenen Kontrollbedürfnisses kenne ich sehr gut! Mir geht es exakt genau so. Und ich mache es mittlerweile genau wie Du. Ich hole mir Therapeuten rein verbal ganz schnell auf meine Augenhöhe runter, wenn sie denn meinen, dass sie über mir stehen und bleibe stoisch dabei. Ich sage klar an, wo ich Hilfe brauche und erwarte und lasse trotzdem immer wieder laut werden, dass ich mir allein vorbehalte, Dinge zu tun oder eben nicht. Dinge zu probieren oder nicht.
Das bedeutet tatsächlich Auseinandersetzung, die viele Leute scheuen, aber ich habe 2 Therapeuten, die dem standhalten konnten und wollten und immer noch tun. Das mündet dann schon mal in Sätzen wie "Mein Gott, man kann Ihnen aber auch nichts vormachen, Sie merken es ja sowieso.", aber für mich ist das vollkommen in Ordnung. Und für die anderen offenbar auch. Ich spreche sofort an, wenn da irgendwas komisch ist. Meine Therapeuten müssen damit leben, dass ich reinkomme und sage "Können wir mal eine Runde in den Wald gehen, denn ich kann mit Ihnen gerade nicht gleichzeitig im Raum sein, wenn sie derart Aggressionen schieben." Das verwundert dann schon mal kurz, weil man doch eigentlich meinte, dass gar keiner gemerkt hat, dass man....., aber ich merke es und sage es an. Ich bin immer gut damit gefahren.
Ich kenne aber aus Klinikaufenthalten (da mehr als im ambulanten Rahmen) auch die Situation, dass mich Therapeuten dann gemieden habe, Angst vor mir hatten usw. Ich finde das gar nicht schlimm, wenn sie es ansagen und dann weiss man, woran man ist. Und zwar alle Beteiligten.
Was aber bei so einem Vorgehen meines Erachtens nicht passieren darf, ist, dass man sich selber verstrickt. Die eigene Erwartung an die Therapeuten sollte einem klar sein. Gleichzeitige Erlösungsphantasien kann man sich, nach meiner Erfahrung, nicht erlauben. Denn dann wird es wirklich kompliziert.
Liebe Grüsse,
hella |
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| keyla |
Liebe Hella,
"Was aber bei so einem Vorgehen meines Erachtens nicht passieren darf, ist, dass man sich selber verstrickt. Die eigene Erwartung an die Therapeuten sollte einem klar sein. Gleichzeitige Erlösungsphantasien kann man sich, nach meiner Erfahrung, nicht erlauben. Denn dann wird es wirklich kompliziert." Das war ja ein wirklich schlauer Gedanke, denn ich glaube, das passiert mir manchmal. Nicht bewußt, aber meine eher kindlich fühlenden Persönlichkeitsfacetten hüpfen manchmal in Idealisierungungen und Erlösungsphantasien rein, die ich mit meinem kompetenten "Alltagsverstand" nicht immer gleich mitkriege. Ich glaube, ich gebe dann manchmal meinem Gegenüber zeitgleich die Botschaft "Erlöse mich" und "Du sollst keine Macht über mich haben und mir die Verantwortung überlassen". Und dann gibt es Konfusion.
Danke für die kluge Anregung! Das hat zwar ein paar Tage gebraucht, bis das bei mir "gesackt" ist, aber besser spät als nie, gell ;-)
Jetzt muss ich nur noch eine Möglichkeit finden, wie sich die "Erlösungsphantasie" nicht doch durch die Hintertür einschleicht...
Liebe Grüße und Wünsche für innere Sonne in den Trübe-Tassen-Tag
Keyla |
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| hella |
Liebe Keyla,
da bin ich ganz froh, dass ich Dir einen guten Tipp geben konnte.
Die Erlösungsphantasien sind da, das kann man wohl nicht wegdiskutieren. Gut wäre es natürlich, wenn Du es merken würdest. Und zwar relativ zeitnah.
Ein Tipp wäre vielleicht noch, es dem Anderen, also dem Therapeuten, zu sagen. Gleich vorneweg: das es eben sein kann, dass man sich da mit eigenen Erlösungsphantasien in die Quere kommt usw. usf. Ob das geht?
Wenn ich das so schreibe, dann fällt mir mal wieder auf, was die Grundlage all dieser Überlegungen ist. Man braucht für so eine wirklich ehrliche Arbeit einen authentischen Therapeuten. Da führt nichts dran vorbei.
Liebe Grüsse,
hella :winken: |
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| keyla |
Liebe Hella,
im "Merken" werde ich mich mal üben in nächster Zeit. Das Ansprechen in der Therapie fällt mir oft schwer - wegen meiner blöden Hintergrunderfahrung lösen Konflikte in der Therapie bei mir ganz schnell Todesangst aus. Aber letzten Endes führt da natürlich kein Weg dran vorbei.
Im Moment ist es glücklicherweise so, dass ich mit dem jetzigen Therapeut auch sehr wenig "in der Beziehung" arbeite. er nimmt sich als Person sehr zurück, was mir sehr gut tut - ich merke auch, dass das auch starke Übertragungen verhindert, was eine große Erleichterung ist.
Aber wenn etwas komisch ist, dann kann ich es ja auch erstmal hier schreiben...das hilft mir schon sehr...
Ganz herzliche Grüße!
Keyla |
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| hella |
Liebe Keyla,
was Du von Deinem jetzigen Therapeuten und Eurer Beziehung schreibst war bei mir beim ambulanten Therapeuten am Anfang auch so. Er hat sich sehr zurückgenommen und auf der Beziehungsebene von sich aus nichts weiter in Gang gebracht als das Thema, ob ich mit ihm gerade überhaupt im gleichen Raum sein kann. Mir hat das sehr geholfen.
Ich hatte immer das Gefühl, dass ich wirklich viel kontrollieren kann und da er keine Machtspiele spielt, war das der sichere Untergrund, auf dem Vertrauen wachsen konnte. Und das dann letztendlich überhaupt dazu führte, wirklich therapeutisch (im Sinne von fachlich) zu arbeiten.
Ich wünsche Dir sehr, dass Du jetzt gute Erfahrungen machen kannst, da es auch Therapeuten gibt, die SEHR hilfreich sind.
Wenn Du von Deinen Erfahrungen hier schreiben möchtest - mich interessiert es. :)
Ganz herzliche Grüsse aus dem grossen Regenloch,
hella |
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| pic |
Liebe Keyla,
hast Du schon mal überlegt eine therapeutische Richtung auszuprobieren in der es mehr um "erleben" geht, um wegzukommen von der stark intelektuell geprägten Auseinandersetzung?
Also ich denke grad an Gestalttherapie zum Beispiel. Ich habe Gestalt so kennen gelernt, dass ich immer das Gefühl hatte ich kann sehr gut bei mir bleiben und es kommt nicht zu "Beziehungsgerangeln". Auf der anderen Seite wird der Therapeut in so einem Setting vermutlich auch von sich erzählen, was vielleicht für Dich nicht so hilfreich sein würde... Ich finde Gestalttherapie wundervoll, weil es eine sehr annehmendes Verfahren ist und häufig sehr kreativ geprägt. Vielleicht kommt Dir das entgegen?
Nur so ein Gedanke....
Pic |
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| keyla |
Liebe Pic,
das ist ganz lieb, dass Du schreibst. Ich bin allerdings von einer Gestalttherapeutin, die auch Körpertherapie gemacht hat, ziemlich schwer mißhandelt worden (auch physisch). Das ist mein Riesentherapietrauma, was durch die Therapie mit der schweizer Therapeutin wieder hochgespült worden ist - abgesehen davon, dass das eine neue Verletzung war. Wobei das natürlich nicht an der Methode Gestalttherapie sondern an ihr als Person - die Methode finde ich auch sehr schön.
Wobei es mir wirklich gut tut etwas zu machen, wo sich der Therapeut maximal "raushält"...aber das hat natürlich in erster Linie mit einer menschlichen Fähigkeit zu tun, nicht in Machtkämpfe reinzugehen oder den Raum des anderen zu wahren.
Dir ganz liebe Grüße!
Keyla |
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