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    peanut
    hi ihr,

    ich würd hier gerne mal schreiben, wie es mir gerade geht.

    mein arzt hat mir ca vor nem jahr gesagt, ich hätte eine rezidivierende depressive störung. wenn ichs mal mit ein bisschen sarkasmus betrachte, würde ich eher sagen latente depressive störung. da kehrt nix wieder... es ist einfach immer da. ich bin ein dauer-depri.
    letzten sommer war es noch ganz ok. ich habe eine reha in einem werkforum angefangen. (vor etwa 2 jahren habe ich die schule kurz vorm abi geschmissen und seitdem keine ausbildung, studium oder sonstiges angefangen. ich wurde für arbeitsunfähig erklärt und im sommer bekam ich dann den reha-platz.) es gefiel mir eigentlich ganz gut dort. ich war im pc-bereich, ich arbeite gern am computer, bin vielleicht kein freak, aber ich lerne schnell und kann logisch denken. wir haben zunächst übungen bekommen, um die office-programme kennen- und benutzen zu lernen. arbeitsbeginn 9 uhr, insgesamt nur 4 stunden, mit mehreren pausen und sogar einem mittagessen kurz vor feierabend.
    doch nach 2 wochen war ich schon überfordert - von nur 4 stunden täglich arbeiten. ich meldete mich ab, ließ mich krankschreiben. die leute im werkforum hatten verständnis, es ist ja eine einrichtung für psychisch kranke, solche einbrüche kennen die. doch nachdem ich über 6 wochen krankgeschrieben war, musste meine reha als "ruhend" gemeldet werden - wegen finanzieller geschichten vom amt, ist da so ne regelung.
    ich hatte jetzt mehrmals wieder gespräche da, aber konnte und wollte noch nicht wieder anfangen. seit august bin ich durchgehend in einer depressiven phase, manche tage sind schlimmer, an manchen geht es etwas besser. nur dass es so lange hält, das kenne ich nicht.

    mein tagesablauf sieht im moment so aus:
    6 uhr - das erste mal aufwachen, ne weile wachliegen, wieder eindämmern.
    9 uhr - aufwachen, weil t. aufsteht. im halbschlaf und mit offenen augen daliegen, gefühl, als wäre halsabwärts alles gelähmt. ich werde wacher, aber nur körperlich, nicht mental. ich denke nichts, fühle nichts, gucke die wand an. starre stundenlang auf meinen wecker, ohne die uhrzeit wahrzunehmen.
    12-13 uhr - langsam ein bein nach dem nächsten auf den boden stellen, aufrichten, ne weile dasitzen, dann aufstehen. die größte hürde des tages ist geschafft. in die küche gehen, kaffee machen. obwohl der nicht viel hilft gegen die lahmheit, ist nur der gewohnheit wegen. in ne wolldecke einwickeln, auf den balkon gehen, eine rauchen. oder 2.
    ins wohnzimmer gehen, ne weile dumm rumstehen. ich müsste mal wieder staubsaugen. oder die wäsche aufhängen, die liegt schon seit gestern in der maschine. ne, heute nicht. keine kraft.
    computer anschalten, auf toi gehen, an den pc setzen. ziellos im netz surfen.
    15 uhr - in ner stunde kommt t. nach hause. will nicht, dass er mich so sieht, er macht sich dann immer so nen kopf. will zeigen, dass ich mich bemühe. ins bad gehen, waschen, zähneputzen, anziehen. eine rauchen. wieder vorn pc setzen.
    16 uhr - t. ist noch nicht da. wo bleibt er???????
    16.10 - t. ist da. endlich! falle ihm fast heulend um den hals, sage ihm, wie sehr ich ihn vermisst hab. klammere so sehr an ihm, dass es mich selbst anwidert.
    wir setzen uns beide an unsre pcs, daddeln zusammen. (wir spielen beide seit über 2 jahren everquest2, ein online-rollenspiel. sind mittlerweile mitglieder in einer gilde, die in deutschland die erfolgreichste und beste ist und weltweit in den top 10. sind stolz darauf und es bringt ja auch spaß, jeden tag mit unseren leuten abends auf raubzug zu gehen und böse drachen zu erledigen.)
    18 uhr - t. bittet mich einkaufen zu gehen - ich maule ihn an, er solle gehen, er sagt, er war arbeiten. scheiß argument. na gut, ich gehe los. kaufe aber nur fertigpizza oder sowas.
    19 uhr - wir gehen mit unserer gilde auf raubzug. nebenbei essen wir vorm pc. sorgen sind vergessen, denn sorgen hat meine waldelf-klagesängerin nicht.
    23 uhr - raubzug ist vorbei, wir spielen aber noch weiter.
    2 uhr - sind müde und gehen ins bett. gucken noch 1-2 stunden fern.

    ich fühle mich furchtbar, wenn ich mir das selbst durchlese. und ich mache mir vorwürfe. vielleicht bin ich gar nicht depressiv, sondern einfach nur faul, stinkend faul, und benutze die diagnose als ausrede.
    ich denke mir immer, ich muss mich mal zusammenreißen, verdammt. die wäsche hängt sich nicht von allein auf und auch der abwasch erledigt sich nicht von selbst. vielleicht, wenn man eine spülmaschine hat, aber wir haben keine. und staubsaugen muss ich. und meine tiere bestehen auch einmal wöchentlich auf einen geputzten käfig. aber das ist einfach alles viel zu viel. ich fühle mich wie alice im wunderland, nachdem sie die schrumpf-kekse gegessen hat. die hausarbeit, die zu erledigen ist, ist nicht schwerer geworden. nur bin ich so winzig und kann gar nicht mehr soviel kraft aufbringen.

    ich bin wirklich für jeden guten rat dankbar. ich will das irgendwie ändern und wieder auf die beine kommen. die momentane situation macht mich echt fertig.

    liebe grüße,
    peanut
    mysticgirl
    Liebe Peanut,

    das was du beschreibt ist eine Handfeste Depression, weiß ich weil ich in diesem Bereich arbeite.
    Ich kann dir keinen Tipp geben außer vielleicht, das du einen Arzt konsultieren solltest, evtl. Antidepressiva oder Akupunktur oder Homoöpatisch (Bachblüten) o.ä.

    :trost2: wenn ich darf.

    Myst
    peanut
    hi mystic,

    danke für deine schnelle und liebe antwort.

    ich bin jetzt insgesamt seit 6 jahren in therapie. und seit 5 jahren wurden mir unterschiedliche antidepressiva verschrieben, die ich probiert habe: fluctin, aponal, aurorix und jetzt cipralex, seit 2 jahren.
    bin mit dem cipralex bei 10mg/tag eingestiegen, war zwischendurch auch mal auf 35mg/tag und bin jetzt auf 25mg/tag. habe schon 15 kilo zugenommen. :ziegel:

    scheint nicht wirklich zu helfen. habe mit meinem therapeuten über einen erneuten medikamentenwechsel gesprochen, eventuell nochmal das fluctin testen, da soll ja auch die gewichtszunahme nicht so dramatisch sein. wenn ich weiter zunehme, steht die essstörung von vor 6 jahren wieder vor der tür, da könnt ich wetten. im moment lässt es sich gerade noch so aushalten.

    bloß weißt du, was halt das schlimme ist: ich bekomme gesagt, ich habe eine mittelschwere depression, das geht in ein paar monaten vorrüber. dann heißt es, rezidivierende depressive störung, also nur mehrere wochen kurze depressive phasen und dann wieder "normale" phasen.
    nur der mist geht jetzt schon so verdammt lange. seit jahren hatte ich keine wirklich "gute, normale" phase. es war immer latent da. und zwischendurch nicht wochen- sondern halt eben wirklich monatelange tiefs. und jetzt stecke ich schon seit august, seit einem halben jahr in so einem schub fest.

    peanut
    mysticgirl
    Hi peanut,

    diese Diagnosenbezeichnung könnte passen, wenn es dir in der Depression mal schlecht und mal sehr schlecht geht. Es heißt also nicht das es dir "gut" gehen muss.

    Puh das ist ja schon einiges was du ausprobiert hast.
    Fluctin macht wenig oder fast keine Gewichtszunahme, das stimmt.

    Würd dir gern mehr sagen können....

    Myst