| keyla |
Hallo und guten Abend,
jetzt weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll mit einer Frage, die mich seit einiger Zeit umtreibt. Deshalb fange ich vielleicht mit einer anderen Frage an: Gibt es hier jemanden, der literarisch schreibt und die Idee hat zu veröffentlichen? Oder noch anders: Für den das Schreiben auf der einen Seite etwas "Therapeutisches" hat, der es aber auf der anderen Seite als literarische Arbeit ansieht mit der Idee, intensiv an der "Textform" zu arbeiten, Texte entstehen zu lassen, die auch unabhängig von einem selber anrühren, gelingen, die eben nicht nur Selbstausdruck sondern auch etwas Eigenständiges sind?
Ich habe in diesem Jahr wieder intensiver begonnen zu schreiben und daran gemerkt, wieviel von meinem Leben das Schreiben ausmacht, wie sehr das, was ich am ehesten Seele nennen kann, damit verkoppelt ist. Und für mich war das immer zugleich "Selbstwerdungsweg" wie eben auch eigenständige künstlerische Arbeit, die eben nicht nur etwas mit mir, sondern auch mit dem Text als von mir unabhängiges Geschöpf, als künstlerisches Produkt zu tun hat.
Seit kurzer Zeit taucht jetzt der Gedanke an Veröffentlichung aus. Ich muss dazu sagen, ich habe auch früher schon etwas veröffentlicht, nur waren das Texte, die nicht so nah an meiner Biografie waren oder vielmehr: Die durch die lyrische Sprache die Biografie dahinter fast unleserlich gemacht haben.
Bei den neuen Texten ist das aber so, dass die aus meiner Sicht stärksten Texte so sind, dass ich nicht persönlich von irgendeinem Fremden darauf angesprochen werden will. Sie sind zum Teil verstöhrend, sehr direkt, manchmal wie unmittelbar aus dem "traumatischen Raum" geschrieben, manchmal auch so, dass sie viel mit all dem zu tun haben, was ich an "genesenden Bewegungen" aus dem Trauma heraus mache. Die "guten" Sachen sind sehr nah dran - und ich glaube, ich könnte nur ganz schwer ertragen, das mich ein Fremder als die erkennt, die diese texte geschrieben hat. Und schon gar nicht meine Kunden - ich bin selbstständig und in meiner Stadt relativ bekannt - mich damit in Verbindung bringen sollen.
es hat so etwas Paradoxes, dass "ich" oder ein teil von mir einerseits will, dass diese Texte in die Öffentlichkeit kommen, weil ich will, dass die Atmosphären, Empfindungen, inneren bewegungen traumatischen Erlebens und die Seelenbewegungen, mit denen sich innere Formen und Muster wandeln öffentlich, zugänglich, hörbar, sichtbar werden. und weil ich eben auch denke, dass meine Identität ganz eng mit dem "Künstlerin/ Schriftstellerin" sein verknüpft ist und das auch irgendwie ein Gesicht und Gewicht in der äußeren Welt bekommen soll.
Aber gleichzeitig möchte ich das nicht in Verbindung mit mir, mit meiner Alltagspersönlichkeit, die den meisten bekannt ist. Nicht nur um mich zu verbergen, sondern auch, weil mich das glaube ich viel zu verwundbar macht.
Kennt das jemand? Wie geht ihr - wenn ihr schreibt - mit euren Texten um? Wem zeigt ihr sie? Hat jemand schonmal eigene Texte veröffentlich bei einem Verlag oder einer Literaturzeitschrift, die etwas mit den eigenen traumatischen Erfahrungen oder dem traumatischen Erleben zu tun haben?
Ich freue mich sehr auf Antworten!
Keyla |
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| bambam |
Hej Keyla,
nein, ich habe noch nichts veröffentlich. Und ja, ich bin schriftstellerisch tätig. Weil ich aber noch in den Kinderschuhen mit dieser Arbeit stecke, übe ich in einer virtuellen Schreibwerkstatt, die jeden Monat ein Thema oder den Rahmen und die damit verbundene Aufgabe vorgibt. Dort stelle ich in unregelmäßigen Abständen meine Arbeit ein und bekomme Kommentare von Mitschreiberlingen und Werkstattleitung. Mit zu meinen Aufgaben dort gehört auch, selbst Kommentare zu schreiben zu den Arbeiten der anderen. (nicht zu allen, nur zu ein paar.)
Ich wurde schon öfters gefragt, ob ich nicht veröffentlichen will. Es zumindest versuchen will. Ich finde jedoch, dass ich viel zu wenig Material dafür habe und auch das Handwerk zu wenig beherrsche.
Meine Schreibe hat mit meiner Biografie jedoch nichts zu tun. Ich habe nur einmal eine Geschichte mit biografischem Hintergrund geschrieben und bin damit übelst baden gegangen. Die Kritiken waren nicht zu verkraften, denn Kritiker sind nicht unbedingt fair. Es ist zerstörerisch. Das hat mich davon abgebracht, meine Lebenserfahrungen in meine Geschichten einfließen zu lassen.
Ob das nun eine Antwort war, wie du sie dir gewünscht hast???
bambam |
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| shawnee |
Liebe keyla,
mein Text, mein Leben, mein Bordeline-Gesundungsweg wird im nächsten Frühjahr in einem Buch, das viele Gesundungswege enthält, erscheinen.
Mit meinem richtigen Namen.
Als ich gefragt wurde, ob ich schreiben würde wollen, war ich unsicher. MICH wollte jemande haben? Jemand interessierte sich für MEINE Geschichte?
Das war der H*mmer und ich schriebe, wurde Korrektur gelesen, schrieb weiter.
Dann hieß es, willst Du ein Pseudonym? Nein, ich bin ich und ich stehe zu meinem Weg.
Ja, nun ist der Umschlag fertig, die Geschichte steht in dem Buch und ab Februar steht es dann in den Bücherläden.
Wie es mir damit geht? Ich bin stolz...stolz drauf.
Echt.
Shawnee |
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| haikala |
Hallo Keyla!
Nein, was ich "literarisch" ( ;) ) schreibe, veröffentliche ich nicht, habe es auch nicht vor und kann es mir auch nicht vorstellen - da wäre ich viel zu verletzlich, das sind Dinge, die möchte ich niemandem zeigen, der nicht 100% wohlwollend ist.
Ich glaube, ich verstehe, was du meinst, auch mit dem "nach außen kommen", ein Gesicht bekommen. Ich würde aber (tust du ja sowieso :) ) sehr genau prüfen, ob ich das WIRKLICH will, mit allen Konsequenzen, und ich fürchte, der Literaturbetrieb und die Szene einer Stadt sind nicht gerade ein Ponyhof... ich wäre da vorsichtig.
Andererseits hast du ja doch auch schon (gute, oder?) Erfahrungen gemacht mit dem früheren Veröffentlichen, so dass das neue einfach ein weiterer Schritt ist, aber nicht unbedingt ein Sprung ins eiskalte Wasser, und von daher... hm, nicht einfach. Das immerhin kenne ich von mir; ich schreibe ja nur "Gebrauchstexte", aber auch da kann man manchmal ein Stück von sich zeigen oder man kann es eben bleiben lassen und nur Fassade schreiben. Inzwischen wage ich es zwar mit Vorsicht, aber immer öfter, mich für das Zeigen zu entscheiden (ganz harmlos, hier und da ein einem Nebensatz was durchblitzen lassen, aber erfahrene Leser erkennen tatsächlich MICH dahinter) und bin damit bisher immer gut gefahren - was wiederum Mut gibt, noch mehr Stellung zu beziehen.
Trotzdem, Gebrauchstexte sind nie therapeutisch, und Therapeutisch-Literarisches ist für mich etwas, was nicht für die Öffentlichkeit ist. (Vielleicht spreche ich in zehn oder zwanzig Jahren anders darüber... :D )
Ein Pseudonym löst dein Problem nicht, oder? Es geht ja gerade ums Zeigen/nicht zeigen. Und wo würde es veröffentlicht werden - ich meine regional oder deutschlandweit? Denn wenn ich mit meinem vollen Namen in einer exotischen Literaturzeitschrift stehe, nun ja, die Chancen, dass mich dort jemand findet, der mich kennt, sind doch eher gering, oder?
h. |
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| keyla |
Liebe Bambam,
ganz herzlichen Dank für deine Antwort. Die Angst, dass einen Kritik zu sehr verwundet, wenn das Geschriebene nah an der eigenen Biographie ist oder sich sogar darin sehr verwundbare "Persönlichkeitsanteile" durchsprechen, kenne ich gut. Von daher habe ich mich auch immer gescheut, die Texte in Literaturforen einzustellen. Auf der anderen Seite ist es so, dass meine Biographie immer der stärkste Schreibmotor, letzten endes auch der Grund für mein Schreiben ist. Und dass ich einen Großteil der inneren Entwicklungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, durch das Schreiben vollzogen habe. Und zwar nicht nur im Sinne von Ausdrucksschreiben, sondern gerade durch den Prozess, dass durch die Arbeit an der Form sich meine Geschichte eben nicht in der Sinnlosigkeit von Verwundung geblieben ist, sondern zum schöpferischen Impuls für etwas Eigenständiges - eben einen eigenständigen literarischen Text - wurde. das hat für mich etwas Transformatorisches und ist letzten Endes mit der Sinndimension des Schreibens, aber auch der meiner Biographie verbunden.
Und interessanterweise sind die texte, die "nah dran" sind an meinem Leben literarisch viel stärker - auch wenn das Biographische nicht bei allen direkt lesbar ist, sondern manchmal in der Methapher auftaucht. Und gleichzeitig kann ich mir den Aspekt von kritik, den Du als "zerstörerisch" bezeichnest, gut vorstellen. Denn es ist ja dann, als würde die Kritik nicht einen selbst, sondern das eigene Sein treffen.
Schreibst Du denn noch biographisch? Oder veröffentlichst Dues nur nicht (mit "veröffentlichung" meine ich auch die Schreibwerkstatt)
Wenn Du magst, schick mir mal gerne etwas, was Du geschrieben hast zu - ich bin sehr gespannt.
herzliche Grüße
Keyla
Beitrag ergänzt um 10:53 Uhr:
Liebe Shawnee,
was für ein Schritt! Ich kann mir gut vorstellen, dass Du da "stolz" bist, auch das Staunen darüber, dass die eigene Geschichte von jemand nicht nur geduldet, akzeptiert wird, sondern wirklich gehört werden will, ist bestimmt sehr anrührend.
Wie war das Schreiben für Dich?
Ist es als Biographie geschrieben? Oder als "Ratgeber"? Oder als "Erzählung"? sag mir mal bescheid, wenn es erscheint - ich werde es auf jeden Fall gerne lesen.
Liebe Grüße
Keyla
Beitrag ergänzt um 11:32 Uhr:
Liebe Haikala,
schön, von dir zu hören - nachdem ich über so lange Zeit hauptsächlich Tetris hier gespielt habe, kenne ich viele nur noch vom Lesen. Aber irgendwie hat in diesem Jahr wieder eine neue Schicht von Auseinandersetzung mit mir, meinem Leben begonnen und damit ist die kunst auch wieder in mein Leben zurückgekehrt.
Was Du von der Szene als "Nicht-Ponyhof" schreibst, kann ich gut nachvollziehen - komischerweise haben die Kunstszene ja immer etwas "Verachtungsvolles" und es zirkuliert darin oft viel Klugheit, meist aber wenig Wohlwollen. Woran das liegt, weiß ich auch nicht so recht.
Als ich Deine Antwort las, habe ich nochmal überlegt, wie das ist mit dem "sichtbar werden". ich glaube, mir geht es weniger darum, dass ich als Person sichtbar werde, sondern dass die künstlerische Arbeit in die Welt hinein kommt. Einfach, weil das das ist, was ich in die Welt hineinzugeben habe und was glaube ich eben das Beste ist, was ich zu geben habe. In diesem Jahr ist mir wieder ins Bewußtsein gesickert, wie sehr meine Identität eine Identität als Künstlerin ist, obwohl ich mit etwas ganz anderem mein Geld verdiene. Und damit tauchte dann wieder zaghaft der Gedanke auf, dass es wichtig ist, die künstlerische Arbeit in die Welt zu geben, wann weiß ich nicht. Es ist ja eher etwas, was auf einer feinen inneren Ebene drängelt und ruft und nach draußen will, als etwas rational Geplantes. An guten Tagen denke ich sogar manchmal, wenn etwas so stark in einem ist, dann steht das sogar außerhalb der ängstlichen Frage "Bin ich gut genug", sondern ich denke dann, es ist das, was das Leben von mir will. Ich hoffe, das hört sich nicht zu seltsam an - so aufgeschrieben klingt das, was ja in eine spirituelle Dimension geht, so pathetisch, dass es mich innerlich vor Scham erröten läßt. Aber vielleicht verstehst Du ja, was ich meine.
Verückterweise ist es aber eben nicht so, dass ich das Bedürfnis habe von jemand als die Autorin erkannt zu werden, von dem ich nicht will, dass er mich erkennt. Einer meiner besten Momente war einmal auf einer Kunstaustellung, wo ein ziemlich bekannter Kunstprofessor mir gegenüber meine Arbeit lobte, aber nicht wußte, dass ich sie gemacht habe.
Von daher wäre ein Pseudonym schon eine gute Lösung - es ist mehr die Frage, ob ich auch mit negativen Reaktionen umgehen könnte. Ich denke, das braucht noch Wachstumszeit - vieles ist im Moment auch noch in der Keimphase...vielleicht werde ich dann auch sicherer.
Darf ich Dich noch etwas fragen? Was passiert denn während des Schreibens in Dir? Ich frage deswege, weil ich immer wieder so berührt und erstaunt bin, welche verwandelnden Kräfte das in mir hat.
Liebe Grüße
Keyla |
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| haikala |
Hallo Keyla!
komischerweise haben die Kunstszene ja immer etwas "Verachtungsvolles" und es zirkuliert darin oft viel Klugheit, meist aber wenig Wohlwollen. Woran das liegt, weiß ich auch nicht so recht.
Konkurrenzangst? Oder vielleicht ist es auch einfach nur die Tatsache, dass Kritisieren (im Sinne von "Negatives herausstellen", Fehler finden) leichter ist als Gutes zu benennen?
Ja, schwarz auf weiß klingt manches pathetisch, was in einem Gespräch nicht so wirken würde - aber ich verstehe sehr gut, was du meinst. Ist es nicht etwas sehr Schönes, (s)eine "Berufung" (klingt auch pathetisch :) ) gefunden zu haben?!
Was während des Schreibens in mir passiert... das ist wirklich eine schwierige Frage! Zum Teil ist es einfach "nur" Handwerk (bei Gebrauchstexten). Schön finde ich dabei diesen speziellen Punkt, an dem mir ein Satz/Wort/Ausdruck nach langem Basteln dann gefällt und ich mit einem Mal sicher weiß, so ist es jetzt gut. Das gibt dann irgendwie auch Energie über das pure Schreiben und Arbeiten hinaus; das wirkt noch länger nach. :)
Der andere Teil ist im Moment völlig formlos. Früher habe ich "Inneres" teilweise auch in eine passende Form zu bringen versucht, aber zur Zeit ist mir das gar nicht wichtig; da geht es mir eher darum, es einfach aufzuschreiben, Worte zu finden, es durch das Aufschreiben festzuhalten und aus dem Flüchtigen eines bloßen Gedankens herauszuheben. Geschriebenes hat eben doch mehr Gewicht. Und das präzise Hinschauen hilft dabei, auch Kleinigkeiten nicht zu übersehen und zu übergehen.
Hm, ich glaube, das, was wirklich in der Frage wichtig war, ist immer noch nicht beantwortet. Ich denke weiter darüber nach... aber vielleicht ist es auch einfach un-beschreiblich. :schatz:
Lieben Gruß dir,
h. |
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| keyla |
Liebe Haikala,
jetzt sitze ich hier immer noch mit Schnupfennase und Kaninchenäuglein am PC, kann aber immerhin schon wieder nach einigen Tagen "Grippematsch" im Kopf wieder ein paar Gedanken fassen.
Danke für Deine liebe und interessante Antwort. Vielleicht sollte ich auch mal erzählen, aus was für einem Erleben heraus ich die Frage gestellt habe. Für mich ist das manchmal so, dass es mir vorkommt, als würde sich im Prozess des Schreibens ganz konkret etwas innerlich wandeln, als würde ich damit sozusagen in einen anderen inneren Raum wechseln können. Oder als wäre ich eben auch nicht nur das, was ich im Moment des Schreibens erlebe, sondern auch noch etwas anderes: eine Zeugin, eine Beobachterin, weniger identifiziert mit meinem erleben. und eben auch jemand, der die Möglichkeit hat, den Text des eigenen Lebens und Erlebens, die Muster und sich immer wiederholenden Wege und Schleifen umzuschreiben, neu zu schreiben zu überschreiben. Ein anderer Aspekt ist, dass sich gerade im poetischen Schreiben auch oft innere Stimmen nach außen schreiben, Form und Gestalt bekommen, die vorher oft nur als Diffusität, Angst und Nebel spürbar waren. manchmal ist das dann so, als würde ich direkt aus dem "raum des Tr*umas" schreiben können, manchmal bekomme ich aber dadurch auch Zugang zu verschüttenden schützenden, lebensliebenden, unverwundeten Anteilen. Ich verstehe immer noch nicht so richtig, wie das funktioniert.
Ich habe ja lange Jahre eigentlich nur "Eigentherapie" gemacht, weil mir eben durch meine schrecklichen Therapieerfahrungen dieser Weg verbaut war und vielleicht wirkt das durch dieses "Training" selber an der Wandlung von Mustern zu arbeiten auch so intensiv.
Kennst Du das auch?
Ganz herzliche Grüße in den Abend
Keyla |
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| haikala |
:) ja, das Umschreiben, Neuschreiben, raus aus dem Ausgeliefertsein der Geschichte, das kenne ich gut. Auch die Distanz kann man im Schreiben gut steuern und dosieren, wie nah und explizit man es haben will oder wie sehr verfremdet und geschützt. Alles, was gegen die Ohnmacht hilft, war/ist für mich immer sehr wichtig und wahrscheinlich heilsam. "Wahrscheinlich" steht hier deshalb, weil dieser ganze Prozess des Heil(er)werdens irgendwie doch ein großes Geheimnis ist und ich inzwischen davor kapituliert habe, es verstehen zu wollen. Was bleibt, ist viel Staunen und es "einfach so" hinnehmen. :) (und es tut immer wieder mal gut, sich das bewusst zu machen...)
Gute Besserung weiterhin!
h. |
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| marguerite |
zitat: Ein anderer Aspekt ist, dass sich gerade im poetischen Schreiben auch oft innere Stimmen nach außen schreiben, Form und Gestalt bekommen, die vorher oft nur als Diffusität, Angst und Nebel spürbar waren. manchmal ist das dann so, als würde ich direkt aus dem "raum des Tr*umas" schreiben können, manchmal bekomme ich aber dadurch auch Zugang zu verschüttenden schützenden, lebensliebenden, unverwundeten Anteilen.
*nick* :liebes: ohja, das kenne ich auch sehr gut!
manchmal ist es in der schriftsprache dann auch leichter, passende "bilder" zu finden für die diffusen gefühle als in der gesprochenen, oder die Bilder kommen während des schreibens von allein. gerade zu zeiten, als meine vergangenheit noch komplett neblig war, hat sich auf diesem weg viel nach außen gebahnt. im moment gelingt es mir leider nur selten, aber wenn das geschriebene stimmig ist, macht es mich glücklich! :herz:
vieles hier im thread kommt mir von mir selbst her bekannt vor, auch deine ursprünglichen fragen bezüglich des veröffentlichens. hab leider noch keine antworten darauf, aber lese und denke hier viel mit!
liebe grüße von marguerite, die sich sehr freut, dich hier auch wieder schreiberisch aktiv im forum zu sehen! :) |
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| bambam |
Hi Keyla,
entschuldige bitte, es hat etwas gedauert, bis ich die Kurve für eine Antwort kriegte. Zwar hatte ich schonmal einen Anlauf genommen, wurde dann aber rausgeworfen. Also, auf ein Neues.
Nein, ich schreibe nicht biografisch. Seit ich in Therapie bin, "brauche" ich das nicht mehr. Davor habe ich Tagebuch geschrieben und Gedichte. Evtl. brauche ich das wieder als Ventil, wenn meine Therapie zu Ende ist.
Bitte sieh es mir nach, dass ich dir nichts schicken werde. Ich habe unter allen meinen Dingen ein Copyright mit vollem Namen stehen. Da würde ich die Anonymitätsregeln des Forums brechen.
LG, bambam |
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| gebrocheneleben |
Hallo Keyla
hmmmm ... sicher ist es ein schweres thema und man ist oft hin und her gerissen ... was tun ...
veröffenlichen ... JA oder NEIN
ich habs getan ... mein leben ... mein erlebtes veröffentlicht ... sicher bekommt man auch mal Kritik ... wie kann man nur usw. aber ich muss dir ehrlich sagen ... ich habs nie bereut und ich finde es gut so ...
denn nur durch die erfahrung die man gemacht hat ... kann man andere wach rütteln und vielelicht auch etwas helfen ... mut zu haben um sich mitzuteilen und zu sagen was einem auf dem herzen liegt und wie man unter manch situation gelitten hat ...
ich hätte auch gern ein buch veröffendlicht ... nur leider hatte ich bis heut nicht das finanzielle dafür ... aber es gibt andere weg etwas zu veröffentlichen und es kommt genau so gut an ... wie mit einem buch
das was du für dich tust ... musst du selber wissen ... vielelicht kann es dir helfen ... vielelicht aber auch nicht ... ich hab ein jahr gebraucht um mein erlebtes nieder zu schreiben ... und bin bis heut nicht drüber weg ... sicher hilft es etwas wenn man schreibt ... aber der schmerz die erinnerungen gehen davon nicht alleine weg ...
ich wünsche dir viel kraft und hoffe das du für dich den richtigen weg findest ...
LG
gebrocheneleben
bitte nicht mit Realnamen unterschreiben und keine privaten Homepages angeben - wegen der Anonymität! Danke! :)
vh-haikala |
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| keyla |
Liebe Marguerite,
vielen Dank für Deine schöne Antwort - ich erinnere mich noch sehr gut an Deine Texte. Für mich ist das schreiben immer noch ein Mysterium, ich weiß eigentlich manchmal gar nicht so richtig, was da passiert, nur dass sich im Formulieren etwas ordnet, Form kriegt, dass Nebulöses eine Gestalt bekommen kann - manchmal. Denn manchmal steht mir diese kraft auch gar nicht zur Verfügung, dann fühle ich mich innerlich dumpf und wie abgeschnitten von etwas, was ganz existenziell mit dem verknüpft ist, was ich vielleicht am ehesten "Seele" nennen würde. Manchmal denke ich auch, ich "kann" gar nicht schreiben im Sinne eines Handwerks, was mir zur Verfügung steht, sondern es ist wie etwas, was sich einem schenkt und dann wieder fort sein kann. Kennst Du das auch?
Dir einen lieben Gruß und ich freue mich, von dir zu lesen!
Keyla
Beitrag ergänzt um 19:59 Uhr:
Liebe Bambam,
das kann ich gut verstehen - kein Problem. Komischerweise habe ich ja sehr unterschiedliche Erfahrungen mit den Texten gemacht, die auf biographischem Material basieren. Z.T. habe ich sehr anrührende emotionale Reaktionen erlebt und habe auch selber den Eindruck, dass die mehr literarische Kraft haben. Allerdings habe ich mich auch noch nie getraut, die in einem Literaturforum zur Diskussion zu stellen - da würde ich mich glaube ich zu verletztbar fühlen.
Liebe Grüße!
Keyla
Beitrag ergänzt um 20:10 Uhr:
Liebe Haikala,
ich bin daran hängengeblieben, was Du über das "Wunder" des Heilwerdens sagst. Ich erlebe tatsächlich ja auch immer wieder eine Art Mysterium, was es ja auch schwierig macht, weil es eben keine "Gebrauchsanweisung" für das "Heilwerden" gibt, sondern es immer ein Ruf ins Unbenannte ist. Und Schreiben hat für mich, wenn es gelingt, immer mit diesem "Gang ins Unbenannte" zu tun. Da gibt es von Marguerite Duras ein schönes Zitat "Schreiben heist herauszufinden, was man schreiben würde wenn man schrieben. Man weiß es vorher nicht." Ob das dann Heilung ist weiß ich oft nicht, aber es ist immer etwas, wo eine "lebendige innere Erzählung" weitergeht, was einen aus Diffusität und Starre herausführen kann.
Dir einen schönen Abend!
Keyla
Beitrag ergänzt um 20:23 Uhr:
Liebe gebrochene Leben,
danke für Deine nette ermutigende Antwort. Jetzt habe ich nochmal eine Frage: Hast Du Dein "Erlebtes" so aufgeschrieben, wie man eine Biografie aufschreibt oder in eine andere literarische Form gebracht - z.b eine Kurzgeschichte, ein Essay, einen Roman?
Und wo hast Du das veröffentlich? In einer Zeitschrift? bei einem Verlag?
Mit gespannten Grüßen
Keyla |
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