| marielisa |
Hallo alle,
kennt Ihr das vielleicht, dass Euch alle übersehen? Dass Ihr im Geschäft nicht oder schlecht bedient werdet, Menschen im Bus Euch einfach umrennen, Menschen sich vordrängeln, als ob Ihr einfach nicht da wäret? Dass Ihr im Beruf von den Kollegen als anwesend, aber nicht als präsent wahrgenommen werdet oder dass sich alle an einem großen Tisch miteinander unterhalten, nur Ihr sitzt den ganzen Abend stumm da?
Mir passiert das irgendwie ständig, ich lerne auch niemals in der Bahn oder sonstwo Menschen kennen, während meine Freunde teilweise einfach von fremden Menschen auf der Straße begrüßt werden. Ist das nicht merkwürdig? Wie kann es sein, dass ich für andere "unsichtbar" bin? Wie kann ich sichtbar werden?
Marielisa |
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| wirbelseele |
Ja, Marielisa, das kenne ich gut. Ich "verstecke" mich eigentlich gar nicht. Aber es muss etwas an mir geben, das mich unwichtig erscheinen lässt. Selbst wo ich "Nägel eingeschlagen" hatte, sagte man mir, bei einer Wiederbegegnung, "kein Eindruck, kein Eindruck".
Der alte Kanzler Adenauer sagte mal - "du musst erst einmal ordentlich Mist gebaut haben, dann fällt du auf und du wirst auch später, wenn sich der Rauch verzogen hast, beachtet". |
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| engeline |
Ja, Marielisa,
ich kenne das auch. Es hilft nichts, sich aufzutakeln, laut zu sprechen, nichts.
Aber der Effekt geht weg, wenn es mir gut geht, wenn ich nicht depressiv-grau bin innerlich, sondern bei mir selbst. Ich wünsche Dir etwas :sonne: im November, gegen das große Grau!
Engeline |
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| marielisa |
Danke, das ist lieb von Dir. Ich habe auch schon festgestellt, dass ich einen besseren Lauf habe, wenn ich innerlich zufrieden bin.
Hoffen wir, dass ich bald sichtbar werde!! |
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| marielisa |
Hallo zusammen,
ich muss jetzt einfach etwas zu meinem eigenen Thread hier lassen, denn ich bin einfach soo glücklich!
Seit Freitag habe ich angefangen, mich regelmäßig vor den Spiegel zu stellen und mich einfach mal selbst zu loben. Es war am Anfang sehr schw*r und ich habe erstmal kräftig gew**nt, weil ich mir das Eigenlob nicht erlauben konnte, ich konnte das gute Gefühl im Bauch nicht ertragen, aber es hat soch gelohnt.
Menschen beginnen, mich zu beachten, ich lache viel mehr und mein K*rp*r beginnt, sich aufzurichten. Es ist so toll!
Danke fürs Lesen!
Marielisa |
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| schwarzer_engel |
Das hört sich ja sehr GUT an :D mach bitte weiter
so.wir scicken dir noch ganz viel :kraft:
Liebe Grüße schwarzer Engel |
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| marielisa |
Danke, das ist so lieb von Euch!
Marielisa |
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| marielisa |
Hmm, ich lasse meinen Kram jetzt einfach mal in meinem eigenen Thread, da stört er hoffentlich auch keinen...
Bitte nur lesen, wenn Ihr ein Pfund Leid vertragen könnt, sonst lieber sein lassen. Mache keine Sternchen.
Erstmal eine kleine Geschichte zu Anfang:
Wir waren gestern zum ersten Mal in der Tanzschule und waren ein bisschen früher dran. Haben uns was zu Trinken bestellt und ich habe einen Platz an einem Tisch in der hinteren Ecke ausgesucht. "Da hast Du Dir den richtigen Platz ausgesucht. Das ist die graue Maus Ecke." bekam ich als Reaktion zu hören. Die Tanzschule sei für meinen Freund immer ein Ort der Kommunikation gewesen und das wolle er auch beibehalten. Ich sagte, dass ich nunmal eine graue Maus sei und das dies der richtige Platz für mich sei und wenn er wolle, dass Leute sich mit uns unterhalten, dann möge ER bitte beim nächsten Mal den Platz auswählen.
Mein Spiegeltraining mache ich schon lange nicht mehr. Es kam mir so hohl und inhaltslos vor, mir allmorgendlich zu sagen wie schön ich bin und wie toll und gut. Intelligent, das kann man sich ja noch sagen, aber dann hört es doch schon auf...Irgendwann hat es für mich keinen Sinn mehr gemacht, ich kam mir reduziert vor. Nun bin ich wieder eine graue Maus, aber glücklich bin ich damit auch nicht. Um ehrlich zu sein bin ich sogar sehr traurig darüber. Aber was soll ich machen? Ich bin kein Mittelpunktsmensch. Ich hätte mich nie gestern zu anderen gesetzt, hätte immer das Gefühl gehabt, dass ich die Gespräche der anderen störe, wenn ich versuche, mitzureden. Habe ich überhaupt ein Recht, mitzureden? Die anderen wollen doch eh nicht mit mir sprechen, sonst würden sie sich doch nicht anderweitig unterhalten. Habe ich ein Recht, gesehen zu werden, vor allem dann, wenn ich sie mit meinem antrainierten Verhalten nur dazu manipuliere, mich zu beachten? Würde ich sie nicht manipulieren, würden sie mich nicht wahrnehmen und das ist doch mein natürlicher Zustand. In meinem Normalzustand werde ich nicht gesehen und ist das nicht auch richtig so, den Normalzustand beizubehalten? Habe ich ein Recht, (durch Manipulation möglich gemacht) gesehen zu werden?
Es ist mir peinlich, mich auf der Tanzfläche zu zeigen, es könnte ja jemand sehen, wenn bei mir etwas nicht perfekt klappt. Wir sind immer das letzte Paar, das den Anfangstakt erwischt, wie peinlich...wir werden sogar von anderen umgerannt..auch wenn wir von Leistungsniveau her schon deutlich besser sind als die anderen Paare...Das wiederum sagt mein Freund, ich nehme das alles gar nicht wahr. Ich bin nicht da und hoffe auch, nicht gesehen zu werden. Am besten würde ich mich hinter so ein Guckloch-Fenster setzen und dahinter die neuen Schritte lernen. Wenn sie dann unerreichbar perfekt funktionieren, kann man sich ja nach vorne trauen.
Ich weiß, dass meinen Freund das nervt und dass er durch meine schlechte Laune, die ich dann bekomme, schnell keine Lust mehr am Tanzen hat, aber was soll ich tun? Ich weiß, dass er mich lieber lebenslustig und aufrecht sehen würde, aber wie soll ich dem gerecht werden? Ich kann nicht mehr, mein Magen schmerzt, ich bin müde, ich schleppe seit zwei Wochen eine allergische Reaktion mit mir herum. Ich bin fertig...
*seufz* |
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| engelsretter |
Hallo marielisa,
kein Mensch ist perfekt und hat es jemals geschafft perfekt zu sein. Aber was ist perfekt? Das ist eine subjektive Meinung eines jeden Menschen, nur der Mensch selbst beurteilt das für sich allein. Viele Betroffene sind magersüchtig und finden sich wunderschön. Meine Partnerin wäre sehr glücklich, wenn sie 35 kg wiegen würde, das tut sie nicht, aber sie würde gerne, um nie mehr m*braucht zu werden. Das kann sich ein Nicht-Betroffener nicht vorstellen, aber für sie wäre es perfekt! Wäre das auch für dich perfekt?
Noch ein Beispiel: Ich habe mal in einer Rockband gespielt, wir haben uns oft bei Liveauftritten verspielt und jeder Musiker hat es auf der Bühne gehört. Die Band dachte, es war ein schlechter Auftritt, da wir so viele Verspieler hatten, doch das Publikum hat es überhaupt nicht gehört.
Was wollte ich damit sagen? Wenn du und dein Partner schlecht tanzen, hat das zu 99% keiner der Mittanzenden bemerkt und selbst wenn, interessiert es keinen wirklich und selbst wenn doch, dann ist es am nächsten Tag vergessen.
Ich wünsche dir einen guten und fast perfekten Abend.
engelsretter |
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| pantalon |
Liebe Marielisa,
ich glaub, das ganze ist ein arg schwieriger Balance-Akt. Viele Dinge, die bei anderen einfach ganz "automatisch" ablaufen, muss ich mir erst bewusst machen. Ich glaube dieses Bewusstmachen kann mir aber dabei helfen, meine Grenzen und meine eigenen Wünsche auszubalancieren. Heute wünschst Du Dir das Guckloch hinter der Mauer, ok. Nimmst Du Dir die Zeit, um zu schauen, ob Du das wirklich willst? Oder kann es auch sein, dass Du Dir diese Position in erster Linie deshalb wünschst, weil die andere Alternative Dich überfordern würde? Vielleicht gibt es da ja etwas dazwischen? Ein Tisch nicht unbedingt in der ersten Reihe, aber vielleicht auch nicht im hintersten Eck?
Manchmal muss man sich selbst in den H*ntern treten, aber Druck von Außen hat bei mir noch nie wirklich geholfen. Mehr der Wunsch, der von innen her kommt.
Der perfekte Tanzabend - wie stellst Du ihn Dir vor?
Alles Liebe
Pantalon |
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| marielisa |
Liebe Pantalon,
man mag es kaum glauben, aber der perfekte Tanzabend wäre für mich auf einer Bühne. Dort wird man zwar gesehen, kann aber einen innerlichen Abstand zum Rest der Anwesenden schaffen. Außerdem kann man immer sagen "Das war ich ja nicht. Das war meine Rolle.". Es war schon immer schwierig für mich, mich in Gruppen zurechtzufinden. Das Tanzen in der Gruppe, ohne einen Abstand zu haben, ist ein wahnsinniger Druck für mich. Es wäre aber auch Druck für mich, wenn es kein Tanzkurs, sondern ein völlig anderer Verein oder eine Festgesellschaft wäre (z. B. bei einer Einladung zum Geburtstag).
Das schlimme war aber in der Tanzschule für mich, wie Du richtig erkannt hast, nicht die Tanzerei an sich, sondern dass ich gezwungen wurde, in den Vordergrund zu treten. Dann muss ich für mich eine Rolle aufsetzen, bluffen. Das finde ich wiederum nicht richtig. Ich kann selbstverständlich meinen gesamten Körper auf kontaktfreudig programmieren, ich denke viele hier sind gute Schauspieler, alleine weil sie sich dadurch schützen. Aber rechtens finde ich das gegenüber den anderen nicht. Das ist die Manipulation, von der ich sprach. Vielleicht wäre ein Tisch in der Mitte, den ich mir selbst ausgesucht habe, wirklich besser für mich. Vor allem, weil man unter der Schauspielerei im Grunde nur leidet, weil sie anstrengend ist.
Jedenfalls danke ich Dir für den Tipp, ich werde versuchen, ihn am Sonntag durchzusetzen. :-)
Liebe Grüße,
Marielisa
Beitrag ergänzt um 14:57 Uhr:
Lieber engelsretter,
unangreifbar durch Perfektion, das ist ein Traum, hinter dem bestimmt viele von uns hier herlaufen. Der eine versucht es durch Fehlerlosigkeit im Verhalten, der andere durch die vermeintlich perfekte Figur. Mein Partner versucht es durch seine Erzählungen über seine Kampfsportkunst und möglichst dunkle Kleidung, damit er böse wirkt.
Ich verstehe Deine Geschichte über die Band, das Dumme daran ist nur, dass die Menschen, die nach Unangreifbarkeit streben, bei anderen die Fehler auch genau beobachten, um diese auf keinen Fall selbst zu machen. Ich höre z. B. genau hin und sehe genau hin, ob irgendjemand öffentlich irgendwelche Fehler macht. Zum einen, damit ich mich besser fühlen kann als er, zum anderen aber zu meiner Beruhigung, dass Fehler nicht so schlimm sind wie sie sich für mich anfühlen.
Es ist eine schwierige Sache, da raus zu kommen. Man glaubt ja - wie Deine Freundin - alles wird besser, wenn man nur perfekt ist. Alle Leute haben Respekt vor mir, wenn ich perfekt bin (wie auch immer ich das erreichen will), keiner kann mir etwas tun. Man glaubt, sich selbst neu erfinden zu können. Die Selbstbehauptung, die uns oft viel Kraft kostet, fällt durch die erreichte Perfektion ganz einfach weg. Die Frage ist, welches von beiden Dingen anstrengender ist. Vielleicht wäre das für uns alle ein Rechenansatz?
Ich wünsche Dir und Deiner Freundin jedenfalls viel Kraft und hoffe, dass sie ihr Ziel in ein positives umformulieren kann.
Viele Grüße,
Marielisa |
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