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Konfrontation - Klicken Sie HIER um das ursprüngliche Thema anszusehen

    marie
    Huhu,
    ich merke gerade wie ich in meiner Arbeit sehr an meine Grenzen komme. Diese Woche und auch die nächste Woche ist eine Zeit zur Diagnostik, in der ich als kompetente Fachfrau an andere Schulen gehe, um Kinder zu beobachten etc. und den Förderbedarf zu ergründen. Das war letztes Jahr im Bereich der Lernförderung noch recht einfach, dieses Jahr im Bereich der emotionalen-sozialen Entwicklung ist das schwieriger...wir sind angehalten systemisch zu arbeiten, machen dabei Dinge die eigentlich auch nicht unser Job sind.

    Auf jeden Fall ist es so, dass ich mit meinem Gespür für Familienstrukturen und Beziehungsgegebenheiten oft Dinge sehe, bevor sie tatsächlich so sichtbar sind. Ich denke ihr versteht was ich meine...
    Dafür muss ich mich rechtfertigen, begründen, beweisen...obwohl es mittlerweile so ist, dass ich auch um Meinung gebeten werde.
    Die Sensibilität ist also auch eine Chance für mich in diesem Beruf.

    Auf der anderen Seite stehen nächste Woche Gespräche aus, in denen ich weitaus älteren Menschen vermitteln soll, dass sie ungünstige Strukturen für ein Kind bereithalten und meine Hilfe anbieten, dies zu verändern. Ich soll schauen, dass Erziehungshilfe in die Familie kommt und eine psychologische Diagnostik beim Kind passieren kann...ich fühle mich davon weitaus überfordert.
    Es bedeutet ich muss viel telefonieren, so tun als hätte ich viel Ahnung und darf keine Unsicherheit zeigen. Es ist eine Komponente meines Berufes, die mir Bauchschmerzen macht...
    Ich fühle mich wie ein Schauspieler, in dem ich für andere Dinge schaffen soll, die ich selber nicht hinbekommen kann.

    Manchmal wünschte ich, ich hätte einen Hand-Beruf, wo ich etwas schaffen kann, ohne die ständige Konfrontation mit eigenen Unzulänglichkeiten.
    Auf der anderen Seite spüre ich auch, gerade durch das eigene Erleben bin ich manches mal viel erfahrener in diesen Dingen als manch anderer...

    Ich meine hier sind doch auch recht viele die in einem sozialen Beruf arbeiten? Wie geht es euch damit? Ist es auch so, dass ihr manchmal Sachen schafft (schaffen müsst), die ihr für euch selbst nicht hinbekommt?

    Viele liebe Grüße
    Marie
    kaja
    Hallo liebe Marie!

    Das kann ich für mich nur bejahen.
    Mir fällt es in Gesprächen mit Eltern sehr leicht Vorschläge zu unterbreiten oder Anregungen zu geben, die ich zu Hause in manchen Bereichen auch nicht so umsetzen kann.
    Ich denke aber das es daran liegt, dass man anderen immer leichter helfen kann als sich selber.
    Durch die Fehler anderer erkenne ich meine auch und in dem ich anderen helfe, sie zu vermeiden oder um zu wandeln passiert bei mir auch ganz viel.
    Vieles was mir über mich selbst bewusst geworden ist, habe ich durch die Arbeit erfahren.
    Es gibt eine Studie die aussagt, dass sehr viele Betroffene soziale Berufe wählen.
    Ich hoffe, dass du in den nächsten zwei Wochen deine Arbeit gut hinbekommst und für dich und die anderen viel bewirken kannst.

    Liebe Grüße
    kaja
    mahamati
    Liebe Marie!

    Ich bin zwar nicht in einem sozialen Beruf tätig, aber ich habe in meiner Erzieherinnen-Ausbildung Praktika gemacht, wo ich ständig mit schwiergigen Familienverhältnissen konfrontiert wurde und mich auch gezwungen sah, dazu etwas zu sagen, wenn immer nur das "Schweige- und Weggkuck-Mäntelchen" darüber gedeckt wurde.
    Ich hatte und habe keine systemische Ausbildung, denke aber an vielen Stellen systemisch. Und so sehe ich mehr als nur die einzelnen Komponenten im System.

    Was Du beschreibst...auf er einen Seite Rechtfertigungen dafür bringen zu müssen, was andere eben nicht sehen...ich denke, das wird Dir immer wieder passieren. Und vor allem die werden "Beweise" wollen, die nicht verstehen und nachvollziehen können, was Du schon im Vorfeld sehen kannst.

    Ich glaube, dass es da eines gesunden Selbstvertrauens an sich und den Glauben in seine/Deine Arbeit und Deine Fähigkeiten bedarf.
    Das dauert seine Zeit, die Du Dir geben solltest. Denn damit ist einfach mehr Souveränität verbunden, die irgendwann nicht mehr "nachfragen" lässt von Aussen.

    Die andere Seite..."so tun als ob" finde ich ganz schwierig, bzw. ich hätte damit auch Probleme. Hat sicher auch mit der eigenen Authentizität, der Suche nach sich selbst zu tun. Ich wäre de facto unsicher, wenn ich etwas vermitteln soll, worin ich selbst nicht "sattelfest" genug bin. Und ich würde das im Team, bei meinen Vorgesetzten auch so sagen. Keine Ahnung, ob das gehen würde in Deinem Fall.

    Was die Konfrontation mit eigenen Unzulänglichkeiten angeht...auch das verstehe ich gut, deshalb möchte ich auch in keinem sozialen Beruf mehr arbeiten. Nicht, weil ich davor weglaufe...ich arbeite sehr an meinen Schwächen...es ist eher das Gefühl, dass mir manches zu nahe gehen würde und ich dann nicht mehr adäquat - also in einer guten Balance zwischen Verstand und Gefühl - arbeiten könnte.

    Mmh, soweit erstmal...keine Ahnung, ob ich Deine Fragen beantworten konnte....

    Alles Liebe,

    Mahamati
    tageslicht
    hm in meinem beruf habe ich viel mit kindern zu tuhen,
    da merke ich nach feierabend oft erst das das eine gränze war die ich überschreiten mußte um zu helfen und bin oft ausgepowert.
    der soziale beruf ist sehr schwer,konfrontazionen bleiben da nicht aus,seis mit den kindern el*ern,kollegen oder nach feierabend mit mir selbst!
    oft gehe ich an die frische luft und atme durch damit ich mich neuen aufgaben stellen kann!das hilft ganz gut.
    ich finde nicht das du dich unerfahren anhörst.und denke auch nicht das du deine feinfühligkeit,*eine gute gabe wie ich finde* rechtfertigen solltest sondern auf das was du kannst und machst stolz sein kannst,
    ich weiß auf jedenfall das gerade der soziale beruf eines der schwersten ist und ich wünsche dir sehr viel kraft
    anne
    Liebe Marie :knuddel:

    in meinem Job muss ich auch Diagnostik betreiben und Dinge ansprechen, die oft nicht so angenehm sind.

    Wenn ich mit diagnostischem Instrumentarium arbeite, dann erkläre ich vorher, wie Ergebnisse bewertet werden und gehe mit dem Menschen diese dann auch durch. Ich erlebe unterschiedliche Reaktionen: Betroffenheit, Abwehr, Erleichterung ("endlich hat ES einen Namen").
    Der nächste Schritt ist dann zu gucken, ob es Hilfen / Unterstützungen braucht / gibt.
    Viele Menschen kennen unterschiedliche Angebote gar nicht und ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Beratung zu den Möglichkeiten i. d. R. gut aufgenommen wird.

    Musst du Menschen / Eltern überreden, Hilfestellungen anzunehmen? Sollst du gegen ihren Willen Entscheidungen umsetzen?

    Verlasse dich auf dein Gespür für Situationen und formuliere es auch so ("mein Eindruck ist...". "ich erlebe das Kind sehr ängstlich, es spricht wenig mit anderen".) Verhaltensbeobachtung ist ein diagnostisches Instrument und wenn du ein Kind in unterschiedlichen Situationen ähnlich auffällig erlebst, dann kannst du das beschreiben.
    Thesen zu dem Verhalten entwickeln wirst du vor dem Hintergrund deines Wissens und deiner Erfahrungen. Das ist auch eine gute "Datenbank".

    Ich arbeite ja mit Erwachsenen und erlebe es immer wieder, dass ich meistens "nur" Dinge ausspreche, die sowieso schon bekannt sind. Du "erschaffst" kein Problem, du benennst es nur und das finde ich wichtig zu trennen.

    Tja und zu dem, dass es sich ja großmäulig anhören könnte, wenn ich schlau was rede und es selbst nicht hin bekomme:
    ich könnte dir stundenlange Vorträge über die Gesundheitsschäden vom Rauchen halten! Trotzdem rauche ich!
    Ich kann anderen Menschen sagen, dass es gut ist, wenn sie offen mit ihren Unsicherheiten umgehen. Im gleichen Atemzug kann ich mich aber auch unsicher fühlen und es eben nicht benennen.

    Es gibt viele gute Tipps für das Leben und wir über doch Alle mehr oder weniger!

    Ich bin mir sicher, dass du eine Menge über Entwicklungspsychologie und Störungen in unterschiedlichen Lebensbereichen/-phasen weißt.
    Nutze deine Kenntnisse und dein Gespür und sei dir sicher, dass du Menschen sehr sehr gut beraten kannst!
    Den Eindruck habe ich nämlich sehr eindeutig von dir :smug:

    Stell dir vor, es gibt sogar Hebammen, die selbst noch nie ein Kind bekommen haben und trotzdem mitreden können ;)

    Liebe Marie, bitte vergiss nicht, dass du ganz am Anfang deiner Karriere stehst und ich mir üüüüüberhaupt nicht vorstellen kann, wie das ohne Unsicherheiten gehen kann.

    Ich war bereits 2 Jahre in meinem Job und fühlte mich immer noch restlos überfordert! Nach 5 Jahren war es dann ruhiger ;)

    Du Liebe, ich glaube sehr fest an dich und deine Kompetenz und würde mich glücklich schätzen mit dir als Fachfrau zutun zu haben :)

    Liebe Grüße und gaaaanz viel Mut und Vertrauen in dich, das hast du verdient :smug: :gernhab:

    Anne
    marie
    Danke für eure Rückmeldung ihr drei :)

    @anne: Ich handle 100% parteiisch für das Kind (das ist der Spaß an der Sache :D) und damit sicher auch gegen den Willen der Eltern, Lehrer etc. (das ist das Schwere und Anstrengende daran)...mich mit 26 Jahren vor erheblich ältere Menschen zu stellen und ganz dezent zu vermitteln, der Rahmen ist für das Kind nicht ganz optimal...aber du hast natürlich recht, die Unsicherheit wird hoffentlich nachlassen.

    Ist für mich vielleicht auch im Moment eine grundlegende Frage, da ich mich bis Anfang April bewerben muss und nun überlege, wo geht die Reise eigentlich hin. Will ich mich tatsächlich auf die Arbeit mit traumatisierten und psychisch kranken Kindern einlassen oder bleibe ich lieber auf dem Feld der Lernschwierigkeiten, wo die Kinder zwar auch Schwierigkeiten im sozialen Umfeld haben etc. aber das Ausmaß ein ganz anderes ist...

    Auf lange Sicht nützt es mir ja auch nichts so zu tun, als wäre ich taff und bin es gar nicht, denn das ist genau das Bild das ich abgebe (Nerven wie Drahtseile, sehr ruhig, sehr sicher, sehr klar und überzeugend....sind so die Rückmeldungen)...dabei geht innerlich die Post ab.

    Ich halte euch auf den Laufenden....;)

    Liebe Grüße
    Marie