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Allein - Klicken Sie HIER um das ursprüngliche Thema anszusehen

    seilerin
    Manchmal kann ich gut allein sein.
    Manchmal bin ich nicht allein, dann wünschte ich mir, ich wäre es.
    Manchmal brauche ich das Alleinsein. Dann genieße ich die Ruhe.
    Und manchmal, da kann ich nur schwer allein sein. So wie auch jetzt. Jetzt, wo mir jemand sehr fehlt, wo mich Gedanken und Fragen nicht loslassen, wo die Sehnsucht in mir ist, da fällt es mir schwer, allein zu sein.
    Ich habe es gerade in mir dieses Wort, dieses Gefühl: Allein.
    Vielleicht habe ich deshalb schon den ganzen Tag dieses Lied im Kopf.
    Es passt nicht alles davon zu mir, aber ich möchte es trotzdem hier lassen.


    Allein

    Er drang mir in die Seele, weiß Gott, wie er mich traf
    der Spott der guten Kinder, ich war das schwarze Schaf
    im Pausenhof, die Tränen niederkämpfend, stand ich stumm
    der Inhalt meines Ranzens lag verstreut um mich herum
    wie wünscht ich mir beim Aufsammeln eine helfende Hand
    ein Lächeln, einen Trost, und da war keiner, der sich fand
    und ich hatte keinen Freund, und schlechte Noten, ist ja wahr
    und unmoderne Kleider und widerspenstiges Haar

    Allein - wir sind allein
    wir kommen und wir gehen ganz allein
    wir mögen noch so sehr geliebt, von Zuneigung umgeben sein
    die Kreuzwege des Lebens gehen wir immer ganz allein
    Allein - wir sind allein
    wir kommen und wir gehen ganz allein

    Wir waren uns alle einig in dem großen Saal
    wir hatten große Pläne und ein großes Ideal
    ich war der Frechste und der Lauteste und hatte Schneid
    ich wusste unsere Stärke war unsere Geschlossenheit
    doch mancher, der von großer gemeinsamer Sache sprach
    ging dabei doch nur seiner kleinen eigenen Sache nach
    und als ein Held sich nach dem anderen auf die Seite schlich
    stand einer nur im Regen, und der eine, der war ich

    Allein - wir sind allein
    wir kommen und wir gehen ganz allein
    wir mögen noch so sehr geliebt, von Zuneigung umgeben sein
    die Kreuzwege des Lebens gehen wir immer ganz allein
    Allein - wir sind allein
    wir kommen und wir gehen ganz allein

    Und noch ein Glas Champagner und sie drückten mir die Hand
    und alle waren freundlich zu mir, alle waren charmant
    und mancher hat mir auf die Schulter geklopft, doch mir scheint
    es hat wohl mancher eher sich als mich damit gemeint
    die Worte wurden lauter und sie gaben keinen Sinn
    das Gedränge immer enger und ich stand mitten drin
    und fühlte mich gefangen wie ein Insekt im Sand
    je mehr es krabbelt desto weiter rückt der Kraterrand

    Allein - wir sind allein
    wir kommen und wir gehen ganz allein
    wir mögen noch so sehr geliebt, von Zuneigung umgeben sein
    die Kreuzwege des Lebens gehen wir immer ganz allein
    Allein - wir sind allein
    wir kommen und wir gehen ganz allein

    Nun, ein Teil meines Lebens liegt hinter mir im Licht
    von Liebe überflutet und gesäumt von Zuversicht
    in Höhen und in Tiefen auf manchem verschlungenen Pfad
    fand ich gute Gefährten und fand ich guten Rat
    doch je teurer der Gefährte, desto bitterer der Schluss
    dass ich den letzten Schritt des Wegs alleine gehen muss
    wie sehr wir uns auch aneinander klammern, uns bleibt nur
    die gleiche leere Bank auf einem kalten leeren Flur

    Allein - wir sind allein
    wir kommen und wir gehen ganz allein
    wir mögen noch so sehr geliebt, von Zuneigung umgeben sein
    die Kreuzwege des Lebens gehen wir immer ganz allein
    Allein - wir sind allein
    wir kommen und wir gehen ganz allein

    (Reinhard Mey)