| moppel |
In letzter Zeit habe ich sehr viel gesprochen, vor allem telefonisch. Einen Dank an dieser Stelle möchte ich der Telefonseelsorge aussprechen. Die Menschen dort sind immer sehr hilfsbereit und verständnisvoll.
Vor einiger Zeit hatte ich dort jemanden am Telefon, der meine Sicht der Dinge ziemlich umgekrempelt hat.
Wenn das was er sagte, nur im Ansatz stimmt, dann bin ich eine ziemlich egozentrische, egoistische und selbstmitleidige Person. Und das hat mich doch ziemlich erschreckt, weil ich immer der Meinung war, dass ich tolerant und großherzig bin.
Er meinte, dass es ziemlich heftig ist, mich so jemanden rechthaberisch aufzudrängen wie ich es getan habe. Einerseits zu sagen, es ist toll was ihr macht und andererseits gleich nachzuschieben, ich würde es aber so machen. Das heißt, ich spreche ihnen die Selbstverantwortung rigoros ab und erwarte, dass meinen „Ratschlägen“ entsprochen wird.
Im ersten Moment war ich wütend. Wie kann jemand von mir – ich die es immer nur gut meinte! – so etwas sagen? Trotzdem hatte ich so eine kleine Stimme in mir, die meinte, laß Dich auf dieses Gespräch ein.
Ich schob meine Wut beiseite und erwiderte, dass ich es immer nur gut gemeint habe. Daß ich sie nie verletzten wollte oder so.
Er fragte mich, ob die Anfangszeit, als man mich so brauchte und das auch zeigte, mir auch geschmeichelt hätte. Hm, geschmeichelt ist das falsche Wort, es war teilweise belastend aber auch schön zu wissen, dass ich erwartet werde.
Er sagte daraufhin etwas, was mich sehr nachdenklich machte. Daß man - im wahrsten Sinne des Wortes - liebenswert sein kann ohne gebraucht zu werden.
In der Zwischenzeit denke ich, mit diesen Worten hat er die letzten Monate auf den Nenner gebracht. Im ersten Moment wollte ich laut lachen, die Vorstellung war einfach zu grotesk. Aber ich lachte nicht. Ich wurde auf einmal sehr still. Kann es wirklich sein, dass ich so eine besch....Einstellung mir gegenüber habe? Daß man mich nur lieben kann, wenn ich das Gefühl habe, gebraucht werde? Und nicht, weil ich ich bin? Mit meinen Stärken und Schwächen? Wurde es mir gezeigt, daß man es kann und ich habe es nicht gesehen?
Viele Fragen – und keine Antworten.
Ich fühle mich ausgehöhlt, müde, einsam und irgendwie ekle ich mich vor mir.
moppel |
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| mahamati |
Liebe moppel!
Es ist gut, dass Du die Bereitschaft hattest, Dir diese zunächst hart klingenden Worte anzuhören und Dir auch etwas davon anzunehmen, sie zu überdenken.
Ich kann Dein Empfinden, was Du beschreibst, nachvollziehen. Ich habe auch an einigen Stellen so gehandelt, vor allem in der letzten Geschichte mit einem Mann. Und ich fühlte mich bei der Erkenntnis dessen "Gebraucht werden = Lieben" ebenso mies wie Du jetzt. Der einzige Unterschied war und ist: ich ekle mich nicht vor mir, bin aber wütend und sauer auf mich, dass ich so gehandelt habe. Die Ursache ist schlicht mangelnde Selbstliebe. Und wenn wir das nie gelernt haben als Kinder, dauert das eben, bis sich diese entwickeln kann.
Diese Erkenntnis ist aber, so übel, wie sie sich auch anfühlen mag, ein sehr wichtiger Schritt für Dich und Deine Beziehungen zu Menschen.
Ich denke, wenn wir irgendwann in die Selbstliebe kommen, dann werden diese ungesunden Beziehungsmuster aufhören.
Lieben Gruss,
Mahamati |
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| moppel |
Hallo Mahatmi,
Wut und ähnliches auf einen selbst kommt in den ganzen Wirrwarr auch noch dazu.
Was mich auch so verwirrt, ich habe mich damals in jemanden verliebt, weil sein Lächeln mich umgehauen hat, er sehr liebe- und fürsorgevoll ist und noch vieles mehr. Eigentlich genau die Art von Mann, von dem ich gedacht habe, es gibt sie nicht. Er hätte an jedem Finger einige Frauen haben können.....
Ich gebe Dir recht, man sollte sich erst mal selbst lieben können. Liebe war damals ins Bett gerufen zu werden........
Nähe, Zärtlichkeit und Geborgenheit gab mir mein Partner - und anstatt den Moment zu geniessen, klammerte ich, wurde fordernd und auch verletzend.
Trotz allem - auch wenn es sich vielleicht völlig bescheuert anhören mag nach meinen Beiträgen, finde ich die Fortschritte - und sie sie noch so klein - die durch die Therapie entstanden sind, verdammt gut.
Und trotzdem vermisse ich die Partner- und die Freundschaft wahnsinnig :(
moppel |
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| shawnee |
Liebe moppel,
vermissen, ja, darfst Du....darfst traurig sein.
Als ich Dein erstes Posting las, dachte ich an die Worte, die ich letzte Woche hörte, mich jemand fragte:
was ist das Gegenteil von "gut"?
Ich erwiderte. "Schlecht!" Falsch.
Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint".
Ich will das jetzt hier gar nicht so auseinanderklamüstern, möchte Dir dieses Worte mit auf den Weg geben.
Ich war jahrelang der Überzeugung, das man mich nur lieb haben kann, wenn ich: a. funktioniere bis zum Umfallen, b. immer da bin, wenn's brennt (und wenn es mitten in der Nacht ist) und c. mich selber aufgebe, um für andere zu sorgen.
Ärger runterschl*cke, weil ich A**st hatte, der Mensch, gegen den sich der Ärger richter, würde mich dann fallenlassen, mich h*ssen, mich nicht mehr mögen.
Das hat mich ganz viel Energie gekostet, ganz viel Therapie, ganz viele Tränen.
Heute - viele Jahre später, weiß ich, dieses Leben hatte einen Sinn - um das alles wegzustecken, was da hochkam an Bilder, Erinnerungen.
Wie kann man sich selber lieb haben, wenn man das Gefühl hat, ganz fürchterlich bestraft worden zu sein, weil man b*se und schlecht war.
Ich war nie b*se oder schlecht - ich war ein Kind, das man liebhaben mußte, einfach, weil es das Recht dazu hat.
Alles andere war verkehrte Welt.
Nun fange ich an, mich liebzuhaben. Ich setze Grenzen, wo ich nicht mehr kann, ich sage "nein", wenn ich etwas nicht möchte.
Das kostet Überwindung: und siehe da - keiner wendet sich ab, niemand ist verärgert.
Es wird akzeptiert.
Vielleicht kannst Du im Kleinen anfangen, mind. 3 die Woche "nein" sagen - wenn Dich jemand um etwas bittet, wenn Dir etwas nicht gefällt.
Und sei es, wenn Dich jemand an der Kasse bittet, ihn/sie vorzulassen, weil sie "ja nur zwei Teile hat".
:trost: für das Vermissen
Shawnee |
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| pitiplatsch |
Guten Morgen zusammen,
irgendwie kommen mir Eure Worte bekannt vor..
Kann es selber auch sehr schwer glauben das ich geliebt werde ohne "gebraucht" zu werden..
Oft frage ich mich welche Daseinsberechtigung ich hab wenn ich nicht alle tue was von mir vermeintlich verlangt und/oder erwartet wird. MAg mit daran liegen das ich in früheren Beriehungen nur "ben**zt" wurde und "der Mohr gehen konnte wenn er seine Schuligkeit getan hat"...
Sletsamerweise ist es schmwerzhaft kein "Mohr" mehr zu sein.. Eigendlich sollte ich mich darüber doch freuen oder??? Doch statt dessen ist in mir die Frage "Wer bin ich denn das sie mich liebt.. hab doch nichts gutes zu bieten außer mein Bemühen alles für sie zu tun...?...
Statt dessen fühle ich auch Wut, Trauer, Schmerz ....
Bin ich wirklich so Egoistisch??? |
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